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Lupe
Ökologisch fragwürdig, gesundheitlich bedenklich
Thema zur Sendung "Ausgebrannt"
Im September 2012 werden nun auch die letzten und schwächsten Glühlampen verboten. Als Alternative sollen wir die Energiesparlampe kaufen. Fachhändler Stefan Schrader hält das nicht für richtig.
Stefan Schrader, Lampenhändler:
"Die Energiesparlampe ist eine Entladungslampe und die ist nicht dafür konzipiert worden, dass man sie ständig ein- und ausschaltet. Aber wir Bürger werden ja jetzt gezwungen überall Energiesparlampen einzusetzen. So werden die Lebensdauern überhaupt nicht erreicht. Im Kleingedruckten steht 20 Jahre, aber nur, wenn sie nicht länger als 2,5 Stunden am Tag brennt. Ich finde das schon sehr abenteuerlich."

Industrie und Politik preisen die Kompaktleuchtstofflampe als Öko-Birne.

Stefan Schrader, Lampenhändler:
"Wie kann die eine Öko-Birne sein, wenn die voll mit Quecksilber ist? 2,3 mg reichen schon aus, um Erdreich zu verseuchen."

Eine Öko-Mogelpackung?
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Was ist dran an den Vorwürfen? Schon nach dem Verbot der ersten Glühlampen stieg der Energiesparlampen-Absatz im Jahr 2009 um 35 Prozent auf 27 Millionen Stück an. Wird uns nun eine Lampe als ökologisch wertvoll verkauft, die es gar nicht ist? In Wilhelmshaven im "Prüfzentrum Technik" untersuchen Elektroingenieur Wolfgang Herter und seine Kollegen schon seit Jahren unterschiedliche Leuchtmittel. Wolfgang Herter testet auch, wie lange Energiesparlampen wirklich brennen.

Wolfgang Herter, Elektroingenieur:
"Was auf der Verpackung steht, das stimmt in der Regel nicht - dass die 8000-10000 Stunden halten sollen. Dann haben wir noch den Schalttest: Wenn man sich vorstellt, im Badezimmer ist 10-mal an- und ausschalten überhaupt kein Problem. So hat man noch nicht einmal eine Lebensdauer von einem Jahr für so eine Lampe."

Energiesparlampen sind in jeder Form und Größe erhältlich, und alle haben eines gemeinsam: sie enthalten Quecksilber. Sobald der Glaskolben bricht, tritt Quecksilberdampf aus.

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Gary Zörner, Chemiker:
"Jedes bisschen Quecksilber macht ein kleines bisschen dümmer. Und es muss alles getan werden, dass weltweit Quecksilber weder gewonnen, noch produziert, noch in Umlauf gebracht wird."

In Europa dürfen nur Lampen hergestellt werden, die maximal 5 Milligramm Quecksilber enthalten. Wird bei der Produktion zu wenig in die Lampe eingebracht, funktioniert sie nicht. Mit zuviel Quecksilber dagegen schon. Und das ist das Problem.

Katja Winkelmann, Lichtplanerin:
"Und so wird eben bei den Billigprodukten oder bei vielen Produkten die in Asien produziert werden, wird einfach eine größere Menge Quecksilber eingebracht, damit es auf jeden Fall funktioniert. Also diese feineren Kontrollen, die es vielleicht in Deutschland gibt, die gibt es dort eben nicht, das heißt billigere Produkte haben natürlich einen höheren Quecksilberwert."

Quecksilber ist nicht das einzige Giftstoffproblem
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Die Mülltrennung klappt hierzulande wegen des ausgeprägten Umweltbewusstseins recht gut. Nur bei der Energiesparlampe gibt es ein massives Recyclingproblem. Nur 10 % der Lampen aus privaten Haushalten werden abgegeben. 90% der quecksilberhaltigen Birnen landen im Hausmüll und gelangen so in die Umwelt und ins Erdreich. Anders als bei Batterien, weiß kaum jemand, dass die Lampe nicht in den Hausmüll gehört. Das Recycling ist aufwendig: Glas, Quecksilber und Elektronik werden getrennt. 3% der giftigen Reste der Energiesparlampe sind nicht recyclebar. Sie werden unter Tage endgelagert. Wie unser Atommüll.

Die Frankfurter Öko-Test-Redaktion hat 16 verschiedene Energiesparlampenmodelle getestet und dabei festgestellt, dass Markenprodukte und Billiglampen oft die gleichen Schwächen haben. Und dabei ist Quecksilber nicht das einzige Giftstoffproblem der Lampen.

Jürgen Stellpflug, Öko-TEST:
"Sie dünsten teilweise. Wir sind darauf gekommen, weil uns Verbraucher darauf aufmerksam gemacht haben, dass die ESL stinken. Und wir haben es untersucht und tatsächlich festgestellt, diese Stoffe, die wir da untersucht haben, die will man im Schlafzimmer auf keinen Fall haben."

Giftige Stoffe in unseren Wohnungen? Im Labor für chemische Analytik untersucht Gary Zörner für uns die Ausdünstungen verschiedener Lampenmodelle von unterschiedlichen Herstellern.

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Gary Zörner, Chemiker:
"Das schlimme ist , dass wir einen ganzen Cocktail an Giftstoffen haben. Diese Lampe müsste eigentlich sofort verboten werden."

Nicht klar ist, warum überhaupt Giftstoffe aus der Lampe ausgasen können.

Wolfgang Maes, Baubiologe:
"Es wird sich nicht gekümmert. Das Geschäft steht offenbar im Vordergrund. Wir haben es mit Giftstoffen und mit biologisch kritischen Aspekten zu tun. Und die Hersteller lassen es, solange der Verbraucher es konsumiert, so sein wie es ist."

Sendedaten
19.04.2012, 20.15 Uhr
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