© Achim Mende
Der Bodensee - dahinter die Kulisse der Alpen
Bodensee - Smaragd im Herzen Europas
Vor der imposanten Kulisse der Alpen erscheint der Bodensee wie ein ruhender Pol. Als gewaltiger Temperaturspeicher erzeugt der drittgrößte mitteleuropäische See ein fast mediterranes Klima, das eine ganz spezielle Fauna und Flora begünstigt hat. Ob die weltberühmte Blumeninsel Mainau, das Naturschutzgebiet des Wollmatinger Rieds, die eindrucksvolle Kulisse am tosenden Rheinfall oder die Kulturlandschaft der Insel Reichenau - Filmemacher Alfred Vendl zeigt in "Bodensee - Smaragd im Herzen Europas" Natur und Mensch im Dreiländereck Österreich-Deutschland-Schweiz.

Der See bestimmt das Leben der Umgebung
Der See bestimmt alles Leben in seiner Umgebung - Fauna und Flora finden hier ganz besondere klimatische Bedingungen, die auch für die im Umkreis lebenden Menschen bestimmend sind.

Seit je ist der See Lebensgrundlage für Fischer, die tagtäglich vor Sonnenaufgang die ausgelegten Netze einholen - bisher immer mit guter Beute, wenn sich auch die Situation geändert hat: War früher der Barsch die Hauptbeute, so stehen heute Reinanken - Felchen im Volksmund - im Vordergrund.

Seit Urzeiten altes Siedlungsgebiet
© Achim Mende  Nachbauten steinzeitlicher Pfahlbauten
Nachbauten steinzeitlicher Pfahlbauten
Der Bodensee bietet den Menschen an seinen Ufern seit Urzeiten bestmögliche Lebensbedingungen. Reste von Pfahlbauten in Unteruhldingen bezeugen die Tatsache, dass bereits vor 12.000 Jahren, während der jüngeren Steinzeit, die Besiedlung der waldfreien Seeufer begann. Und seit dem Mittelalter spielen Mönche eine besondere Rolle bei der Kultivierung der Uferlandschaften. Besonders die Klostergründungen auf der Insel Reichenau gehören zu den Höhepunkten der abendländischen Hochkultur: Garten- und Obstbau waren hier immer schon besondere Spezialitäten. Das älteste Gartenbuch "De cultura hortorum" entstand in einem Benediktinerkloster auf Reichenau. Heute wird das uralte Wissen des Garten- und Obstbaus von Zisterziensern im Kloster Meererau gepflegt und die Tradition damit weitergeführt.

"Tropeninsel" Mainau
© Achim Mende  Insel Mainau
Insel Mainau
Zu einem wahren Gartenparadies wurde die "Tropeninsel" Mainau von der Familie des Grafen Bernadotte gestaltet. Inmitten der Blumenpracht finden sich den Jahreszeiten entsprechend die außergewöhnlichsten Pflanzen in unvorstellbarer Pracht. Zeugt die Insel Mainau mit ihren verschiedensten Pflanzenarten von einer meisterlichen menschlichen Kulturleistung, so bietet das Westufer des Bodensees Natur pur: Das Wollmatinger Ried ist ein bedeutender Lebensraum für Wasservögel, geprägt von Flachwasser, Schilf und Riedwiesen. Der Untersee bietet bis heute ein großes Gebiet natürlicher Uferlandschaft - geschützt durch das Naturschutzgebiet Wollmatinger Ried - Untersee - Gnadensee. Diese amphibische Landschaft ist für Mitteleuropa einzigartig. Der Schilfgürtel beherbergt das ganze Jahr über Gäste: Manche Vögel verbringen den Hauptteil des Jahres hier, paaren sich, brüten und ziehen den Nachwuchs auf - wie etwa die Haubentaucher, deren Balzzeremonien im Frühjahr den Schilfgürtel beherrschen. Sind die Jungen einmal geschlüpft, dann machen sie ihre ersten Ausflüge auf dem Rücken der Mutter. Ein Schauspiel, das jedes Jahr viele Beobachter anlockt. Einige der Vogelarten sind nur kurze Gäste auf dem Weg in den Süden, andere verbringen den Winter am Bodensee. Im Herbst ist die Seeoberfläche schwarz von rastenden Vögeln.

Ein See - viele Ansichten und Lebensräume
© Achim Mende Alpenglühen vor dem Bodensee
Alpenglühen vor dem Bodensee
Die Auen der Seeufer beherbergen aber auch andere Gäste. Etwa Biber, deren Spuren angenagter Bäume unübersehbar sind. Die angrenzenden Riedwiesen bieten eine Flora besonderer Art. Diese Wiesen wurden ursprünglich intensiv bewirtschaftet, um Streu für die Winterzeit zu gewinnen - daher auch die Bezeichnung "Streuwiesen". In dieser Zeit entwickelte sich eine einzigartige Flora, die nach Einstellung der Bewirtschaftung, zu verschwinden drohte. Durch gezielte Wiederbewirtschaftung der Riedwiesen im Naturschutzgebiet konnte diese Flora aber gerettet werden.

Der Untersee geht im Westen in den Seerhein über, der bei Schaffhausen ein besonderes Schauspiel bietet: Mit geballter Kraft stürzt hier der Fluss in einer Breite von mehr als 100 Metern über Steilstufen. Unmittelbar neben dem Wasserfall hat sich eine Wasseramselfamilie eingenistet, die im Schutz des tosenden Wassers unbehelligt lebt.

Am nördlichen Seeufer in der Gegend von Tettnang hat sich durch das regenreiche Klima ein besonderer Zweig der Landwirtschaft entwickelt: Hier wird eine spezielle Hopfensorte angebaut. Man hat versucht, diesen Hopfen auch in den USA anzupflanzen, doch vergebens. Diese Sorte gedeiht nur hier, am Rand des Bodensees. Gefahr droht dem Hopfen nur im Spätsommer, während der Erntezeit, wenn die häufig auftretenden Gewitter Hagel mitbringen.

Die Idylle des Bodensees wird immer wieder durch die ungezügelte Kraft des Wassers gestört - Überschwemmungen im Seegebiet sind keine Seltenheit. Doch mit dem Ausbau des Rheinzuflusses hat man die zerstörerischen Auswirkungen auf die Natur bereits stark mindern können.

Im Hinterland des Bregenzerwaldes toben sich allerdings die Naturgewalten immer wieder voll aus: Schwere Regenfälle führten in Sibratsgfäll dazu, dass ein ganzes Dorf einen Hang hinunterrutschte. Die Bewohner denken noch heute mit Schaudern an dieses Ereignis. Zertrümmerte Häuser, die mehrere Meter unterhalb des ursprünglichen Standortes zum Stillstand kamen, zeugen von dieser Katastrophe. Doch meist zeigt der Bregenzerwald ein freundliches Gesicht, voll von Naturschönheiten. Auf den idyllischen Almen wird hervorragender Käse hergestellt. Den ganzen Sommer über gilt die Sorge der Senner den Tieren der Alm. Denn nur wenn kein Unglück passiert, darf im Herbst, der Almabtrieb mit festlich geschmückten Kühen begangen werden. Der Herbst taucht den Bregenzerwald in die prächtigsten Farben. Nun ist auch die Zeit, in der das Wasser tosend durch die Klammen talwärts schießt. Erst im Winter legt sich dann Stille über die Berge. Doch direkt am Bodensee herrscht das ganze Jahr über reges Treiben. Eisläufer tummeln sich nun auf den fest zugefrorenen Bereichen des Sees und weit draußen in der blaugrauen, winterlich kalten Nebelluft legen die Fischer ihre Netze aus.

Sendedaten
Samstag, 26. August 2017
um 10.45 Uhr
Wiederholung:
30./31. August 2017, 4.45 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Alfred Vendl, Österreich 2003
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