© Julian Baumann
Trommeln in der Nacht
Von/nach Bertolt Brecht
Vier Jahre nach dem Ersten Weltkrieg rechnet keiner mehr mit der Rückkehr des Artilleristen Andreas Kragler, nur Anna, die ihn immer noch liebt. Doch hindert sie das nicht daran, sich mit dem Kriegsgewinnler Murk einzulassen.
Bald bleibt ihr kein anderer Ausweg, als ihren verschollenen Geliebten zu verraten: Sie ist schwanger von Murk und ihre Eltern drängen auf die Verlobung. Als sich Anna endlich dazu durchringen kann, taucht Kragler wieder auf, kehrt heim aus der Kriegsgefangenschaft. Zu spät. Niemand will mehr etwas von ihm wissen, er stört die Idylle, die keine ist. In der Stadt tobt der Spartakusaufstand, dem sich Kragler, jede Hoffnung auf Glück verloren, anschließt.

„Trommeln in der Nacht“ von Bertolt Brecht ist das erste all seiner Stücke, das je auf einer Bühne gespielt wurde. Die Uraufführung fand 1922 in den Münchner Kammerspielen statt. Fast 100 Jahre später lässt Hausregisseur Christopher Rüping sein Ensemble nun an historischer Stätte die Originalinszenierung in einer Art Reenactment wiederaufleben. Bis hin zu einzelnen Bewegungen, die Anzahl von Schritten oder bestimmte Betonungen lässt er zu Beginn die Schauspielerinnen und Schauspieler das Original nachahmen, bis sich dann die strenge Form immer weiter auflöst, die einzelnen Figuren verschwimmen und das Bühnenbild zerstört wird.

Bei Brecht gesteht Anna schließlich ihre Schwangerschaft, Kragler verzeiht ihr und wendet sich von den Protesten ab, um sein privates Glück zu finden. Ein Ende, das Brecht später selbst als zu rührselig empfand. Christopher Rüping bietet deshalb eine zusätzliche Schlussvariante an: Kragler lässt Anna zurück und schließt sich den Revolutionären an. Er zieht in den Kampf, das Politische siegt über das Private.

Besetzung:
Christian Löber, Damian Rebgetz, Hannes Hellmann,
Nils Kahnwald, Wiebke Mollenhauer, Wiebke Puls

Inszenierung Christopher Rüping
Bühne Jonathan Mertz
Kostüme Lene Schwind
Musik Christoph Hart/Damian Rebgetz/Paul Hankinson
Licht Christian Schweig
Dramaturgie Katinka Deecke

Sendedaten
Samstag, 19.05.2018
20:15 Uhr

Inszenierung: Christopher Rüping
Fernsehregie: Andreas Morell
Redaktion: Wolfgang Horn
Eigenproduktion
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