Übersicht
TV-Programm
Dienstag, 20. April
Lupe
Ein Zug vom Fort William nach Mallaig auf dem Glenfinnan Viaduct, Schottland
Die gezähmte Wildnis
Teil 3 der Reihe "Wilde alte Welt"
Zehntausend Jahre Menschheitsgeschichte - aus geologischer Sicht nur ein kurzer Augenblick - haben die Landschaften, die Tier- und Pflanzenwelt Europas ebenso radikal verändert wie davor Klima und Tektonik. Vor achttausend Jahren wäre Frankfurt inmitten dichter Urwälder gelegen, die sich von Horizont zu Horizont erstreckten, unterbrochen nur durch wilde Flusslandschaften, an die noch das heutige Sibirien erinnert. Aber als Landwirtschaft das Leben der Jäger und Sammler verdrängte, begannen die Wälder zu schwinden, und mit ihnen ihre Bewohner, vor allem die großen Beutegreifer.

Das Land wird erschlossen
Die Kräfte der Geologie und des Klimas sind machtvoll, aber langsam. Doch am Ende der Eiszeit nahm das Tempo der Veränderung rasant zu, und der Motor dieses enormen Wandels war der Mensch. Kaum waren die Temperaturen gemäßigter, milderte sich der Überlebenskampf unserer Vorfahren. Aus primitiven Jägern und Sammlern wurden Ackerbauern, doch noch lebte die Menschheit im Einklang mit der Natur, verehrte ihre Geschöpfe und die Früchte des Bodens. Die erste Kultur, die die Natur nicht als Verbündeten, sondern als Feind sah und diesem Feind entschlossen gegenüber trat, war das Römische Imperium. Plötzlich schlängelten sich Römerstraßen durch die endlosen Wälder, die Europa damals überzogen, wurden Tiere nicht zum Nahrungserwerb getötet, sondern zur Belustigung der Massen.

Der Hadrian’s Wall, England - von den Römern als Grenzbefestigung erbaut  © ORF/Chris ColeLupeDer Hadrian´s Wall
Der Steinkreis von Callanish auf der Hebriden-Insel Lewis, Schottland - die tatsächliche Funktion solcher Steinkreise ist bis heute nicht ganz geklärt  © ORF/Dan TapsterLupeSteinkreis von Callanish
Zum Trocknen aufgehängter Kabeljau, Lofoten, Norwegen © ORF/Dan TapsterLupeLofoten, Norwegen


Erste Naturschutzbewegungen entstehen
Doch die Verschnaufpause war nur kurz, die Wälder wichen der Zivilisation und dem Krieg: Mit dem Bau der legendären Armada fielen die letzten der spanischen Wälder der Axt zum Opfer. Ohne Bäume verwüstete die Iberische Halbinsel zusehends, denn ihre Wälder liegen am Grund des Atlantiks. Mit dem Beginn des industriellen Zeitalters Mitte des 19. Jahrhunderts in England schien das Schicksal der Natur Europas besiegelt, als schwarzer Rauch aus Tausenden Schloten die Luft verpestete. Doch während die Kohlefeuer brannten, hatten einige reiche Romantiker andere Ideen. Sie sahen in der Natur einen Wert an sich, den es zu schützen und zu erhalten galt. Die ersten Naturschutzbewegungen entstanden und sollten Europa wie Phönix aus der Asche neu entstehen lassen.

Sendedaten
Dienstag, 18. September 2012
um 15.15 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Reihe
Wilde alte Welt
Eine Naturgeschichte Europas

Dokumentationsreihe in vier Teilen von Klaus Feichtenberger und Walter Köhler, Österreich 2005