Übersicht
TV-Programm
Dienstag, 20. April
Admont - Universum im Kloster
Eine imposante Naturlandschaft. Steile Felsen, tosendes Wildwasser. Das alles steht für den Nationalpark Gesäuse - im Norden der Steiermark. Inmitten dieser atemberaubenden Bergwelt steht seit fast 1000 Jahren ein Kloster - das Benediktinerstift Admont. Es ist seit jeher ein Ort der Spiritualität und Kontemplation - der Wissenschaft und Kunst.


Spiritualität und High Tech
© ORF/ScienceVision/Michael Schlamberger Lupe
Die Panoramastiege
Doch im altehrwürdigen Stift wird man mit Unerwartetem konfrontiert.In der Abgeschiedenheit einer schroffen Gebirgslandschaft trifft tiefster Barock auf Gegenwartskunst und klösterliche Lebensweise auf moderne Naturwissenschaft. Spiritualität und High Tech gehen hier Hand in Hand. Das Stift Admont präsentiert sich als Gesamterlebnis, als ein Ort der Toleranz, der Kommunikation und multikulturellen Koexistenz.

Zentrum der Wissenschaft
© ORF/ScienceVision/Christoph Groppenberger Lupe
Alte Handschrift mit Siegel
Von Anfang an war Admont ein Zentrum der Wissenschaft.
Im Mittelalter mussten Handschriften in mühevoller Kleinarbeit kopiert werden. Mönche wurden ausgesandt, unternahmen beschwerliche Reisen, um neue Werke ausfindig zu machen. Ein erstes wissenschaftliches Netzwerk - 1000 Jahre vor dem Zeitalter des Internets. "Im Mittelalter war die Admonter Klosterbibliothek ebenso bedeutsam wie die Bibliothek des apostolischen Stuhles, also die Vatikanbibliothek." erzählt Abt Hubl.

1865 wurde Admont von einer Katastrophe schwer getroffen. Ein verheerender Brand zerstörte das Kloster bis auf die Grundmauern. Fast alle Gebäude des Stiftes, einschließlich der Kirche wurden ein Raub der Flammen. Der Bibliothekssaal wurde zwar wie durch ein Wunder von den Flammen verschont, doch abgebranntes niederfallendes Gebälk richtete beträchtlichen Schaden an. Der folgende Wassereinbruch durch Lösch- und Regenwasser beschädigte zusätzlich die Fresken und die Architekturmalerei. Auch der Zahn der Zeit nagt an dem Kulturdenkmal: Klimaschwankungen, Feuchtigkeit und UV-Strahlung. Und nicht zuletzt die Bücher: 70.000 Stück waren arg verschmutzt und durch jahrhunderte lange Benützung in Mitleidenschaft gezogen.

Die Bibliotheksrestaurierung - ein Jahrhundertprojekt
© ORF/ScienceVision/Thomas Emrich Lupe
Die Bibliothek erstrahlt in neuer Pracht
Im Frühjahr 2004 begann das Abenteuer der Gesamtrestaurierung. Ein Jahrhundertprojekt - denn noch nie wurden vergleichbare Arbeiten seit der Fertigstellung des Bibliotheksaales 1776 gemacht.

Sämtliche Bücher wurden ausgeräumt und unter strenger Wahrung der Aufstellungsordnung zwischengelagert. Die beschädigten Bücher wurden aussortiert und an Buchrestauratoren geliefert, um in deren Ateliers sorgsam wiederhergestellt zu werden. In der Zwischenzeit schritten die baulichen Restaurierungsarbeiten voran und Zug um Zug fanden die fertig restaurierten Bücher wieder ihren alten Platz in den Regalen.

Im Stift Admont entstand so eine hochmoderne Museumslandschaft. Das kontrastreichste Privatmuseum Österreichs wurde 2005 mit dem österreichischen Museumspreis ausgezeichnet.

Moderne Inszenierungen in Dialog mit historischen Exponaten
© ORF/ScienceVision/Michael Schlamberger Lupe
Sammlung Naturhistorisches Museum, Stift Admont
Das heutige Naturhistorische Museum ist das Lebenswerk von Pater Gabriel Strobl, der nach dem verheerenden Stiftsbrand 1865 in über 40 Jahren eine riesige naturkundliche Sammlung aufbaute. Strobl trug über 100 Säugetierarten, 1.100 Vögel, 226 Reptilien, 9.200 Schalen- und Weichtiere zusammen und erstellte drei Herbarien mit etwa 28.000 getrockneten Pflanzen. Seine besondere Leidenschaft galt aber den Insekten. Seine Sammlung umfasst die unvorstellbare Zahl von 252.000 Insekten aus 57.000 Arten. Das Naturhistorische Museum besticht durch die Fülle seiner Sammlungen und die Authentizität der Präsentation - moderne Inszenierungen stehen in einem Dialog mit den historischen Exponaten.

Das Kunsthistorische Museum präsentiert Objekte aus dem Kirchenschatz von der Romanik bis zum Rokoko - Gemälde, Skulpturen und vor allem liturgische Gewänder. Aber nur ein Portal trennt die Barockkunst von der Kunst unserer Zeit.

Seit 1997 gibt es in Admont das Museum für Gegenwartskunst. Dieses beinhaltet Werke von über 100 zeitgenössischen meist österreichischen Künstlern, die auf Einladung des Stifts im Zuge des "Made for Admont"-Programmes ortsspezifische Kunstwerke kreieren.

Gegenwartskunst und Klassik
© ORF/ScienceVision/Michael Schlamberger Lupe
"Die vier letzten Dinge", Stift Admont
Ein Teil des Museums wird jedes Jahr von Gegenwartskünstlern neu gestaltet. So wird dem Besucher bewusst, dass sich das Stift Admont nicht nur dem Historischen widmet, sondern sich auch mit der Kunst der Gegenwart identifiziert und die Kultur unserer Zeit im neuen Museum fördert. Abt Hubl meint dazu: "Wichtig ist, dass man in der Sprache unserer Zeit - und Kunst und Kultur ist eine Sprachform - den Dialog pflegt, auch mit dieser Sprache an die Menschen herantritt.

Klöster üben heute wieder eine erstaunliche Faszination aus.
Die Gründe dafür können sehr mannigfach sein. Für die einen steht die Wallfahrt im Vordergrund; andere wieder schätzen die Atmosphäre und die Spiritualität, die Klöster ausstrahlen; stressgeplagte Manager sehnen sich nach Ruhe und Kontemplation, wenn sie sich in ein Kloster zurückziehen; Historiker und andere Wissenschafter finden im Bücherschatz der Bibliothek und in den Beständen des Museums ein reiches Betätigungsfeld für ihre Forschungen.

In der schnelllebigen Zeit von heute haben Klöster ihre neue Bestimmung gefunden - sie werden zu Festungen der Stabilität und Wertevermittlung: Sie können Antworten geben auf Fragen nach Wert und Sinn, wenn sie - wie das Stift Admont - ihre Tore öffnen für Suchende, woher diese auch immer kommen mögen.

Sendedaten
Sonntag, 28. Oktober 2012
um 11.30 Uhr
Stereo, 16:9
Credits
Ein Film von Michael Schlamberger, Österreich 2008
Info
2008 ging die Romy in der Kategorie "Beste Kamera" an Michael Schlamberger für die ScienceVision Produktion "Ol’ Man River - Mächtiger Mississippi".Die ROMY ist einer der bedeutendsten Film- und Fernseh­preise im deutschsprachigen Raum.
Links