Pegah Ferydoni freut sich schon auf ihre Gäste.
Pegah Ferydoni freut sich schon auf ihre Gäste.
"Kunst ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln"
Interview mit "Kulturpalast"-Moderatorin Pegah Ferydoni
Mit "Türkisch für Anfänger" feierte die Schauspielerin Pegah Ferydoni als streng gläubige Muslima "Yagmur" ihren Durchbruch und wurde dafür 2006 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet. Seitdem ist die heute 33-Jährige eine gefragte Frau im deutschen Filmgeschäft. Nun kehrt sie als Moderatorin vertretungsweise zurück zum "Kulturpalast" in 3sat. Los geht es am 13. Mai 2017 mit der Frage: Ist die Demokratie am Ende?
Frau Ferydoni, Sie haben als Moderatorin die Sendung "Kulturpalast" 2011 mit entwickelt und dann drei Jahre lang wöchentlich moderiert. Jetzt kehren Sie zurück, um ihre Kollegin Nina Sonnenberg zu vertreten. Hat sich in der Zwischenzeit viel verändert?

Die Welt ist völlig aus den Fugen; Ich sehne mich sehr nach Zuversicht. In Zeiten des Neoliberalismus und diffusen Ängsten, brauchen wir MEHR Kultur. Wir brauchen mehr Shakespeare und weniger Newsticker.

Gibt es etwas, auf das Sie sich besonders beim "Kulturpalast" freuen?

Ich freue mich auf unser Team und ganz besonders auf die Interview-Gäste. Darauf, den Künstlern und Philosophen unsrer Zeit zu lauschen.

Sie haben in der Zwischenzeit ein Kind bekommen. Ändert sich dadurch auch die Perspektive auf die eigenen Arbeit?

Ich habe völlig unwillkürlich angefangen, in Kalendersprüchen zu denken...Es hat in mir den Drang verstärkt ein besserer Mensch zu sein als der, der ich gestern war.

Ist es im Film- und Fernsehgeschäft schwieriger als anderswo Familie und Beruf zu vereinbaren? Ihre Kollegin Nina Sonnenberg, die Sie jetzt vertreten, ist selbst gerade in Elternzeit. Müssen sich Frauen gegenseitig mehr unterstützen?

In kreativen Berufen, vor allem wenn höchste Konzentration erfordert wird, ist es sicherlich eine besondere Herausforderung. Aber es ist weder schwieriger noch leichter als in anderen Branchen, in denen das Geld knapp ist. Wir müssen gesamtgesellschaftlich daran arbeiten, Eltern besser zu unterstützen und Familien zu stärken.

Beim "Kulturpalast" wird Kunst ja immer auch sehr politisch verstanden. Ihre erste Folge am 13. Mai heißt "Ende der Demokratie?" Reizt Sie persönlich politische Kunst mehr als andere?

Frei nach dem Motto: "Kunst ist die Fortführung der Politik mit anderen Mitteln" interessiert mich sogenannte unpolitische Kunst beziehunsweise Kunst ohne tiefgründige humanistische Haltung oder gesellschaftlicher Fragestellung wenig.

Gast der ersten Sendung wird der Regisseur Ersan Mondtag sein. Sie sind beide in Deutschland aufgewachsen, aber keine sogenannten Bio-Deutschen. Verbindet das? Und schärft es vielleicht den Blick auf unsere Gesellschaft?

Klar. Wenn einem seit Kindertagen mal offen, mal hinter vorgehaltener Hand eingeredet wird "Eigentlich gehörst du nicht hierher", fängt man entweder irgendwann damit an, diesem Hier nachzuspüren, oder aber man resigniert und fällt unters Rad. Ich bevorzuge den Trotz und die Neugier und den Glanz in den Augen. Und Ersan Mondtag sieht das ja vielleicht ähnlich. Er ist dieses Jahr nicht nur zum zweiten Mal zum Berliner Theatertreffen eingeladen ist, sondern hat vor Kurzem am Maxim Gorki Theater einen sehr politischen Sophokles inszeniert.

Kulturpalast
"Kulturpalast" am 13. Mai 2017
Demokratie am Ende?