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Dienstag, 20. April
Lupe
Die Spur des Otters
Als Mitte der achtziger Jahre ein Fischer im nördlichen Niederösterreich erstmals einen größeren Otterschaden an seinem Karpfenteich meldete, war die Freude unter den Naturschützern groß. Jahrzehntelang waren die Meldungen über Fischottervorkommen in Österreich immer spärlicher geworden, denn die gnadenlose Verfolgung der "gefräßigen Fischräuber" hatte dem Otterbestand hart zugesetzt.

In Westeuropa fast ausgestorben, im Osten überlebt
© ORF/Josef Timar Lupe
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die mitteleuropäischen Fischotter mit aller Gewalt an den Rand des Aussterbens gedrängt. Weit besser erging es den Wassermardern vorerst in den Nachbarländern Österreichs. Vor allem in den ehemaligen Ostblockstaaten Ostdeutschland, Tschechoslowakei, Polen und Ungarn, wo auf Grund der Verstaatlichung der Fischereibetriebe niemand über Schäden klagte. So konnte sich der Otter ungestört verbreiten.

An den weitläufigen Teichen Tschechiens und Ungarns etwa blieben die Otter weitgehend unbehelligt. Hier sind die Fischteiche um ein Vielfaches größer und mit ihren dichten Schilfstreifen naturnäher. Auch das Nahrungsangebot ist an diesen naturbelassenen Teichen vielfältiger und der Otter ernährt sich nicht nur von Besatzfischen, sondern frisst auch Muscheln, Amphibien, Krebse und Kleinnager. Außerdem sorgen hier noch große Kormoran- und andere Vogelkolonien für regelmäßigen natürlichen Ausfall. Vermehrt hat sich in den vergangenen Jahren auch der Mensch für das Überleben des Otters eingesetzt.

Im ungarischen Komitat Somogy beispielsweise hat eine private Naturschutzorganisation mehr als hundert Fischteiche gekauft, die heute nur mehr begrenzt wirtschaftlich genutzt werden. Diese miteinander verbundenen Teich- und Waldgebiete bilden einen grünen Korridor, der sich von der Drau im Süden bis an den Kleinplattensee im Norden erstreckt. Er soll dem Fischotter einen würdigen Lebensraum bieten und dient auch vielen anderen Säugetier- und Vogelarten als Zufluchtsort.
Aber die Fischotter lassen sich nicht an Grenzen aus Menschenhand binden. Einjährige Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Revier bis zu hundert Kilometer weit und überwinden dabei sogar 2.000 Meter hohe Pässe. Und so huschen die Wassermarder aus Ungarn und Slowenien über die grüne Grenze in die Steiermark, während ihre Artgenossen im Norden Österreichs seit Mitte der achtziger Jahre aus dem benachbarten Böhmen einwandern.

Viel Beute mit geringem Energieeinsatz
© ORF/Josef Timar Lupe
Im Norden Österreichs sind heute die einzigen flächenmäßig bedeutsamen Fischottervorkommen nachzuweisen. Sie sind Teil einer größeren Population, deren Lebensraum sich bis nach Tschechien und Bayern erstreckt. Die Teichwirtschaft hat nur wenig mit den natürlichen Lebensbedingungen des Fischotters zu tun, sie stellt vielmehr eine Ausnahmesituation dar. Verdenken kann man es den Wassermardern nicht, wenn sie sich von den Teichen aus Menschenhand bedienen, denn wo sonst lässt sich mit möglichst wenig Energieaufwand so viel Beute machen. Bekanntlich schädigt der Fischotter als Raubtier seine Beute in eigenem Interesse nicht nachhaltig. Er fühlt sich vielmehr von der für ihn unnatürlichen Fischdichte magisch angezogen, denn als Raubtier zählt es zu seinen ökologischen Aufgaben, Überbestände von Beutetieren zu reduzieren.

Etwa eineinhalb Jahre lang haben sich die Gestalter Sabine Holzer und Karl Königsberger für diese Produktion an die Fersen der Otter geheftet. Der Aufwand hat sich gelohnt: Der Film dokumentiert das Leben der Fischotter in den weitläufigen Teich- und Naturschutzgebieten in Tschechien und Ungarn und begleitet sie auf ihrer Wanderung in ihre alte Heimat Österreich. Er beobachtet ihre Zusammentreffen mit anderen Marderverwandten wie Dachsen und Nerzen und zeigt sie bei der Jagd auf Krebse und Mäuse. Für diese Dokumentation gelang es den Gestaltern sogar, Paarung und Geburt von Fischottern auf Film zu bannen.

Sendedaten
Samstag, 1./2. September 2012
um 4.30 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Sabine Holzer und Karl Königsberger, Österreich 1998
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