© ORF/Milenko Badzic
Fritz Karl, Birgit Minichmayr
Fritz Karl, Birgit Minichmayr
Spiel im Morgengrauen
Nach einer Novelle von Arthur Schnitzler
"Spiel im Morgengrauen" handelt von der Ambivalenz zwischen Schein und Wirklichkeit: Steffi, eine mittlerweile reiche Frau, mit der der Infanterie-Leutnant Wilhelm Kasda einst "gespielt" hat, dreht nun, da er in Spielschulden erstickt, den Spieß um. Sie, vom Schicksal bevorzugt, bestimmt nun selbst das Spiel.

© ORF/Lotus-Film/Petro Domenigg Fritz Karl, Birgit Minichmayr
Fritz Karl, Birgit Minichmayr
Österreich in den letzten Jahren der Monarchie. Wilhelm Kasda (Fritz Karl), Leutnant der Infanterie, lebt das Leben eines jungen Offiziers seiner Zeit. Dazu gehören kleine, belanglose Affären wie die mit Steffi (Birgit Minichmayr), einer einfachen jungen Frau. Er bemerkt nicht, dass deren Hingabe Liebe ist. Nach einer gemeinsamen Nacht im Hotel legt Kasda ihr einen Geldschein hin und verschwindet. Er hat nicht vor, sie wieder zu sehen.

Ein paar Jahre später, an einem Sonntag im Juni 1914, wird Kasda von einem ehemaligen Kameraden, Oberleutnant von Bogner (Götz Spielmann), aufgesucht. Er musste vor Jahren wegen Spielschulden seinen Abschied nehmen, ist nun verheiratet, arbeitetet als Kassier in einem Büro und hat Geld veruntreut. Vor der bevorstehenden Geschäftsinventur benötigt er dringend 1.000 Kronen. Kasda scheint seine letzte Rettung zu sein. Dieser aber ist selbst fast ohne Mittel, vor allem seit sein reicher Onkel Robert (Peter Matic) alle Zuschüsse einstellte, und hat sich auf ein - für seinen Stand - bescheidenes Leben eingerichtet. Er nimmt sich jedoch vor, am Abend beim Kartenspiel mit einer Barschaft von 100 Kronen sein Glück zu versuchen.


© ORF/Lotus-Film/Petro Domenigg Götz Spielmann, Florian Teichmeister
Götz Spielmann, Florian Teichmeister
Die einzige Hoffnung, die ihm bleibt, ist sein vermögender Onkel Robert, den er lange nicht mehr gesehen hat. Dieser aber sieht sich nicht in der Lage zu helfen. Er ist seit Jahren mit einer jungen Dame verheiratet, der er sein ganzes Geld zur Verwaltung überschrieben hat. Sie tut dies sehr erfolgreich, diktiert dem alten Herrn aber sehr streng die Bedingungen ihrer Ehe. Mit Erstaunen erfährt Leutnant Kasda, dass er diese Dame schon kennt: Die Frau seines Onkels ist Steffi, die er vor mehreren Jahren für 10 Kronen "gekauft" und wieder verlassen hat. Sie ist die einzige, die Kasda noch retten kann.

Leutnant Kasda sucht Steffi auf und findet eine selbstbewusste Geschäftsfrau, die ihn zwar freundlich behandelt, ihm aber nur unbestimmte Hoffnungen macht. Nach langem Zögern verabredet sie sich mit Kasda zum Abendessen, bei dem sie ihm Bescheid geben will, ob sie ihm ein Darlehen von 11.000 Kronen gewähren kann.Tatsächlich kommt sie am Abend selbst in die Stube des Leutnants, lässt sich bewirten und verführen, spricht aber keine Silbe von dem Geld. Er wagt nicht zu fragen, nährt aber durch ihr Verhalten in sich die Hoffnung auf einen glücklichen Ausgang.

Im Morgengrauen erwacht Kasda und sieht, wie Steffi sich zum Gehen fertig macht. Schon als er nach dem Geld fragen will, hinterlässt sie beiläufig tausend Kronen. Ihm wird langsam bewusst, dass dies eine Revanche für die angetane Schmach drei Jahre zuvor ist. Er erkennt, dass er bereit gewesen war, sich zu verkaufen. Und nicht ihr allein.
Kasda lässt durch seinen Burschen (Florian Teichmeister) dem Herrn von Bogner den Tausend-Kronen-Schein zustellen, und befiehlt ihm, des weiteren jegliche Störung seiner Ruhe zu verhindern. Ein verhängnisvolles Schicksal nimmt seinen Lauf.

Vor mittlerweile 50 Jahren (1967) schrieb Friedrich Torberg:
    "Es wird noch einige Zeit brauchen, ehe Schnitzler uns auf dem Umweg über die Zeitlosigkeit wieder erreicht und ehe uns die gesellschaftlichen Voraussetzungen seiner Probleme so gleichgültig werden, dass wir die Gültigkeit der Probleme selbst erkennen."
Filmemacher Götz Spielmann kommentiert die Ambitionen zu seinem jüngsten Werk:
    "Ich glaube, jetzt ist es soweit. Die Geschichte geschieht zwar in einem historischen Ambiente, in einer versunkenen Zeit und Gesellschaft, gewissermaßen in einem exotischen Rahmen, doch in einem fremden Spiegel sieht man manchmal das Grundsätzliche genauer. Das innere Thema der Geschichte, deren eigentlicher Konflikt, sind für mich zeitlos und damit auch gegenwärtig."

Der ehemalige Axel-Corti-Schüler verfilmte mit "Spiel im Morgengrauen“ erstmals einen literarischen Stoff mit historischem Rahmen. Die große Fülle spannender Charaktere, die Schnitzlers Novelle bietet, ist in Spielmanns Verfilmung bis in kleine Rollen hinein hochkarätig besetzt: Fritz Karl als Leutnant Kasda, "Nestroy"-Preisträgerin und "Berlinale-Shooting-Star" Birgit Minichmayr in der Rolle der reichen Steffi und Karlheinz Hackl als Konsul Schnabel, stehen in den Hauptrollen vor der Kamera von Martin Gschlacht. In weiteren Rollen agieren Nina Proll, Peter Matic, Elisabeth Augustin, Peter Moucka, Ernst Konarek, Lukas Miko und viele andere. Ebenfalls vor der Kamera stand Regisseur und Autor Götz Spielmann in der Rolle eines Oberleutnants.

Sendedaten
Freitag, 8. Dezember 2017
um 11.45 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
© ORF/Lotus-Film/Petro DomeniggLupeFernsehfilm, Österreich 2001
89 Minuten

Regie und Drehbuch: Götz Spielmann

Mit Birgit Minichmayr (Steffi), Fritz Karl (Wilhelm Kasda), Aron Karl (Wilhelm Kasda (Kind)), Karlheinz Hackl (Konsul Schnabel), Brigitte Karner (Mutter Kasda), Peter Moucka (Vater Kasda), Peter Matic (Kasdas Onkel), Nina Proll (Mitzi Rihoscheck), Götz Spielmann (Otto von Bogner) u.a.
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