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Dienstag, 20. April
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Zisterziensermöch Edward mit Gefährten auf dem Cosa-Pass in den Pyrenäen
Von Mönchen und Ketzern
Wege aus der Finsternis – Europa im Mittelalter (2/4)
Keine Epoche Europas war so religiös wie das Mittelalter. Ein Leben ohne Glauben an Gott war unvorstellbar, außerhalb der Kirche gab es kein Heil. Das Christentum des Abendlandes ist nicht zuletzt das Werk der Mönche.Das Mittelalter hat viele berühmte Mönche hervorgebracht, die meisten aber blieben unbekannt. Einer von ihnen ist Edward, aus dem Kloster Saint Andrews in Schottland.
Geschichte des Mönchs Edward
Der Zisterziensermönch lebt nach der Regel "ora et labora", "bete und arbeite". Im Auftrag seines Abtes reist er nach Toledo und verbindet diese Reise mit einer Wallfahrt zum Grab des Apostels Jakobus in Santiago de Compostela.


Zentrum des Wissens
"Bevor die Europäer selbst Fortschritte in den Wissenschaften machen konnten, mussten sie erst einmal von den Arabern alles lernen, was zu lernen war." Sie lernten es in Toledo. Dort findet Edward, wonach er sucht: Ein wertvolles Buch für die Bibliothek seines Klosters.

In Toledo lebten auch nach der katholischen Reconquista Araber und Juden. Sie machten die Stadt zu einem Wissenschaftszentrum ersten Ranges. Gemeinsam mit Christen übersetzten sie Schriften aus der Antike, die nur auf Arabisch und Hebräisch überliefert waren, ins Lateinische und machten sie so dem Abendland zugänglich. In Spanien rechnete man auch schon mit dem revolutionären Dezimalsystem, das die Araber von den Indern übernommen hatten und in Europa einführten.

Scheiterhaufen der Inquisition
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Kathedrale Sainte-Cécille in Albi, Frankreich: Trutzburg des "rechten Glaubens" gegen die Katharer im 14. Jhd.
Zum Bild des "dunklen Mittelalters" haben die Scheiterhaufen der Inquisition beigetragen. Was nicht bekannt ist: Die Inquisitionsprozesse des 14. Jahrhunderts haben das moderne Rechtssystem entscheidend beeinflusst. Denn nicht mehr "Gottesbeweise" entschieden über Schuld oder Unschuld, sondern ein Inquisitor ermittelte, ehe er urteilte. Zum neuen Gerichtsverfahren gehörte die Vereidigung der Angeklagten. Ebenso hatten die Angeklagten das Recht, sich zu verteidigen und Widerspruch einzulegen. Deshalb hatte ein Schreiber alle Aussagen zu protokollieren. Das hatte es zuvor noch nicht gegeben.

Auch Edward gerät vor das Inquisitionstribunal, denn man hat eine Katharerbibel bei ihm gefunden. Im letzten Moment wird er vom Vorwurf der Ketzerei freigesprochen. Nach über zwei Jahren kehrt er reicher an Gnaden und Wissen von seiner Pilgerreise ins Kloster zurück. Er kann seinen Mitbrüdern vom Jakobsweg erzählen, von Toledo und Carcassonne. Aber nicht alles wird er ihnen erzählen, manches ist nur für die Ohren seines Beichtvaters bestimmt. Und wie Anselm von Canterbury war er nun überzeugt davon, dass nicht allein der Glaube, sondern die Vernunft Richter sein müsse über alles, was im Menschen ist. Auch wenn die Kirche vieles für ketzerisch erklärte: Schon im Mittelalter wurde vorgedacht, was das moderne Europa mit Rationalismus, Aufklärung und Materialismus in Verbindung bringt.

Sendedaten
Sonntag, 19. August 2012, 14.45 Uhr
Info
Film von Uwe Kersken und Christian Feyerabend
(Erstsendung: 11.4.2004)
Reihe
Wege aus der Finsternis – Europa im Mittelalter
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Gute Zeiten - Böse Zeiten
Wie das Mittelalter wirklich war (2010)