© ORF/Historisches Archiv ORF
Führerkult-Propaganda anlässlich der Volksabstimmung am 10. April 1938, Wiener Urania
Führerkult-Propaganda anlässlich der Volksabstimmung am 10. April 1938, Wiener Urania
Als Österreich aufhörte zu existieren
Am 12. März 1938 marschierten deutsche Truppen in Österreich ein - Österreich als unabhängiges Land hörte für die nächsten sieben Jahre auf zu existieren und wurde zur Ostmark.
3sat beleuchtet dieses für Österreich neben dem Untergang der Habsburgermonarchie zweite bedeutende historische Ereignis aus den verschiedensten Blickwinkeln.
Sendedaten
Dienstag, 13. März 2018
ab 13.45 Uhr
Links
Am Nachmittag arbeiten mehrere Dokumentationen die Ereignisse vor und um den 12. März 1938 chronologisch-historisch auf, im zweiten Hauptabend werfen wir einen Blick auf Hitlers ursprünglich als Sommerresidenz gedachten, aber bald zum zweiten Regierungssitz avancierten "Berghof" am Obersalzberg im Berchtesgadenerland, gefolgt von der bereits als Klassiker geltenden Verfilmung "Der Bockerer" mit Karl Merkatz in der Titelrolle.
Hintergrund
ORF extra: 1938 - Der "Anschluss"
38 Originalzitate von Zeitzeugen und Zeitungen

Die Sendungen im Überblick:

In Linz begann´s - Der "Anschluss" 1938 in Oberösterreich
© ORF/Minapictures/Sammlung Thomas Hackl
Video ab Sdg.Video ab Sdg.
Vom 12. bis 14. März 1938 wurde Linz zwei Tage lang durch den Aufenthalt Adolf Hitlers zum Mittelpunkt des weltpolitischen Geschehens. Hitler wurde in seiner Jugendstadt von jubelnden Menschenmengen ein begeisterter Empfang bereitet und hier wurde der Beschluss zum vollständigen "Anschluss" Österreichs gefasst.
Eine Dokumentation von Martina Hechenberger und Thomas Hackl, 2018
Info
13.45 Uhr
Wiederholung:
13./14. März 2018, 3.05 Uhr

mehr...

Der Einmarsch war vorher bereits gut vorbereitet worden, in Linz und ganz Österreich wurden Straßen und Plätze von den Naziverbänden geschmückt und Hakenkreuzfahnen vorbereitet, die Kinder hatten schulfrei. Beflügelt von der begeisterten Kulisse beschloss Adolf Hitler den ursprünglichen Plan einer "Personalunion" der beiden Staaten Deutschland und Österreich zugunsten eines sofortigen und vollständigen "Anschlusses" zu verwerfen. Wie genau verliefen diese Tage im März 1938?

Zum Anlass des 80. Gedenkjahres der Ereignisse macht sich diese Dokumentation auf die Spurensuche nach den Hintergründen dieser dramatischen Zeit in Linz und Oberösterreich. Historiker, Zeitzeugen und Archivare geben Einblicke aus unterschiedlichen Blickwinkeln und fördern dabei oft Erstaunliches zutage. Im Zuge des Einmarsches in Linz fragte Hitler beispielsweise sofort nach "seinem guten alten Dr. Bloch" dem jüdischen Hausarzt seiner verstorbenen Mutter und nannte ihn einen "Edeljuden". Die Nationalsozialisten wollten Eduard Bloch in der Folge zum "Ehrenarier" machen, doch Dr. Bloch lehnte diese seltene Auszeichnung ab. Dieser bescheidene Anflug von Großzügigkeit soll nicht darüber hinwegtäuschen wie schnell der Antisemitismus überhandnahm. Noch während Hitler bis zum Vormittag des 14. März in Linz weilte, setzten die ersten größeren Verhaftungswellen ein.

Österreich I - Die Heimsuchung Österreichs
© ORF/Österreichisches Institut für Zeitgeschichte
Die Dokumentation "Österreich I - Die Heimsuchung Österreichs" beschäftigt sich mit dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich und den ersten Monaten ihrer Herrschaft, in denen die Nationalsozialisten versuchten, die österreichische Bevölkerung für sich zu gewinnen und das neue Machtgebiet profitbringend einzusetzen.
Dokumentation von Hugo Portisch und Sepp Riff (1928-2000), 2013
Info
14.30 Uhr

mehr...

Im Morgengrauen des 12. März 1938 überschreiten deutsche Truppen die österreichische Grenze. Menschenmassen jubeln Adolf Hitler bei seinem Einzug in Wien zu, für viele scheint sich die Hoffnung auf ein besseres Leben zu erfüllen. Doch mit Wehrmacht kommen auch viele Sonderkommandos, die Juden und Intellektuelle festnehmen. Abgesehen von vereinzelten Protesten, nimmt das Ausland den Anschluss mit geringem Interesse hin. In Österreich kommt es schnell zu den ersten Übergriffen auf Juden, viele Geschäfte und Betriebe werden nach und nach arisiert, Juden aus dem Lehrbetrieb und der Beamtenschaft gedrängt.

Durch die KdF-Aktivitäten versuchen die Nationalsozialisten, die Arbeiter für sich zu gewinnen. Im April des Jahres 1938 findet die Volksabstimmung über den Anschluss Österreichs statt, der eine gewaltige Propagandaschlacht der Nationalsozialisten vorausgeht. Das Abstimmungsverfahren widerspricht sämtlichen heute gültigen Regeln, so wurden auch Leute gezwungen, öffentlich mit Ja zu stimmen. Erwartungsgemäß ging Hitler als klarer Sieger aus der Volksabstimmung hervor.

Der längste Tag - 18 Stunden, die Österreichs Schicksal entscheiden
© ORF/Phlex Film
Video ab Sdg. Video ab Sdg.
Der 11. März 1938 ist ein entscheidender Tag in der Österreichischen Geschichte. Am frühen Morgen wird der damalige Bundeskanzler Kurt Schuschnigg telefonisch mit der Meldung geweckt, die Grenze zum Deutschen Reich sei gesperrt. Zwei Tage vor der für den Sonntag anberaumten Volksbefragung über die Unabhängigkeit Österreichs eskalieren die Drohungen Hitler-Deutschlands gegen Österreich. Kanzler Schuschnigg lässt sich im Morgengrauen zum Stephansdom führen und betritt anschließend das Kanzleramt am Ballhausplatz.
Dokumentation von Gerhard Jelinek, Österreich 2018
Info
16.00 Uhr
Wiederholung:
13./14. März 2018, 2.15 Uhr

mehr...

Er wird es 18 Stunden später unter Bewachung von SS-Männern verlassen. Davor hat Österreich unter dem Druck deutscher Ultimaten kapituliert. Schuschnigg tritt zurück und schließt seine Abschiedsrede mit dem Satz: "Gott schütze Österreich!" Die Nationalsozialisten übernehmen die Macht. Willkür-Herrschaft und Terror beginnen bereits am frühen Morgen des 12. März mit dem Einmarsch deutscher Truppen.

Die Dokumentation von Gerhard Jelinek beschreibt den "längsten Tag", der für Hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher zum persönlichen Schicksalstag wird. Der 11. März ist ein welthistorisches Ereignis, das schließlich 18 Monate später in den Zweiten Weltkrieg münden wird.

Kurt Schuschnigg: katholisch - diktatorisch - amerikanisch
© ORF/Österreichische Nationalbibliothek
Der am 18. November 1977 verstorbene Kurt Schuschnigg hat zu seinen Lebzeiten stets erklärt, alles versucht zu haben, um die Freiheit und Unabhängigkeit Österreichs zu erhalten. Der Kanzler der Jahre 1934 bis 1938 hatte das Erbe des von Nationalsozialisten ermordeten Engelbert Dollfuss zu exekutieren, den autoritären Ständestaat. Im Gegensatz zu den Sozialdemokraten versuchte er mit den Nationalsozialisten diesseits und jenseits der Grenze immer wieder den politischen Ausgleich zu paktieren. Bekanntlich umsonst.
Dokumentation von Andreas Novak und Gregor Stuhlpfarrer, 2018
Info
16.55 Uhr
Wiederholung:
13./14. März 2018, 0.35 Uhr

mehr...

Zudem hatte Hitler mit dem recht konfliktscheuen, eher introvertierten Schuschnigg leichtes Spiel. Hätte Schuschnigg mit stärkerer Bindung des Landes an die Westmächte, den Anschluss verhindern können? Ein Porträt, das sich auch mit seiner 1938 folgenden, siebenjährigen Gefangenschaft in Gestapogefängnissen und Konzentrationslagern beschäftigt. Ebenso mit seinem recht wenig bekannten Lebensstationen nach seiner Befreiung in den USA und in Tirol.

30 Tage bis zum Untergang
© ORF/Phlex Film
Video ab Sdg.Video ab Sdg.
Der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich wurde mit dem Einmarsch deutscher Truppen am 12. März 1938 de facto vollzogen. Die Volksabstimmung am 30. April war nur noch eine Farce.
Bereits am 12. Februar 1938 traf Kurt Schuschnigg Adolf Hitler auf dem Berghof in Bayern und unterzeichnete dort das "Berchtesgadener Abkommen". In den folgenden 30 Tagen bis zum Einmarsch wurde das Schicksal Österreichs auf politischer Ebene besiegelt.
Dokumentation von Birgit Mosser-Schuöcker, 2018
Info
17.45 Uhr
Wiederholung:
13./14. März 2018, 5.25 Uhr

mehr...

Die Tage vom 12. Februar bis zum 12. März 1938 sollten die Geschichte Österreichs für immer verändern, es war der letzte Monat vor dem Anschluss ans Deutsche Reich. Bundeskanzler Kurt Schuschnigg trifft Adolf Hitler auf dem Obersalzberg. Das dort unterzeichnete "Berchtesgadener Abkommen" zieht Österreich immer weiter in den Machtkreis des Nationalsozialismus. Noch weiß man nicht, dass Österreich einen Monat später für sieben lange Jahre aufhören wird zu bestehen.

Die Menschen besuchen in diesem Monat Bälle, feiern Fasching, schimpfen über die Nationalmannschaft. Gleichzeitig finden auf den Straßen Demonstrationen und Fackelumzüge statt. Wie war damals die innere Verfasstheit der ersten Republik? Wie viele Anhänger hatte das Schuschnigg-Regime? Wie viele Menschen träumten vom Reich?

Der Kanzler will wissen, wer zu Österreich steht und ordnet eine Volksbefragung an. Doch der streng geheime Plan ist bei seiner Verkündung längst nach Berlin verraten und Adolf Hitler schlägt zurück. Der letzte Monat Österreichs als eigenständiger Staat steigert sich zu einem furiosen Finale.

Die 45-minütige Dokumentation zeichnet einen Weg nach, den Zeitgenossen völlig unterschiedlich erlebt haben: auf den "Anschluss" hin fiebernd, ihn fürchtend oder auch passiv und gleichgültig. Zu Wort kommen Zeitzeugen, die den Anschluss als Kinder erlebt haben und Experten: Kurt Bauer, Heidemarie Uhl, Hannes Leidinger, Robert Kriechbaumer, Oliver Rathkolb und der Autor des Buches "Nie war ein schönerer März. 30 Tage bis zum Untergang" Gerhard Jelinek setzen die Geschehnisse in den richtigen Kontext. Der Neffe von Kurt Schuschnigg, Heinrich Schuschnigg, berichtet vom persönlichen Erleben seines Onkels.

Hitler und die Kinder vom Obersalzberg
© ORF/Degn Film/ullstein bild/Spiegl
Video ab Sdg.Video ab Sdg.
Der Berghof, ursprünglich als Sommerresidenz gedacht, wird ab 1933 nach Hitlers Machtübernahme in Deutschland großzügig zum zweiten Regierungssitz neben Berlin ausgebaut. Das geschieht unter der Leitung von Hitlers Sekretär Martin Bormann. Wo der "Führer" wohnt, dort wollen auch die Paladine residieren: Martin Bormann, Luftwaffenchef Hermann Göring, der Architekt und spätere Rüstungsminister Albert Speer. Daher müssen Familien in der Umgebung ihre Häuser und Grundstücke verlassen. Wer nicht spurt, dem droht Konzentrationslager. Ein Zeitzeuge berichtet über die brutalen Methoden und die Drohungen Bormanns.
Dokumentation von Robert Altenburger, 2017
Info
22.05 Uhr
Wiederholung:
13./14. März 2018, 1.20 Uhr

mehr...

Die Dokumentation zeigt auch die bislang wenig bekannten Dimensionen des Berghofs und seiner Umgebung. Zusätzlich wurde eine SS-Kaserne errichtet, in weiterer Folge entstanden ein Gewächshaus, ein Gästehaus, eine Theaterhalle, ein Kindergarten, ein Teehaus und das "Kehlsteinhaus" auf 1.834 Metern Höhe. Zwischen 1933 und 1945 leben und arbeiten bis zu 20.000 Menschen auf dem Obersalzberg. Hinzu kommen noch Hunderte Zwangsarbeiter aus Italien und Tschechien, die an der Errichtung der Gebäude und der riesigen unterirdischen Bunkeranlagen beteiligt sind. Etwa Zdenek Hulka aus der tschechischen Stadt Cheb, in den Jahren 1943 bis 1944 zur Zwangsarbeit für den Bunkerbau eingeteilt. Er berichtet von den lebensbedrohlichen Arbeitsbedingungen. Fast täglich gibt es Tote und Verletzte. Auch die Angst vor der Deportation in ein KZ ist ständiger Begleiter, denn man weiß von den systematischen Morden im nahegelegenen KZ Dachau.

Zur Parallelität von Idylle und Schrecken gehört auch die in Wochenschaufilmen, aber vor allem via Fotos reproduzierte Inszenierung des volksnahen und vermeintlich kinderliebenden "Führers". Mit propagandistischer Perfektion bedient sich Hitlers Leibfotograf Heinrich Hoffmann der Motive der heilen Bergwelt, um Hitler mit Erwachsenen und Kindern in dieser Kulisse zu inszenieren. Mehr als 4,3 Milliarden Fotos dieser Art gelangen so in Umlauf. Um gezielt Kinder und Jugendliche anzusprechen, können diese Bilder in eigens dafür gedruckte Sammelalben eingeklebt werden.

Als Fotomotiv diente damals auch Gerhard Bartels (Jahrgang 1932). Sein Onkel war Hitlers Feldwebel während des Ersten Weltkriegs. Hitler besucht die Familie schon vor 1933 regelmäßig. "Was hat denn der Führer gesagt?", wurde Bartels damals gefragt. ",Nix Gescheites' hab ich gesagt. Ich hab damals schon einen Weitblick gehabt", erzählt er im Interview mit Robert Altenburger.
Der Salzburger Rupert Zückert (Jahrgang 1931) etwa gehörte zu jenen, die nach der Auslöschung Österreichs im März 1938 mit den Eltern zum "Führer Schauen" auf den Obersalzberg pilgern. Er wird aus der Menge herausgeholt, um mit Adolf Hitler für Fotos zu posieren. Viele der bislang kaum bekannten Schilderungen von Zeitzeugen aus Österreich und Bayern ermöglichen neue Einblicke in das Leben im sogenannten Führersperrgebiet, das bis nach Salzburg reichte. Als am 16. Oktober 1944 die ersten Bomben auf die Mozartstadt fallen und Herbert Holzer die ersten Toten in den Straßen Salzburgs liegen sieht, weicht die Begeisterung rasch der Ernüchterung über die Nazizeit.

Der Film thematisiert auch, wie mit dem NS-Erbe umgegangen wurde. Hitlers Berghof wird zwar 1952 gesprengt. Doch bis heute sind Ruinen und erhaltene Gebäude wie die "Kleine Reichskanzlei" in Berchtesgaden oder das "Kehlsteinhaus" Anziehungspunkt für Touristen, aber auch für Ewiggestrige.

Der Bockerer
Die Tage des Einmarsches der deutschen Truppen im Jahre 1938 bewirken Veränderungen im Dritten Reich. Schon bald dringen diese auch in die kleine Welt des Wiener Vorstadt-Fleischhauers Karl Bockerer ein. Als Individualist leistet er mit bissigem Humor und großen Worten passiven Widerstand.
weiter ...
Info
22.55 Uhr

Flucht ins Ungewisse
Video ab Sdg.Video ab Sdg.
Über Nacht waren sie vogelfrei, befanden sich in Lebensgefahr, wurden ihres Vermögens beraubt. Über Nacht wird ein Land, das bisher auch aus Deutschland geflohenen Juden Schutz bot, bisher Einwanderungsland war, zur bedrohlichen Fremde. 130.000 jüdische Bürger und politisch Andersdenkende überlebten Terror und Verfolgung des Nationalsozialismus nur, weil ihnen nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 die Flucht gelang.
Dokumentation von Robert Gokl und Tom Matzek
weiter ...
Info
13./14. März 2018, 3.50 Uhr

"Vergesst uns nicht, erzählt es weiter"
© ORF/Burgtheater/Reinhard Maximilian Werner
Video ab Sdg.Video ab Sdg.
"Überleben ist ein Privileg, das verpflichtet." Sechs Zeugen, Überlebende des Holocaust, stehen auf der Bühne des Burgtheaters und im richtigen Leben - ein Blick in die Vergangenheit und ein Versuch, das Heute zu verstehen.
weiter ...
Info
13./14. März 2018, 4.45 Uhr