© zdf-catharina kleber
Die Musikerin Lucy van Org performt ihren Song "Mutterherz", einem eigens für diese Doku komponierten Song.
Die Musikerin Lucy van Org performt ihren Song "Mutterherz", einem eigens für diese Doku komponierten Song.
Wahnsinnswerke: Medea
Die Klassiker des Theaters sind hochaktuell: "Wahnsinnswerke" zelebriert ihre Zeitlosigkeit. Eines dieser Werke ist "Medea" von Euripides. Die Figur der Medea entspringt der griechischen Mythologie. Seit der Antike gehört ihre Geschichte zu den bekanntesten Stoffen der Weltliteratur.
© zdf-catharina kleber Die australische Theater-regisseurin Anne-Louise Sarks inszeniert am Theater Basel eine Version aus der Sicht von Medeas Kindern
Die australische Theater-regisseurin Anne-Louise Sarks inszeniert am Theater Basel eine Version aus der Sicht von Medeas Kindern
Die Tragödie des Euripides erzählt das Schicksal einer Frau, die für einen Mann, den gefeierten Helden Jason, alles riskiert, alles aufgibt, selbst vor Mord und Verrat nicht zurückschreckt und ihm in ein fremdes Land folgt. Doch in Korinth angekommen weiß sich Jason deutlich besser in die neuen Strukturen einzufügen. Er verlässt seine Frau für die Königstochter Glauke. Medea und den beiden Kindern droht die Verbannung. Doch Jason hat nicht mit dem Zorn und der rasenden Wut seiner betrogenen Frau gerechnet. Gedemütigt und zutiefst verletzt ersinnt sie einen Racheplan, der umfassender und vernichtender nicht sein könnte. Am Ende wird es keine Gewinner in diesem Kampf der Geschlechter geben, sondern nur Geschlagene. Die ultimative Rache: Medea ermordet die gemeinsamen Kinder.

Viel diskutiert wurde schon in der Antike Medeas Satz: "Und ich erkenne, was für üble Taten ich begehen will, doch stärker als meine Einsichten ist die Leidenschaft, die ja für die Sterblichen die Ursache der größten Übel ist." Medea handelt wider besseres Wissen, aus Leidenschaft in letzter Konsequenz, sie ist ihr nicht ausgeliefert, sondern sie liefert sich ihr bewusst aus und begeht das Unvorstellbare.

Dramen verlieren mit der Zeit nicht an Bedeutung
© zdf-catharina kleber Die österreichische Autorin Stefanie Sargnagel steht mit ihrem trockenen Humor für modernen, jungen Feminismus
Die österreichische Autorin Stefanie Sargnagel steht mit ihrem trockenen Humor für modernen, jungen Feminismus
"Wahnsinnswerke" ergründet diesen Klassiker der Theaterliteratur, vergleicht die prägendsten Inszenierungen und spricht u.a. mit der Schauspielerin Stefanie Reinsperger, Kabarettistin Idil Baydar und Autorin Stefanie Sargnagel über die zentralen Themen Treue, Heimat und Rache.
Manche Dramen sind zeitlos, allgemeingültig über Jahrhunderte hinweg und behandeln archaische Konflikte, die sich damals am Königshof ebenso abspielten, wie heute in der Konzernzentrale. Diese Dramen verlieren mit der Zeit nicht an Bedeutung, lassen uns nicht los, überraschen uns immer wieder aufs Neue, sind verhaftet in unseren Köpfen, im kulturellen Gedächtnis, Allgemein- und Kulturgut: Wahnsinnswerke eben.

Sendedaten
Samstag, 6.10.2018 um 20:15 Uhr
Info
Autor: Katharina Kleber
Redaktion: W. Horn/M. Klingenberg
Produktion: Nordendfilm
45 Min.
Deutschland 2018
Stereo, HD, 16:9
Starke Stücke
© zdf-birgit hupfeldIm Anschluss zeigt 3sat um 21:00 Uhr "Medea" in der Inszenierung von Michael Thalheimer am Schauspiel Frankfurt (2013).
Mehr Wahnsinnswerke
© zdf-martin koboldAm Samstag, 13. Oktober 2018 um 20:15 Uhr sendet 3sat eine weitere Folge Wahnsinnswerke mit dem Theaterliteratur-Klassiker "Nora" von Henrik Ibsen. Im Anschluss zeigen wir "Nora oder ein Puppenhaus" nach einer Inszenierung von Herbert Fritsch