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3sat-Preis für Milo Rau
Milo Rau, Schweizer Regisseur, Theaterautor, Essayist und Wissenschaftler, erhält den mit 10.000 Euro dotierten 3sat-Preis für seine Inszenierung "Five Easy Pieces". Ein mutiges, die Zuschauer*innen herausforderndes Stück über das Leben und die Verbrechen des Belgiers Marc Dutroux, nachgestellt von Kindern zwischen 8 und 13 Jahren.
"Den belgischen Mädchenmörder und Sadisten Marc Dutroux zum Gegenstand eines Theaterstücks zu machen und dafür überwiegend Kinder auf die Bühne zu stellen, ist in der Tat eine Kühnheit. Herz und Verstand erwarten in so einem Fall schweres dokumentarisches Geschütz. Aber der Schweizer Milo Rau verarbeitet den Stoff mit einer Leichtigkeit, die jedes Publikum in ihren Bann zieht. Rau macht das Ungeheuerliche zwar nicht erträglich, aber er macht es erzählbar, und er stellt dabei grundsätzliche Fragen nach der Gewaltstruktur zwischen Minderjährigen und Erwachsenen. So feiern Raus 'Five Easy Pieces', was die Dutrouxs dieser Welt vernichten wollen: kindliche Weisheit, kindlichen Willen, kindlichen Trotz", so die Jury, bestehend aus Stephan Reuter, Kulturredakteur und Mitglied der Theatertreffen-Jury, Daniel Richter, Ko-Leiter des Theatertreffens 2017, und Wolfgang Horn, Redakteur bei 3sat.

InterviewInterview
Milo Rau wurde 1977 in Bern geboren und studierte Soziologie, Romanistik und Germanistik in Paris, Berlin und Zürich. Seit 2002 kreierte er mehr als 50 Theaterstücke, Filme, Bücher und Aktionen, die auf allen großen internationalen Festivals zu sehen waren, wie dem Festival d’Avignon, der Biennale Teatro di Venezia, den Wiener Festwochen und dem Kunstenfestivaldesarts in Brüssel. Mit seinen Arbeiten tourte er durch mehr als 30 Länder. Bereits 2012 war er mit seinem Stück "Hate Radio" über den Bürgerkrieg in Ruanda zum Theatertreffen eingeladen und sorgte mit seiner schonungslosen Form des dokumentarischen Theaters für Aufsehen, die bis heute alle seine Arbeiten prägt. Milo Rau wurde schon mit zahlreichen Preisen bedacht, unter anderem erhielt er 2014 den Hörspielpreis der Kriegsblinden und 2016 den renommierten Preis des Internationalen Theaterinstituts.

Auf verschiedenen Ebenen thematisiert "Five Easy Pieces" den Missbrauch oder die Instrumentalisierung von Kindern für die Bedürfnisse von Erwachsenen. Seit 1997 vergibt 3sat als Medienpartner des Berliner Theatertreffens alljährlich den 3sat-Preis für eine künstlerisch innovative Leistung an eine/n oder mehrere Künstler*innen aus dem Kreis der eingeladenen Ensembles. Bisherige Preisträger*innen waren unter anderen Herbert Fritsch, Sandra Hüller und Christoph Schlingensief.

Die öffentliche Verleihung des 3sat-Preises fand am 13. Mai 2017, im Anschluss an die Aufführung von "Five Easy Pieces" in den Berliner Sophiensaelen, beim 54. Theatertreffen statt.

Sendedaten
Starke Stücke auf 3sat:

Drei Schwestern
Samstag, 6. Mai 2017,
20:15 Uhr

Traurige Zauberer
Samstag, 13. Mai 2017
20:15 Uhr

89/90
Samstag, 20. Mai 2017
20:15 Uhr

Die Räuber
Herbst 2017
Starke Stücke
Drei Schwestern
Ein Wochenende mit Freunden und Familie. Der Wunsch nach Harmonie ist groß, die Chancen darauf gering.
Starke Stücke
Traurige Zauberer
Eine veränderte Perspektive. Das Theaterhaus selbst als einer der Hauptakteure.
Starke Stücke
89/90
Projektion und Realität überlagern sich. Zwei Männer lesen immer wieder die gleichen Sätze vor, die schon zu Beginn der Romanadaption „89/90“ die Entwicklung der Protagonisten vorweg nehmen.