© Kobalt Productions GmbH, Sören Steffen
Der Maler Norbert Bisky, diesmal zu Gast im "Kulturpalast", findet, die meisten seien sich gar nicht bewusst, in was für einem "kostbaren Raum" sie hier leben.
"Kulturpalast" am 1. Oktober 2016
Fachmagazin für U- und E-Kultur
Europa ist aus den Fugen: Die Briten sind tief gespalten, in Deutschland gibt es plötzlich wieder eine rechte Bewegung. In Osteuropa werden die Zäune immer höher und die Demokratien immer löchriger. Und was sagen die Künstler dazu? Die neue "Kulturpalast"-Staffel startet mit einem Europa-Special und zeigt, wie viele Künstler plötzlich ihre Liebe zur EU entdecken.
Die Mächtigen kritisieren und Probleme benennen - das konnten Künstler ja schon immer gut. Aber dass sich jetzt so viele für etwas aussprechen - und dann auch noch für den eher unsexy Apparat EU, das ist neu. Nike Wagner, Direktorin des Bonner Beethovenfests, nennt Europa "das tollste und schönstes Projekt seit der Französischen Revolution" und hat die Performancegruppe "Rimini Protokoll" mit ihrem paneuropäischen Spieleabend "Hausbesuch Europa" nach Bonn eingeladen. Die Aufführungen haben schon in mehr als 300 Privatwohnungen in verschiedensten Städten Europas stattgefunden und bringen die Teilnehmer miteinander ins Gespräch und Nachdenken.

Kate Tempest: "Ich dachte, wir entwickeln uns weiter"
Die Rapperin und Poetin Kate Tempest rauft sich die Haare angesichts des Brexit, der Großteils von "alten, weißen, dummen Männern" herbeigeführt wurde. Im "Kulturpalast"-Interview klagt sie: "Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas zu meinen Lebzeiten noch passieren würde. Ich dachte, wir entwickeln uns weiter: weg von Teilung, Fragmentierung und Angst vor dem Fremden. Ich hatte Unrecht." Gleichzeitig hofft sie aber auf die einende Kraft der Kunst.

So wie es einst Gustav Mahler. In seiner 7. Sinfonie klingen - laut Leonard Bernstein - alle kommenden Katastrophen des 20. Jahrhunderts in Europa an. Das 1908 uraufgeführte Werk endet aber in einem jubelnden Finale. Jetzt hat sich der belgische Choreograf Alain Platel die 7. Sinfonie und die Biographie Mahlers vorgenommen. Platel sieht Parallellen zwischen der heutigen Situation in Europa und der Umbruchstimmung zu Zeiten Mahlers, als die Nationen Europas in den Ersten Weltkrieg drifteten. Eine Warnung? "Nicht schlafen" nennt Platel sein Mahler-Stück. Aber auch er lässt es halbwegs optimistisch enden. "Es gibt keinen Weg zurück in die Isolation", sagt er angesichts des heute wieder taumelnden Europas. "Dazu sind wir alle viel zu sehr vernetzt."

Der Maler Norbert Bisky, zu Gast auf dem Sofa des "Kulturpalast", ist sich da nicht ganz so sicher. Er findet, dass sich die meisten gar nicht bewusst sind, in was für einem "kostbaren Raum" sie hier leben. Deshalb lässt er auch vermehrt politische Motive in seine quietschbunten Bilder einfließen. Der in der DDR aufgewachsene Bisky sagt, er habe in seinem Leben schon genug Grenzen gesehen.

Sendung
"Kulturpalast"
Fachmagazin für U- und E-Kultur mit Nina Sonnenberg


STAFFEL III:
Folge I: Europa aus den Fugen
Zu Gast: Norbert Bisky, Maler

Samstag, 01.10.2016,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge II: Angriff der Maschinen
Zu Gast: Brand Brauer Frick, Band
Samstag, 08.10.2016,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge III: Faszination Verbrechen
Zu Gast: Juli Zeh, Autorin
Samstag, 15.10.2016,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge IV: Sehnsucht Entschleunigung
Zu Gast: N.N.
Samstag, 22.10.2016,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge V: Der Körper als Inspiration
Zu Gast: Sasha Waltz, Choreografin
Samstag, 29.10.2016,
um 19.30 Uhr in 3sat
Homepage
Nina Fiva Sonnenberg
Musik / Moderation / Spoken Word
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