© ORF/Milenko Badzic
Video online ab 17.10.2017, 6.00 UhrVideo online ab 17.10.2017, 6.00 Uhr
Sommerresidenz für die Habsburger - damals noch vor den Toren Wiens
Schönbrunn - Quelle der Schönheit
Schloss Schönbrunn mit seinen Nebengebäuden und dem weitläufigen Park mit Tiergarten zählt auf Grund seiner langen und bewegten Geschichte zu den bedeutendsten Kulturdenkmälern Österreichs. Es ist feudales Spiegelbild seiner einstigen Bewohner, ein Zaubergarten mit botanischen Schätzen und zugleich gezähmte Wildnis, die dem Herrschaftsanspruch der Habsburger über Mensch und Natur entsprach. Die kühne Vision der Architekten geriet zum glanzvollen Zeitzeugen eines glanzlosen Niedergangs des habsburgischen Weltreichs. Kein anderes Bauwerk repräsentiert so eindrucksvoll die wechselhafte österreichische Geschichte.

Schönbrunn aus unbekannten Perspektiven
© ORF/Milenko Badzic Zahlreiche Brunnen zieren den Schlosspark
Zahlreiche Brunnen zieren den Schlosspark
Es gilt ein oft zitiertes Thema aufregend zu variieren, Neugier zu wecken, aus Zeit und Raum zu lösen: Tage, Wochen und Monate werden zu Sekunden. Schwereloses Gleiten durch Raum und Zeit, Metamorphosen sichtbar zu machen, sich Schönbrunn aus unbekannten Perspektiven zu nähern, waren auch diesmal der visuelle Ansatz des Filmkünstlers Georg Riha. Mit seinem Werk in zukunftsweisender HDTV-Technologie will der Regisseur einen weiteren Meilenstein der Fernsehdokumentation setzen, der in seiner Vielschichtigkeit und Stimmung dem Gesamtkunstwerk Schönbrunn gerecht wird.
Georg Rihas Produktionen "St. Stephan - Der lebende Dom" und "Glockner - Der schwarze Berg" haben ein Millionenpublikum in vielen Ländern fasziniert. In seinem neuesten Werk will der Regisseur nun einem der bedeutendsten Kulturdenkmäler Österreichs seine filmische Hommage erweisen.

Lustschloss für eine der mächtigsten Herrscherfamilien Europas
Weit vor den Toren der Stadt, inmitten des ehemaligen Jagdgebietes, sollte nach Plänen des Architekten Fischer von Erlach eine neue Sommerresidenz entstehen. Ein Lustschloss für eine der mächtigsten europäischen Herrscherfamilien mit viel Privatheit, moderater Repräsentation, Fantasie und Verbundenheit mit einer domestizierten Natur. Kein anderer der vielen Feudalbauten des Landes repräsentiert so vielschichtig und widerspruchsvoll das Thema: Macht auf Österreichisch.

In einer von Kriegen und Kämpfen um die Machterhaltung bestimmten Zeit war es eine Frau, die das heutige Erscheinungsbild von Schönbrunn entscheidend prägte und sich damit ihren Traum vom Garten Eden erfüllte: Es war das Schloss von Kaiserin Maria Theresia. Es enthält alles, was einer so macht- wie familienbewussten Frau wichtig war: würdevolle Empfangsräume, intime Salons, Platz für die vielen Kinder, die Garanten für den Fortbestand des Hauses und Objekt zielstrebiger Heiratspolitik waren.

In Schönbrunn feierte auch Napoleon seinen Sieg über Österreich und den Triumph, dass die hochmütigen Habsburger ihm, dem Emporkömmling auf Frankreichs Thron, eine Tochter zur Frau gaben.

Als Kaiser Franz Joseph in Schönbrunn einzog, kam ein Hauch nüchterner Bürokratie in das lichte Schloss. Dunkle, schwere Möbel, karge Eisenbetten, dicke Tintenfässer begleiteten den ersten Beamten Österreichs und vertrieben seine schönheitsliebende Frau Elisabeth in andere Schlösser und Gärten. Resigniert widmete sich der Kaiser seiner Pflichterfüllung und einer diskreten Seelenfreundin, die seine Morgenspaziergänge begleitete.

Nur wenig später unterzeichnete sein Nachfolger, Kaiser Karl, in Schönbrunn seinen "Verzicht auf alle Staatsgeschäfte".

Die Macht über die Welt symbolhaft beschworen
© ORF/Milenko Badzic Blick von der Gloriette aufs Blumenparterre
Blick von der Gloriette aufs Blumenparterre
Besonders im Garten wird die Macht über die Welt symbolhaft beschworen. Die Zähmung der Natur, die Kontrolle der Wildnis und deren Unterordnung gegenüber der gottgegebenen Macht des Kaiserhauses. In streng geometrischen Formen sind die Gärten angeordnet, stramm wie Soldaten stehen Bäume und Sträucher in Reih und Glied. Nur Gewächsen besonderer Abstammung, besonders prachtvollen Einzelstücken oder etwa Geschenken mächtiger Königshäuser, wurde ein Recht auf Individualität zugestanden. Staatsräson und Gehorsam wurde auch der Pflanzenwelt verordnet.

Als Nicolas Jadot 1751 den Plan des künftigen Tiergartens entwarf, schuf er nicht nur eine für diese Zeit erstaunlich praxisgerechte Anlage, sondern auch ein Sinnbild der Geisteswelt seines kaiserlichen Auftraggebers. Franz Stephan war 1731 in Den Haag als erster Fürst Europas Freimaurer geworden, deren geheimes Wissen ihn faszinierte. In den Entwürfen Jadots finden sich zahlreiche Symbole, die nur für Eingeweihte von Bedeutung waren und den Besuchern meist verborgen blieben: Entsprechend der Tierkreiszeichen dienten zwölf Abteilungen, Logen genannt, der Haltung der Tiere. Die dreizehnte Loge war für Menschen bestimmt. Das Dreieck der Alleen könnte als Symbol für Körper, Seele und Geist gelesen werden und die Spitze dieses Dreiecks zielt auf die quadratische Basis des Pavillons, den vier Elementen entsprechend. Es fällt nicht schwer, in der historischen Anlage einen mystischen Talisman des Habsburgerreichs zu erkennen, ein geistiges Zentrum der Macht.

Gesamtkunstwerk Schönbrunn
Der Bogen des Films führt inhaltlich wie visuell vom Detail zum Gesamten - spannt sich vom Frühsommer, über Herbst und Winter, den wieder erwachenden Frühling bis in den Sommer des folgenden Jahres.

Das Gesamtkunstwerk Schönbrunn in seinen zahlreichen Facetten wird in viele Einzelteile zerlegt, der uns bekannte Blickwinkel geht verloren, und ein neuer erschließt sich. Vor den Augen des Betrachters setzt sich ein faszinierendes Mosaik zusammen und verleiht dem vermeintlich Bekannten eine neue Dimension. Die einzelnen Sätze - Schloss, Park und Tiergarten - fügen sich zu einer harmonischen Einheit und werden als architektonische Symphonie begreifbar.
Den heutigen Besucher empfängt ein lebendiges Museum - ein kleines Universum inmitten der Großstadt, in dem Architektur und Park, Kunst und Natur einander durchdringen. Der inhaltliche Bogen der Dokumentation spannt sich von den Anfängen bis zur Gegenwart, von einer weitgehend unberührten Naturlandschaft zum kunstvoll gestalteten Park, der das Schloss umgibt.

Sendedaten
Dienstag, 17. Oktober 2017
um 12.10 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Georg Riha
Österreich 2002
Links