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Dienstag, 20. April
Riesenhonigbiene
Assam - Im Land der Bienenbäume
Assam zählt zu den schönsten Bundesstaaten des indischen Subkontinents. Wo Tiger, Panzernashörner und Elefanten durch die tropischen Wälder streifen, ist die Natur großteils noch in Ordnung. Doch eines der aufregendsten Naturschauspiele bieten nicht die Großtiere, sondern Bienen: Assam ist die Heimat der Riesenhonigbiene, die gewaltige, von Zweigen hängende Nester auf Bäumen baut.

Eines der aggressivsten Tiere der Welt
© ORF/Ernst Hüttinger Lupe
Dicht an dicht sitzen die Riesenhonigbienen
Die Riesenhonigbienen zählen zu den aggressivsten Tieren der Welt. Die Einheimischen fürchten sie, weil sie in Massen attackieren. Jedes Jahr sterben mehrere Menschen an den Folgen ihrer Stiche. Wer einen solchen Angriff überlebt, vergisst ihn sein Leben lang nicht. Den Massenattacken dieser Bienen auf den Grund zu gehen, ist ein Teil des Forschungsprojekts des österreichischen Wissenschafters Dr. Gerald Kastberger von der Universität Graz. Immer wieder begibt sich Kastberger in Schwindel erregende Höhen, um die Bienen aus nächster Nähe zu beobachten und Experimente durchzuführen. Für diese Dokumentation demonstriert er, wie die Bienen fünfzig Meter über dem Erdboden über die Attrappe eines Menschenkopfes herfallen. Haben einmal einige Bienen zugestochen, lockt ein Duftstoff noch mehr Bienen an, die ebenfalls zustechen und dadurch weiteren Artgenossen das Signal zum Angriff geben.


Noch viele ungelöste Rätsel
© ORF/Ernst Hüttinger Lupe
Bienenbaum, auf dem es über 100 Bienennester gibt
Eines der größten ungelösten Rätsel geben die Bienen den Forschern durch ihre jährliche Wanderung auf. Jedes Jahr verlassen Tausende Schwärme mit Zehntausenden Individuen ihre Heimat an den Hängen des Himalaja und ziehen südwärts. Auf ihrer Reise machen sie immer wieder Station, doch sie bilden keine Waben, und die Königin kann keine Eier legen. Während ihres wochenlangen Zuges sterben die älteren Arbeiterinnen, die Kolonie schrumpft. Schließlich erreichen die Bienen ihr Ziel in den Ebenen am Ufer des Brahmaputra, wo sie sich auf ganz bestimmten, Jahr für Jahr gleichen Bäumen niederlassen. Für Menschen sehen diese Bienenbäume aus wie gewöhnliche Bäume, doch die Riesenhonigbienen finden immer wieder zu denselben Bäumen zurück. Binnen weniger Tage können sich mehr als 100 Kolonien auf einem einzigen Bienenbaum niederlassen.

Für Gerald Kastberger und seine Forscherkollegen, die die Bienen seit Jahren studieren, gibt es noch immer eine Menge unbeantworteter Fragen: Etwa was an diesen Bäumen so besonders ist, oder warum sich Dutzende Schwärme auf einige wenige Bäume konzentrieren. Das größte Geheimnis jedoch ist, wie die Bienen diese Bäume finden. Sie sind mehr als 160 Kilometer von ihrer Heimat entfernt, und die Arbeiterinnen waren nie zuvor hier, denn sie leben nur wenige Wochen. Die Königinnen sind die einzigen Individuen, die bereits im Vorjahr im Land der Bienenbäume waren, aber sie führen den Schwarm nicht an. Rätsel um Rätsel also, die es für die Wissenschafter noch zu lösen gilt.

Sendedaten
Montag, 23. Juli 2012
um 15.55 Uhr
Stereo, 16:9, Videotext-UT
Credits
Ein Film von Paul Reddish, 1999
Deutsche Bearbeitung:
Sabine Holzer
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