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Keimkiller Kupfer
Thema zu "wissen aktuell: Die Macht der Zellpiraten"
Das Krankenhaus Hamburg - Wandsbek geht neue Wege im Kampf gegen die Keime. Zwei Stationen wurden komplett auf Kupfer umgestellt. Lichtschalter und Türgriffe, die Hotspots der Bakterien, wurden ausgetauscht. Aluminium, Edelstahl oder Kunststoff wurden durch Spezialan-fertigungen aus einer antibakteriellen Kupferlegierung ersetzt.
Jörg Braun, Infektiologe Krankenhaus Wandsbek:
"Eine aktive Krankenschwester desinfiziert sich bis zu 100mal pro Tag die Hände. Das reicht aber in der Tat nicht aus. Selbst wenn wir alles berücksichtigen, alles richtig machen, wird es trotzdem die Übertragung von Krankheiten im Krankenhaus geben."

Zahl der Antibiotika-resistenten Bakterien verringert
Der gewünschte antibakterielle Effekt tritt dabei insbesondere bei den Türklinken auf. So ließ sich unter Alltagsbedingungen nachweisen, dass die Zahl der Antibiotika-resistenten Bakterien um ein Drittel verringert wurde. Auch die Neubesiedlung der Kupfer-Türgriffe und Kupfer-Schalter durch Keime wurde erheblich vermindert.

Jörg Braun, Infektiologe Krankenhaus Wandsbek:
"Wir behandeln heute Krankheiten, die wir früher nie und nimmer erfolgreich behandeln konnten, mit Chemotherapie, mit Organtransplantationen, haben es viel zu tun mit Abwehrgeschwächten Patienten und diese Patienten haben eine hohes Risiko Infektionen zu erleiden auch durch Bakterien, die normalerweise nicht krankmachen."

Niedrigere Infektionsraten
Auf den mit Kupfer ausgestatten Stationen gab es im Untersuchungszeitraum einen erfreulichen Trend zu niedrigeren Infektionsraten bei Patienten, der allerdings in größeren Studien noch genauer untersucht werden muss. Kontaktflächen aus Kupfer scheinen aber eine sinnvolle Ergänzung zu bestehenden Hygienemaßnahmen wie der Händedesinfektion zu sein.

Jörg Braun, Infektiologe Krankenhaus Wandsbek:
"In den letzten Jahren haben wir uns hauptsächlich um unsere Hände gekümmert, um die Hände des Personals. Haben dabei vielleicht ein bisschen aus den Augen verloren, dass aber auch andere Übertragungen möglich sind, z.B. von Angehörigen, oder auch von Patient zu Patient und da kann so eine Türklinke natürlich einen Mittler darstellen."

Kupferarmaturen, -schalter oder -türgriffe sind etwa 10% teurer als herkömmliche Modelle. Bei einer einzigen Krankenhausinfektion entstehen - zusätzlich zum Leid der Patienten - Mehrkosten zwischen 4.000 und 20.000 Euro. Kupfer - und auch das deutlich teurere Silber - galten schon in der Antike als stark antimikrobiell. Allerdings wissen die Experten noch nicht genau, warum Kupfer Keime tötet.

Jörg Braun, Infektiologe Krankenhaus Wandsbek:
"Was wir vermuten ist, dass durch das Kupfer Sauerstoffradikale freigesetzt werden und diese Sauerstoffradikale einen direkten keimtötenden Effekt haben. Übrigens auch ein Mechanismus, den wir sehr gut kennen, weil unsere körpereigenen Abwehrmechanismen laufen zum großen Teil über Sauerstoffradikale. Also insofern verwenden wir auch hier ein Prinzip, das eigentlich altbekannt ist."

Manchmal braucht es leider ein bisschen länger, bis sich Innovationen durchsetzen.

Mit Plasma desinfizieren
Vielleicht setzen sich andere Innovationen schneller durch. Seit 10 Jahren hat Bernd Adolph eine Wunde am Knöchel, die nicht heilen will. 38 Operationen und Hauttransplantationen konnten ihm nicht helfen. Ursache sind die vielen Bakterien, die sich immer wieder in der Wunde ansiedeln. Mit sogenanntem Kalten Plasma wollen die Ärzte die Wunde endlich keimfrei machen. 30 Sekunden lang streicht das ionisierte Gas wie ein warmer Lufthauch über die offene Stelle.

Lupe
Ein Plasma auf Basis von Luft erzeugt aggressive Verbindungen wie Wasserstoffperoxid, Stickoxide oder Ozon. Ihre keimtötende Wirkung entfalten die Verbindungen nicht alleine, sondern erst in Kombination miteinander. Die Plasmakanone - eine Elektrode, die in normaler Raumluftumgebung ein Kaltes Plasma produziert, wurde von einem Team um Gregor Morfill am Max-Planck-Institut für extra-terrestrische Physik entwickelt. Eine völlig neue Hygienekultur bahnt sich an. Denn nicht nur Bakterien gehen zugrunde, sondern auch Hautpilze.

Wilhelm Stolz, Dermatologe, Klinikum Schwabing:
Mit der Plasmabehandlung haben wir eine Chance, Bakterien zu bekämpfen, ohne dass wir Antibiotika einsetzen, die ja vielfältige Probleme haben können. Und alle diese Untersuchungen haben ergeben, dass kein Risiko für den Patienten besteht. Bei der Plasma-Desinfektion wird kein Wasser verschmutzt und es entsteht auch kein Abfall. So könnte der Kampf gegen die Bakterien künftig schneller und umweltfreundlicher werden.

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