Video online ab 23.9.2017, 6.00 UhrVideo online ab 23.9.2017, 6.00 Uhr
Ein Teil der mächtigen Plitvicer Wasserfälle
Plitvice - Im Land der fallenden Seen
Europas erster Nationalpark
16 kristallklare Seen, in spektakulären Terrassen angeordnet, durch unzählige Wasserfälle und Stromschnellen verbunden - das sind die fallenden Seen von Plitvice in Kroatien, dem ersten Nationalpark Europas. Dieses einzigartige Naturjuwel erinnert an ein surreales Märchenland: Dichter Buchenwald umschließt die Wasserflächen, Bäume wachsen auf schmalen Überhängen, thronen über Wasserfällen, strecken ihre Äste in den Sprühnebel der Katarakte.

Deutliche Spuren des Balkankrieges
© ORF/Rita Schlamberger Die Wasserbecken der Plitvicer Seen wachsen und verändern sich ständig
Die Wasserbecken der Plitvicer Seen wachsen und verändern sich ständig
Zwischen einem und drei Zentimeter pro Jahr wachsen die Travertin-Terrassen und schaffen ständig neue Becken und Barrieren, Wasserstürze und Kaskaden. Doch nicht nur die Naturgeschichte dieser Seenlandschaft ist immer in Bewegung, auch politisch hat der älteste Nationalpark Europas eine wechselvolle Vergangenheit hinter sich. Während des Balkankriegs war das Land der fallenden Seen militärisches Kampfgebiet, die einmaligen Travertin-Terrassen waren vermint und wiederholt von Sprengung bedroht. Wenn auch die Katastrophe ausblieb, die Anwesenheit von Truppen in der fragilen Ökologie des urtümlichen Waldes hinterließ deutliche Spuren: Hirsche und Rehe sind in Plitvice deutlich seltener als in vergleichbaren Naturräumen, die Soldaten schossen weite Teile des Waldes leer - aus Langeweile oder zur Verpflegung.

Seltene Tierarten in großer Zahl
Heute erinnert wenig an diese brutale Vergangenheit - die riesigen Buchenwälder von Plitvice sind voll mit Leben: Hier findet sich nicht nur eine der größten Braunbären-Populationen Europas, auch große Wolfsrudel und Luchse durchstreifen in stattlicher Anzahl den Wald rund um die Kaskaden und Seen. Im klaren Wasser tummeln sich einige der rarsten Europäer: Sumpfschildkröten und Flusskrebse sind in den meisten anderen Gegenden des Kontinents seit Jahrhunderten ausgerottet.

Braunbären - hier gibt es eine der größten Populationen Europas  © ORF/Rita Schlamberger Braunbären - hier gibt es eine der größten Populationen Europas
Wölfe und Luchse durchstreifen im Rudel die Wälder © ORF/Rita Schlamberger Wölfe und Luchse durchstreifen im Rudel die Wälder
Totes Holz im kristallklaren Wasser der Plitvicer Seen - idealer Lebensraum für Flusskrebse  © ORF/Rita Schlamberger Totes Holz im kristallklaren Wasser der Plitvicer Seen - idealer Lebensraum für Flusskrebse


Nie zuvor gedrehte Tieraufnahmen
© ORF/Rita Schlamberger Auch im Winter ein beeindruckendes Naturschauspiel: Wasser stürzt über vereiste Kaskaden, welche bis zum Frühjahr Tropfen für Tropfen zu gewaltigen Eismassen anwachsen
Auch im Winter ein beeindruckendes Naturschauspiel: Wasser stürzt über vereiste Kaskaden, welche bis zum Frühjahr Tropfen für Tropfen zu gewaltigen Eismassen anwachsen
"Plitvice - Im Land der fallenden Seen" bot dem Regisseur reichlich Gelegenheit, seine Stärken auszuspielen: plastische, extrem prägnante Naturpanoramen - kombiniert mit präzise beobachteten Tierverhalten. "Die Seenlandschaft ist wirklich fast überirdisch schön", sagt Schlamberger: "Uns ist bei den unglaublichen Formen und Bewegungen des Wassers oft vor Staunen der Mund offen stehen geblieben. Und ich glaube, der Film transportiert etwas von dieser Faszination." Vor dieser imposanten Szenerie gelangen aber auch viele spannende und einige extrem charmante Tieraufnahmen. So tat ein Braunbär dem Filmteam den Gefallen, sich direkt vor ihnen bäuchlings in ein Schlammloch zu legen und alle Viere von sich zu strecken: "Ich musste mir auf die Lippen beißen", erzählt Schlamberger: "Dieses riesige, Respekt einflößende Tier schaute plötzlich so tollpatschig aus. Zum Glück konnte ich mich beherrschen, deshalb kann man jetzt erstmals die Fußsohlen eines Braunbären in 'Universum' bewundern."

Einige Wochen später gelang es dem Team sogar, den großen Showdown zwischen den eindrucksvollsten Bewohnern von Plitvice zu filmen: einen Braunbären, der versucht, einem Rudel Wölfe die Beute abspenstig zu machen: "Ich habe noch nie eine Begegnung zwischen zwei Tierarten gedreht, die so laut waren und einen solchen Körpereinsatz zeigten", erinnert sich der Regisseur, "zwischen all den Prankenhieben, dem Knurren, Beißen und Zähnefletschen wurde mir richtig mulmig zumute."

Sendedaten
Samstag, 23. September 2017
um 10.00 Uhr
Wiederholung:
Donnerstag, 28. September 2017, 11.45 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Eine Dokumentation von Michael Schlamberger, Österreich 2004
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