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Dienstag, 20. April
Im Bild: Harald Krassnitzer, Maria Köstlinger
Ausgeliefert
Nach drei Jahren intensiver Therapie ist der 37-jährige Gefängnis-Psychotherapeut Michael Trenk überzeugt, dass seine Patientin Cornelia Steinweg wieder reif ist für die Freiheit. Trotz Einwänden aus der Kollegenschaft setzt er sich durch und erreicht die vorzeitige Entlassung. Während Trenk sich längst wieder neuen Aufgaben zuwendet, muss er feststellen, dass die Steinweg ständig Kontakt zu ihm sucht, ihn als einzigen Kontakt in Freiheit braucht, bis hin zum Missbrauch: Trenk erkennt, dass er sich geirrt hat. Seine berufliche Karriere, das Leben seines Kindes und seiner Frau stehen auf dem Spiel.
Inhalt:
Eine Frauenhaftanstalt. Eine attraktive Frau sitzt ihre Strafe als Mörderin ab. Nach drei Jahren intensiver Therapie ist der 37-jährige Gefängnis-Psychotherapeut Michael Trenk (Harald Krassnitzer) überzeugt, dass seine Patientin Cornelia Steinweg (Maria Köstlinger), eine ehemalige Turn- und Kampfsportlehrerin, wieder reif ist für die Freiheit. Er hat mit ihr an der Aufarbeitung ihrer Vergangenheit, vor allem aber an der Neuorientierung ihrer psychischen Befindlichkeit in Hinblick auf ein neues Leben in Freiheit gearbeitet. Den Einwänden einer Berufskollegin (Michou Friesz) zum Trotz setzt er sich durch, erklärt sie für nicht mehr rückfallgefährdet und erreicht die vorzeitige Entlassung. Wieder ins "normale Leben" zurückgekehrt, empfindet die junge Frau Einsamkeit und Leere.


Packendes Psychodrama
© ORF/Petro Domenigg Lupe
Im Bild: Karlheinz Hackl, Michou Friesz
An der Seite von Harald Krassnitzer, Josefstadtmimin Maria Köstlinger - in ihrer ersten Filmhauptrolle - , Michou Friesz, Ina Weisse und Sanna Lu Una Seiz sind weiters Karlheinz Hackl als Leiter der Haftanstalt, Maresa Hörbiger, Ina Halmágyi, Erich Padalewski und viele andere zu sehen. Der österreichische Thriller, den Filmemacher Andreas Prochaska nach einem Drehbuch des Linzer Schriftstellers und Psychotherapeuten Thomas Baum inszenierte, feierte am 25. März 2003 seine Uraufführung im Rahmen des österreichischen Filmfestivals Diagonale.

"Ausgeliefert" ist eine fiktionale Geschichte, die jedoch von realen beruflichen Kenntnissen und Erfahrungen des Drehbuchautors Thomas Baum geprägt ist. Schließlich ist der Oberösterreicher ausgebildeter Lebens- und Sozialberater sowie Supervisor und arbeitet auch als solcher: Er führt in Linz eine Praxis für psychologische Beratung und Supervision und widmet diesem Betätigungsfeld nach eigenen Angaben "rund ein Drittel bis 50 Prozent meiner Zeit. Von 8.00 bis 13.00 Uhr schreibe ich, am Nachmittag arbeite ich als Berater."
Interessiert hat Baum die professionelle Rollenverteilung: "... die Abgrenzung zwischen Therapeut und Patient und was geschieht, wenn Grenzen verschwimmen, wenn die Rollen verlassen werden. Was bedeuten Nähe und Distanz im beruflichen Sinn?"

Über die schauspielerische Besetzung freut sich der Drehbuchautor sehr. Zu Harald Krassnitzer, der die Filmrolle des Psychologen Michael Trenk übernommen hat, meint Baum: "Er ist ein Schauspieler von großer Qualität, der - auch ohne das Feld zu kennen - hervorragend in eine Rolle schlüpfen kann."
Dennoch hat es ein "fachliches" Briefinggespräch zwischen Baum und Krassnitzer gegeben: "Wir haben ein eingehendes Telefongespräch geführt, in dem Harald Krassnitzer sehr fachlich und versiert, über das Drehbuch hinaus, spezifische Informationen einforderte. Das hat gezeigt, dass er sich mit der Rolle stark identifiziert, und außerdem auch, dass er eine wesentliche Haltung zwischen Therapeut und Patient beherrscht: das Gespräch."

Bedrückende Dreharbeiten im Gefängnis
Gedreht wurde "Ausgeliefert" an Schauplätzen in Wien und Niederösterreich. Zu den Hauptdrehorten zählten unter anderem die Justizanstalten Josefstadt und Stein in Krems. Die Arbeit im Gefängnis ging an den Darstellern nicht spurlos vorüber.
"Wenn die Zellentür auch nur für die Kamera hinter einem zugeht, bekommt man ein bisschen das Gefühl dafür, was es bedeutet, hinter Gittern zu sein", erzählte Maria Köstlinger während der Dreharbeiten. "Für mich war es sehr beklemmend und depressiv und letztendlich dennoch schwer vorstellbar, was es heißt, jahrelang im Gefängnis zu sitzen."
Dieser Meinung schließt sich Kollege Harald Krassnitzer an: "Dieser Dreh hat uns alle erschüttert. Denn wenn man diese Zellen sieht, die nur wenige Quadratmeter groß sind und in denen dann drei bis vier Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen, mit nicht mehr als einem Bett, einem Kasten, einem Sessel, einem Tisch, einer WC-Schüssel und einem vergitterten Ausblick, wenn man das alles visualisiert, dann realisiert man erst, dass diese Form der Bestrafung das Schlimmste ist, was es gibt", so Krassnitzer.

Sendedaten
Dienstag, 4./5. Juni 2013
um 2.15 Uhr
DSS 5.1, 16:9, Videotext-UT
Credits
Fernsehkrimi
Österreich/Schweiz 2003
Regie: Andreas Prochaska
Drehbuch: Thomas Baum

Mit Harald Krassnitzer (Michael Trenk), Maria Köstlinger (Cornelia Steinweg), Ina Weisse (Jana Trenk), Sana Lu Una Seiz (Nora Trenk), Michou Friesz (Maria Hartwig), Karl Heinz Hackl (Peter Janko), Maresa Hörbiger (Gertraud Tessler) u.a.