Thementag: Popper, Punks und Pershing II
Die Jahre 1985 - 1989
Aus der Reihe 60 x Deutschland - Die Jahresschau
Zehn Folgen der Reihe "60 Jahre Deutschland - Die Jahresschau" erinnern in 15-minütigen Filmen an die politische Entwicklung Deutschlands in den 1980er Jahren - vom Gründungstag der Grünen 1980 bis hin zum Mauerfall 1989. Die zweite Hälfte des Jahrzehnts wird zunächst überschattet vom Reaktorunglück von Tschernobyl und endet schließlich mit dem Verschwinden der Grenze, die West- und Ost-Europa jahrzehntelang getrennt hat.
1985 - das war das Jahr, in dem in Dresden die wiederaufgebaute Semperoper mit einer Aufführung des "Freischütz" eröffnet wurde. Der Kammersänger Rolf Wollrad erzählt von dem Gefühl, im prächtigen Saal der Semperoper erstmals auftreten zu können. 1985 war auch das Jahr eines 17-jährigen Leimeners: Boris Becker gewann als erster Deutscher - und als jüngster Spieler überhaupt - das Tennisturnier in Wimbledon. Außerdem ging die "Lindenstraße" auf Sendung. Regisseur Hans W. Geißendörfer erinnert sich an die miserablen Kritiken, die die neue Fernsehserie zu Beginn bekam. Doch die Zuschauer ließen sich davon nicht beirren und machten die "Lindenstraße" zu einem Dauerbrenner.
Eisenhüttenstadt und Saarlouis gingen 1986 die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft ein. Der SED-Funktionär Werner Viertel aus Eisenhüttenstadt erzählt von den Hoffnungen, die er mit der Städtepartnerschaft verband. Im selben Jahr wurde in Hannover die erste CEBIT eröffnet. In Tschernobyl kam es am 26. April 1986 zu einem folgenschweren Reaktorunglück, das ganz Europa schockte. Eine radioaktive Wolke zog nach Westen und versetzte die Menschen in Angst. Cornelia Stadler aus München erinnert sich an die Furcht, dass ihr kleines Baby durch radioaktiv verseuchtes Essen verstrahlt werden könnte.
1987 wurde in der Bundesrepublik Deutschland trotz großer Proteste die Volkszählung durchgeführt, und Erich Honecker reiste erstmals zu einem offiziellen Besuch nach Westdeutschland. Für Bonn war der Besuch heikel: Hieß der Empfang für den DDR-Staatschef nicht auch, die Zweistaatlichkeit zu akzeptieren? Diplomatische Winkelzüge: Offiziell war es kein "Staats-", sondern nur ein "Arbeitsbesuch". Karl Seidel, Abteilungsleiter im DDR-Außenministerium, war bei Honeckers Besuch in der Bundesrepublik dabei und erinnert sich.
Der ehemalige Ministerpräsident von Schleswig-Holstein, Uwe Barschel, gab ein fragwürdiges Ehrenwort und wurde kurze Zeit später tot in einem Genfer Hotel aufgefunden. Der "Stern"-Reporter Sebastian Knauer schildert, wie er den leblos in der Hotelbadewanne liegenden Uwe Barschel fand - und fotografierte.
Am 28. August wurde auf dem amerikanischen Luftwaffenstützpunkt Ramstein bei Kaiserslautern die jährliche Flugschau veranstaltet. Kurz vor Ende der Veranstaltung prallten beim Auftritt der italienischen Kunstflugstaffel drei Militärflugzeuge in ca. 50 m Flughöhe zusammen. Ein brennendes Flugzeug stürzte in die Zuschauermenge - Panik brach aus. Nur zögerlich ließ die amerikanische Armee deutsche Rettungskräfte auf den Stützpunkt. Stattdessen wurden die Verletzten völlig überhastet und ohne Erstversorgung mit Militärhubschraubern ausgeflogen. Die deutschen Ärzte waren entsetzt. Das Unglück wurde zu einer der größten Katastrophen, die je im Rahmen einer Flugschau vorgekommen sind. 70 Menschen kamen dabei ums Leben.
1988 feierte Loriots erster Spielfilm "Ödipussi" in Ost und West Premiere. DDR-Oppositionelle forderten bei der alljährlichen Gedenkfeier zum Tod von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg Meinungsfreiheit ein. Vera Lengsfeld aus Berlin erzählt, wie sie daraufhin von der Stasi verhaftet wurde.
1989 war das Jahr des unerwarteten und großen Wiedersehens. Immer mehr Menschen in der DDR verlangten nach politischen Veränderungen, Tausende flohen im Sommer über Ungarn in die Bundesrepublik. Nachdem die SED-Führung Erich Honecker absetzte, wurde Egon Krenz neuer Generalsekretär des Zentralkomitees der SED. Am 4. November demonstrierten bis zu eine Millionen Menschen in Berlin für freie Wahlen und Meinungsfreiheit: die größte Demonstration in der Geschichte der DDR. Und schließlich fiel am 9. November nach 28 Jahren die Mauer in Berlin. Die Erzieherin Petra Fischer aus Ost-Berlin erzählt, welche unglaublichen Glücksgefühle die ersten Schritte über die nun offene Grenze in ihr ausgelöst hatten.
Sendedaten
Sonntag, 25. Juli 2010, ab 11.10 Uhr