In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die mitteleuropäischen Fischotter mit aller Gewalt an den Rand des Aussterbens gedrängt. Weit besser erging es den Wassermardern vorerst in den Nachbarländern Österreichs. Vor allem in den ehemaligen Ostblockstaaten Ostdeutschland, Tschechoslowakei, Polen und Ungarn, wo auf Grund der Verstaatlichung der Fischereibetriebe niemand über Schäden klagte. So konnte sich der Otter ungestört verbreiten.
An den weitläufigen Teichen Tschechiens und Ungarns etwa blieben die Otter weitgehend unbehelligt. Hier sind die Fischteiche um ein Vielfaches größer und mit ihren dichten Schilfstreifen naturnäher. Auch das Nahrungsangebot ist an diesen naturbelassenen Teichen vielfältiger und der Otter ernährt sich nicht nur von Besatzfischen, sondern frisst auch Muscheln, Amphibien, Krebse und Kleinnager. Außerdem sorgen hier noch große Kormoran- und andere Vogelkolonien für regelmäßigen natürlichen Ausfall. Vermehrt hat sich in den vergangenen Jahren auch der Mensch für das Überleben des Otters eingesetzt.
Im ungarischen Komitat Somogy beispielsweise hat eine private Naturschutzorganisation mehr als hundert Fischteiche gekauft, die heute nur mehr begrenzt wirtschaftlich genutzt werden. Diese miteinander verbundenen Teich- und Waldgebiete bilden einen grünen Korridor, der sich von der Drau im Süden bis an den Kleinplattensee im Norden erstreckt. Er soll dem Fischotter einen würdigen Lebensraum bieten und dient auch vielen anderen Säugetier- und Vogelarten als Zufluchtsort.
Aber die Fischotter lassen sich nicht an Grenzen aus Menschenhand binden. Einjährige Rüden wandern auf der Suche nach einem eigenen Revier bis zu hundert Kilometer weit und überwinden dabei sogar 2.000 Meter hohe Pässe. Und so huschen die Wassermarder aus Ungarn und Slowenien über die grüne Grenze in die Steiermark, während ihre Artgenossen im Norden Österreichs seit Mitte der achtziger Jahre aus dem benachbarten Böhmen einwandern.