Peter Handke ist überzeugt: Gerechtigkeit herstellen kann, wenn überhaupt, nur die Literatur - weil sie die Welt mitschreibt, nah am Menschen ist und jenseits jeder Ideologie. Literatur, die den Namen verdient, geht, davon ist Peter Handke überzeugt, vom Rand aus immer ins Offene, nie auf einen Endpunkt zu - es ist kein Zufall, dass dieses Gespräch am Rande Wiens stattfindet, im 'Gasthaus zum Friedhof der Namenlosen', wohin Peter Handke fast immer kommt, wenn er sich in Wien aufhält: hier, an diesem wie aus der Zeit gefallenen Ort, wollte er, dass das Interview stattfindet.
Die Hinwendung zur Abweichung, zur Peripherie, zum Entlegenen und Unbeachtet-Gebliebenen durchzieht Peter Handkes gesamtes Werk. "Jeder, der schreibt", sagt Peter Handke im Gespräch mit Katja Gasser, "muss ganz tief in sich hinein, damit etwas allgemein Gültiges rauskommt dabei." Das Erzählen davon, das Erzählen von der Notwendigkeit von Veränderung und Verwandlung prägt sein ganzes Werk: es ist durchdrungen vom Glauben an die Veränderbarkeit des Menschen, durchdrungen vom Wunsch nach Transformation zum Besseren hin. Jene Passagen im Gespräch, in denen Peter Handke über die Dringlichkeit von steter Veränderung spricht, darüber, was aus Menschen wird, wenn sie diese Herausforderung, die nicht selten das Leben an sie heranträgt, nicht annehmen, gehören zu den eindringlichsten und berührendsten des Interviews.