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Dienstag, 20. April
Auge in Auge - irgendwann überwiegt die Neugierde bei den Gorillas
Die Gorillas meines Großvaters
Der Film erzählt die Geschichte der Berggorillas, ihrer Entdeckung und wechselvollen Beziehung zu den Menschen und folgt mit der Kamera Andreas von Beringe auf einer Reise in die Virunga Berge in Ruanda. Vor 100 Jahren "entdeckte" Andreas Großvater, Hauptmann Robert von Beringe, damals Befehlshaber der deutschen Kolonialtruppen in Ostafrika, die Berggorillas. Von Beringes Begegnung mit den Gorillas war ein Desaster: Zwei Tiere wurden erschossen, eine jahrzehntelange Verfolgung und Bejagung begann. Dieser Film erzählt über den Wandel im Verhältnis Gorilla und Mensch.

© ORF/Harald Pokieser Lupe
Kameramann Adrian Warren auf Tuchfühlung mit der Gruppe
Der Film "Die Gorillas meines Großvaters" zeigt auch, wie sich das öffentliche Bild der Berggorillas über die Jahre wandelte. Aus "King Kong" wurden die "sanften Riesen" der Dian Fossey. Die Dokumentation beschreibt, wie aus einer unbekannten Affenart letztlich eine Legende wurde, wie die Berggorillas auf wundersame Weise das 20. Jahrhundert überlebt haben und wie es um ihre Zukunft steht.

Der Ort der historischen Begegnung und "Entdeckung" liegt am fernen Grat des Mount Sabinyo, einem Vulkan an der Grenze zum Kongo. Dort ereignete sich 1902 ein Desaster, zumindest aus heutiger Sicht: Der Offizier erschoss zwei der soeben entdeckten Gorillas - eine damals durchaus übliche Form der Naturforschung. Die Überreste wurden ins Naturhistorische Museum nach Berlin geschickt, wo man sie als neue Art identifizierte und nach dem Offizier benannte: Gorilla gorilla berengei.

Der Pfad auf den Mount Sabinyo ist überwuchert: Seit dem grauenvollen Bürgerkrieg in Ruanda im Jahr 1994 hat sich niemand mehr in diese Region gewagt. Auf mehr als 3.000 Metern Höhe blickt Andreas von Beringe auf die Felder im Tal und auf eines der ärmsten und dicht bevölkertsten Länder der Welt. Die Spuren des berühmten Großvaters sind längst verweht, doch den Gorillas wird Andreas nach langer, mühevoller Suche begegnen. Mit Hilfe von Forschern und einheimischen Spurensuchern findet er sich eines Tages mitten in der größten Gorillafamilie, die von Forschern je gezählt wurde. 49 Gorillas fressen, schlafen und klettern im dichten Unterwuchs und in Tuchfühlung mit Andreas.

© ORF/Harald Pokieser Lupe
Adrian Warren mit einem neuen "Spielgefährten"
Zwischen dieser friedlichen Begegnung und der Expedition des alten Beringe liegt ein grausames Jahrhundert. Die Folgen der Entdeckung waren fatal, denn die raren Berggorillas zählten bald zu den begehrtesten Jagdtrophäen der Welt. Dass sie nicht ausgerottet wurden, hat die Welt einigen wenigen außergewöhnlichen Menschen zu verdanken, die im jeweils letzten Augenblick als Retter erschienen: vom Großwildjäger Carl Akeley, der angesichts der sanften, menschenähnlichen Gorillas sein Leben änderte und an der Gründung des Nationalparks mitwirkte, über den genialen Naturforscher George Schaller, der die geheimnisvollen Menschenaffen erstmals wissenschaftlich beschrieb, bis hin zur legendären Dian Fossey, die durch ihre Forschungsarbeit, ihr Buch "Gorillas im Nebel" und dem gleichnamigen Hollywood-Film weltberühmt wurde.

Andreas von Beringes Spurensuche führt auch an Fosseys Grab vorbei. Es liegt in Karisoke, einem Zauberwald im heutigen Nationalpark, wo Dian lebte, ihre berühmten Studien durchführte und letztlich ermordet wurde - vermutlich von einem übergeschnappten Studenten. Lange dachte man, dass die Forscherin von einheimischen Jägern getötet wurde, denn Dian Fossey kämpfte mit allen Mitteln gegen Wilddiebe und Fallensteller, die mit Trophäen oder lebenden Gorillas schwungvollen Handel betrieben.

© ORF/Harald Pokieser Lupe
Mittagspause bei der Berggorilla-Gruppe
Um ein Haar wären die grandiosen Menschenaffen dennoch ausgerottet worden, doch mit Hilfe engagierter Politiker des Landes und internationalen Organisationen wie dem Dian-Fossey-Fund wurde im letzten Augenblick die Notbremse gezogen. Heute leben wieder rund 200 Gorillas im Nationalpark, geschützt, bewacht und umhegt wie die Kronjuwelen von England. Der Aufwand ist gerechtfertigt, denn die Berggorillas sind ein Magnet für zahlungskräftige Touristen. Und der Tourismus ist heute die einzige Einkommensquelle für Ruanda, das zu den ärmsten Ländern der Erde zählt.

Sendedaten
Samstag, 1./2. September 2012
um 3.00 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Adrian Warren und Harald Pokieser, Österreich 2004
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