SendungSendung
Helene Hegemann und Jasna Fritz Bauer sind kurz vor dem Filmstart von "Axolotl Overkill" zu Gast bei Pegah auf dem Sofa.
"Kulturpalast" am 10. Juni 2017

"Trau keinem über 30!" hieß es bei den 68ern. Jung sein meinte: Rebellisch, spontan und frei. Erwachsen dagegen: Traditionell und langweilig. Die Unterschiede waren gewaltig - ob in Mode, Sex, Drogen oder Musik. Und heute?
"Heute muss man sich nicht mehr gegen die Erwachsenwelt abgrenzen. Heute muss man sich schon als Kleinkind gegen Gleichaltrige abgrenzen, die politisch auf der anderen Seite stehen" - sagt Helene Hegemann, die mit ihrem Buch "Axolotl Roadkill" bereits als 17-jährige zu einem Literaturstar avancierte. Verläuft die Grenze nicht mehr zwischen alt und jung, sondern zwischen uns und denen?

Ein Schwanzlurch, die nie erwachsen wird
© Ullstein
Helene Hegemann, 25, hat jetzt ihre Coming-of-Age-Geschichte der Schulschwänzerin Mifti fürs Kino verfilmt. Mit Jasna Fritzi Bauer, 28, in der Hauptrolle, die scheinbar ein Abo auf kindliche Rollen hat. Als junge Erwachsene steht sie in ihrer Arbeit vor der Aufgabe, immer wieder aufs Neue erwachsen werden zu müssen. Das Einzige, wofür die von ihr dargestellte Mifti Verantwortung zu übernehmen scheint, ist ihr Axolotl - ein Schwanzlurch, der nicht erwachsen wird. Hegemanns Buch wurde bei Erscheinen zunächst hymnisch gefeiert - als scheinbarer Einblick in die Gedankenwelt der Jugend. Kurz danach allerdings von den gleichen Rezensenten beleidigt niedergeschrieben, weil Teile des Romans geklaut und damit nicht "echt" waren. Mal sehen, wie es jetzt dem Kinofilm ergeht. "Axolotl Overkill" startet am 29.Juni in den deutschen Kinos.

Gibt es also überhaupt noch einen Unterschied zwischen "Jugend" und "Erwachsenenalter"? Ein Geheimnis der Jugend, das man als Erwachsener nur mittels "authentischer" Stimmen aus der einem sonst fremden Generation versteht? Wo sind sie die Jugendkulturen, deren Codes für Außenstehende stets unverständlich waren und zu denen Erwachsene keinen Zutritt hatten? Eigentlich ist es eine feindliche Übernahme, wenn Lehrer mit Tunnel-Piercings und "Ramones"-Tattoo herumlaufen, auf Kumpel machen und damit den Jugendlichen ihr konstituierendes Merkmal klauen: Die Abgrenzung von der Welt der Erwachsenen.

Quitschbunter Zombietrip
Der "Kulturpalast" präsentiert Künstlerinnen und Künstlern, die sich entlang der - kaum noch vorhandenen - Grenze von Jugend und Erwachsenenalter abarbeiten: Die Theaterregisseurin Susanne Kennedy, die "Virgin Suicides" als quietschbunten Zombietrip inszeniert - jenes Buch von Jeffrey Eugenides, in dem die Erwachsenwelt fassungslos vor einer Selbstmordserie von Teenagern steht. Den Fotografen Hans Eijkelboom, der Kleidungscodes von Jugendlichen in unseren Innenstädten aufspürt und nun mit seinen Fotos auf der Documenta in Kassel vertreten ist. Und den Theater-Schamanen Lemi Ponifasio, der das Festival "Theater der Welt" in Hamburg mit "Die Gabe der Kinder" eröffnet. Darin lässt er symbolisch das Blut von Kindern, die Opfer von Krieg und Gewalt wurden, abwaschen. Eine naive Geste, die aber wenige Wochen nach dem Manchester-Attentat eine traurige Aktualität bekommt. Denn wenn es noch eine Besonderheit von Jugend gibt, dann ist es wohl das Versprechen auf Leben, das eigentlich noch vor einem liegt.

Die Beiträge vom 10. Juni in der Mediathek ...

<b>Lemi Ponifasio inszeniert bei "Theater der Welt"</b>
Lemi Ponifasio inszeniert bei "Theater der Welt"
<b>Die Selbstmord-Schwestern in München</b>
Die Selbstmord-Schwestern in München
<b>Helene Hegemann und Jasna Fritzi Bauer im Gespräch<b>
Helene Hegemann und Jasna Fritzi Bauer im Gespräch
<b>Hans Eijkelboom auf der documenta in Kassel<b>
Hans Eijkelboom auf der documenta in Kassel

Rückblick ...

<b>"Kulturpalast" vom 03.06.2017:<br />"Ich - und mein Selfie"</b><br />Gäste: Ronja von Rönne, Autorin © Sören Steffen "Kulturpalast" vom 03.06.2017:
"Ich - und mein Selfie"

Gäste: Ronja von Rönne, Autorin
<b>"Kulturpalast" vom 27.05.2017:<br />"Wut in der Kunst"</b><br />Gäste: Die Antilopen Gang © sören Steffen "Kulturpalast" vom 27.05.2017:
"Wut in der Kunst"

Gäste: Die Antilopen Gang
<b>"Kulturpalast" vom 20.05.2017:<br />"Kunst und Scham"</b><br />Gäste: Schnipo Schranke und Nora Tschirner © soeren steffen "Kulturpalast" vom 20.05.2017:
"Kunst und Scham"

Gäste: Schnipo Schranke und Nora Tschirner
<b>"Kulturpalast" vom 13.05.2017:<br />"Niedergang der Demokratie?"</b><br />Gast: Ersan Mondtag, Regisseur "Kulturpalast" vom 13.05.2017:
"Niedergang der Demokratie?"

Gast: Ersan Mondtag, Regisseur

 

Sendung
"Kulturpalast"
mit Pegah Ferydoni


Folge I: Ende der Demokratie?
Zu Gast:
Ersan Mondtag, Regisseur
Samstag, 13.05.2017,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge II: Kunst und Scham
Gäste: Schnipo Schranke und Nora Tschirner
Samstag, 20.05.2017,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge III: Wut
Zu Gast: Antilopen Gang, Musiker
Samstag, 27.05.2017,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge IV: Ich und mein Selfie
Zu Gast: Ronja von Rönne
Samstag, 03.06.2017,
um 19.30 Uhr in 3sat

Folge V: Jugend
Zu Gast: Helene Hegemann, Autorin und Jasna Fritzi Bauer, Schauspielerin

Samstag, 10.06.2017,
um 19.30 Uhr in 3sat
Interview mit ...
Moderatorin Pegah Ferydoni
Mediathek
LupeSendung verpasst?
Kein Problem! Hier gibt's sie: