Eines der größten ungelösten Rätsel geben die Bienen den Forschern durch ihre jährliche Wanderung auf. Jedes Jahr verlassen Tausende Schwärme mit Zehntausenden Individuen ihre Heimat an den Hängen des Himalaja und ziehen südwärts. Auf ihrer Reise machen sie immer wieder Station, doch sie bilden keine Waben, und die Königin kann keine Eier legen. Während ihres wochenlangen Zuges sterben die älteren Arbeiterinnen, die Kolonie schrumpft. Schließlich erreichen die Bienen ihr Ziel in den Ebenen am Ufer des Brahmaputra, wo sie sich auf ganz bestimmten, Jahr für Jahr gleichen Bäumen niederlassen. Für Menschen sehen diese Bienenbäume aus wie gewöhnliche Bäume, doch die Riesenhonigbienen finden immer wieder zu denselben Bäumen zurück. Binnen weniger Tage können sich mehr als 100 Kolonien auf einem einzigen Bienenbaum niederlassen.
Für Gerald Kastberger und seine Forscherkollegen, die die Bienen seit Jahren studieren, gibt es noch immer eine Menge unbeantworteter Fragen: Etwa was an diesen Bäumen so besonders ist, oder warum sich Dutzende Schwärme auf einige wenige Bäume konzentrieren. Das größte Geheimnis jedoch ist, wie die Bienen diese Bäume finden. Sie sind mehr als 160 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, und die Arbeiterinnen waren nie zuvor hier, denn sie leben nur wenige Wochen. Die Königinnen sind die einzigen Individuen, die bereits im Vorjahr im Land der Bienenbäume waren, aber sie führen den Schwarm nicht an. Rätsel um Rätsel also, die es für die Wissenschafter noch zu lösen gilt.