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Nicht immer muss Mais "maisgelb" sein - nach alter Überlieferung ist er ein Symbol für die verschiedenen Hautfarben der Menschen
Eine Hand voll Leben
Geschichte(n) vom Mais
In Mitteleuropa kennen wir Mais in der Hauptsache als Tierfutter und als Popcorn oder Cornflakes. Die vielen mediterranen Polenta-Variationen etwa blieben bislang kulinarische Nebensachen. Und doch ist Mais, wie Brot oder Reis, für weite Teile der Erdbevölkerung ein Grundnahrungsmittel.

Schon vor mehr als 6.000 Jahren in Mexiko kultiviert
Seinen Ursprung hat Mais in Mexiko. Dort wurde er schon vor mehr als 6.000 Jahren - neue Studien sprechen sogar von 8.700 Jahren - kultiviert. Hervorgegangen ist er aus dem Wildgras Teosinte, das man noch heute in manchen Regionen Mexikos finden kann.

Der mexikanische Maisgott gehörte zu den am meisten verehrten Gottheiten der Maya und Azteken. © ORF/MR-Film/Christoph Mayr Mexikanische Maisgott
Das Blut der Märtyrer der Revolution befruchtet die Erde (Blood of the Revolutionary Martyrs Fertilizing the Earth, 1926 Fresco Universidad Autonoma de Chapingo Chapel, east wall) © ORF/MR-Film/Christoph Mayr Das Blut der Märtyrer
Mais - verarbeitet zu Tortillas - ist in Mexiko lebensnotwendig © ORF/MR-Film/Christoph Mayr Maistortillas

Mais - Teil der Schöpfungsgeschichte der Maya
Die Schöpfungsgeschichte der Maya hat durchaus auch eine heitere Note: Zunächst formten die Götter Menschenbilder aus Schlamm. Ihr Sprachvermögen war minimal und im Regen zerrannen sie. Danach probierten sie es aus Holz. Da vermehrten sie sich zwar rasch, vergaßen jedoch den Göttern zu danken. Eine Flut trieb sie darauf hin auf die Bäume, wo sie seither als Affen weiterlebten. Im letzten Versuch kneteten die Götter Menschenbilder aus Maismehl. Diese schließlich waren wissbegierig, klug und folgsam. Die verschiedenen Fruchtfarben des Mais symbolisieren dabei die unterschiedlichen Hautfarben.


Wie kam der Mais nach Europa?
© ORF/MR-Film/Christoph Mayr In unseren Breiten Nahrung für Mensch und vor allem Tier - für Völker, die vom Mais abhängig sind, kaum vorstellbar
In unseren Breiten Nahrung für Mensch und vor allem Tier - für Völker, die vom Mais abhängig sind, kaum vorstellbar
Dazu werden einige Theorien entwickelt, denen zufolge der Mais nicht erst von den spanischen Eroberern aus der Neuen Welt importiert wurde. Der Kulturhistoriker Gerald Unterberger zeigt Möglichkeiten auf, wie der Mais schon viele Jahrhunderte vor Kolumbus Amerika verlassen haben könnte. Vielleicht auf transpazifischen Handelsrouten nach China und Indien?

Oder brachten ihn frühe kanarische Expeditionen über den Atlantik? Haben ihn danach die aus Nordafrika stammenden Almoraviden von den Kanarischen Inseln nach Spanien aber auch nach West- und Nordafrika und weiter in den Nahen Osten gebracht, von wo aus er mit Kreuzfahrers nach Italien und Mitteleuropa gelangte?

In Italien kulinarisch hoch geschätzt
© ORF/MR-Film/Gerhard Kaiser Polenta - beliebt als Hauptspeise oder Beilage
Polenta - beliebt als Hauptspeise oder Beilage
In Italien wird Mais aber nicht nur als Tierfutter verwendet, er wurde als Polenta neben Pizza und Pasta zu einer de drei Säulen der so genannten "cucina povera“ - bekannt auch als "granoturco“, als "türkisches Korn“. Ein Name, der durchaus auf die Wanderschaft des Mais über Arabien oder gar Ostasien nach Europa hinweist. In Ostösterreich wird er auch "Kukuruz" genannt. Dieser Name kommt aus den östlichen Nachbarländern. In der Steiermark und in Kärnten gibt es eine rustikale Abart der Polenta - den Sterz. Insbesondere in den bäuerlichen Gegenden war er eine weit verbreitete, deftige Mahlzeit für alle Gelegenheiten.

Der Mais hat auf schwankenden Gefährten eine Reise angetreten und einmal als raffiniertes Gericht oder als deftige Hausmannskost, oft auch nur als eine Hand voll Leben, die Jahrtausende überstanden.

Sendedaten
Samstag, 12. Mai 2018
um 10.45 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Gustav W. Trampitsch, Österreich 2008
wissen aktuell: Der Mais-Wahn
Der Mais-Wahn
Sie sind der Inbegriff einer fruchtbaren Landwirtschaft: Maispflanzen. Doch Mais bringt auch Probleme. Die Felder mit den gelben Kolben bedecken inzwischen mehr Anbaufläche, als jedes andere Agrarprodukt. Die Nachfrage ist riesig: Bei uns wird der Mais zu Biogas und Strom, die USA verspritten Mais zu Ethanol. Weltweit füttert Mais Milliarden von Hühnern und Schweinen. Deswegen ist der Maispreis ist explodiert. Der Markt, der eigentlich die Menschen auf der Welt versorgen sollte, spielt verrückt.
Felder für Biogas
Vermaisung stoppen
Nach dem Wunsch der deutschen Bundesregierung soll ein Gesamtkonzept für Biomasse eine "Vermaisung" der Landschaft vermeiden.
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