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Lupe
Die Entdeckung der Mikromimik
Thema zur Sendung "Rätselhafte Mimik"
Paul Kelly, dem menschlichen Lügendetektor, bleibt nichts verborgen. Mit seinem siebten Sinn registriert er auch maskierte Gefühle. Die fast übersinnlichen Fähigkeiten von Mimik-Virtuosen wie Kelly inspirierten den Meister der Mimik. Paul Ekman wollte sehen, was sie sehen, um Lügen dechiffrieren zu können.
Paul Ekman, Psychologe, San Francisco:
"Die Virtuosen der Betrugsaufdeckung, wenn Sie so wollen, die "Mozarts" der Lügenerkennung, sind ausgesprochen talentiert, und sie beschreiten Wege, die wir nicht kennen. Aber sie zaubern natürlich nicht: wenn man Videos mit ihnen anschaut, bemerken sie Dinge, die wir zwar untersucht haben. Wir wissen nur nicht, wie sie das aus sich selbst heraus gelernt haben."

Außerhalb der Kontrolle des Willens
Lupe
Im Team mit den seltenen Naturtalenten hat Ekman gefilmte Gesichter immer wieder in Superzeitlupe vor und zurück gespult. Dabei machte er die Entdeckung seines Lebens: die Mikromimik. Minimale Muskelbewegungen, die für den Bruchteil einer Sekunde in unseren Gesichtern aufblitzen und maskierte Emotionen offenbaren. Ihre Wahrnehmung erfordert höchste Konzentration.

Mikroausdrücke entziehen sich der Kontrolle des Willens. Es sind undichte Stellen, durch die unsere wahren Gefühle hindurch sickern - laut Ekman ein sicheres Indiz dafür, dass eine Person etwas zu verbergen hat. Mit etwas Übung kann jeder verdeckte Gefühle wahrnehmen, so Paul Ekman. Als Paradebeispiel für eine ganz offensichtliche Lüge führt der Psychologe Bill Clinton an.

Paul Ekman, Psychologe, San Francisco:
"Bill Clinton ist ein sehr interessanter Mann. Als ich ihn das erste Mal sah, sagte ich zu meiner Frau "Das ist ein Kerl, der in flagranti erwischt und trotz allem von uns geliebt werden will". "Blödsinn!", meinte meine Frau. Aber genau das stellte sich als sein wunder Punkt, als seine Achilles Ferse heraus - purer Zufall, dass ich das vorausgesagt habe. Er war ein furchtbar schlechter Lügner. Ein sehr smarter Mann, aber er wurde immer wieder entlarvt. Ich denke, er wollte ertappt werden, den Hintern versohlt bekommen und trotzdem von uns geliebt werden."

Wir wollen die Wahrheit nicht unbedingt kennen
Lupe
Der Politiker Uwe Barschel bespitzelte 1987 seinen größten Rivalen. Sein Ehrenwort machte Schlagzeilen: als "Jahrhundertlüge". In der Politik gibt es viele Täuschungsmanöver - aber schlichte, direkte Lügen wohl eher weniger.

Paul Ekman, Psychologe, San Francisco:
"Henry Kissinger schrieb in seinen Memoiren, es werde unter Diplomaten akzeptiert, nicht mit offenen Karten zu spielen. Verschleierung werde gebilligt, aber bewusste Täuschung, also einem anderen Politiker wissentlich falsche Informationen zukommen zu lassen, bedeute den Todesstoß."

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Ex-Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg stand in der Beliebtheitsskala deutscher Politiker ganz oben - auch noch, als bekannt wurde, dass seine Doktorarbeit in weiten Teilen ein Plagiat sein könnte. Seine Anhänger wollten an ihn glauben. Doch seine Mimik konnte kaum verbergen, dass irgendetwas nicht stimmt.

Paul Ekman, Psychologe, San Francisco:
"Lügen funktionieren deshalb so gut, weil man die Wahrheit nicht unbedingt kennen will: Wollen Sie wissen, ob Ihr Kind Drogen nimmt? Wollen Sie wissen, ob die Person, die Sie für einen Job vorgeschlagen haben, schon einmal Geld veruntreut hat? Wollen Sie wissen, ob Ihr Ehepartner Sie betrügt? Ja und nein. Das sind alles schreckliche Dinge, und die meisten von uns, möchten davon lieber nichts wissen."

Sendedaten
21.06.2012, 20.15 Uhr

Erstsendung: 05.04.2012
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