© srf
Beitrag "Wir waren Sklaven in Deutschland"Beitrag "Wir waren Sklaven in Deutschland"
Jose Kandido Cuambe mit Reporterin Nina Mavis Brunner.
Von Maputo nach Ost-Berlin
«Die Besten von euch erhalten eine Ausbildung in Europa», versprach Präsident Samora Machel und schickte seine Landsleute in den deutschen Osten. Zwischen 1979 und 1991 landeten fast 20‘000 Mosambikaner in Ost-Berlin. Die Betroffenen kämpfen noch heute mit den Folgen dieser Zeit.
Eine Ausbildung in Europa machen und gutes Geld verdienen. Zurückkehren und den Sozialismus als künftige Elite weiterbauen. Das waren die Versprechen des damaligen mosambikanischen Regimes. Mosambik benötigte nach der Unabhängigkeit Fachkräfte, die die gut ausgebildeten Portugiesen im Land ersetzten. Die DDR aber brauchte keine Schülerinnen und Studenten, sondern Arbeiter. Die DDR und Mosambik waren sich in ihrem Abkommen über die «Beschäftigung mosambikanischer Werktätiger in sozialistischen Betrieben der DDR» einig. Die Afrikaner sollten als Experten nach Mosambik zurückkehren und helfen das Land nach der portugiesischen Besetzung weiter aufzubauen.

Die Flagge der DDR in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks. © srf Die Flagge der DDR in Maputo, der Hauptstadt Mosambiks.
Der Park in Maputo wird mittwochs zum Treffpunkt der Madgermanes. © srf Der Park in Maputo wird mittwochs zum Treffpunkt der Madgermanes.
Statue des ehemaligen sozialistischen Präsidenten Samora Machel. © srf Statue des ehemaligen sozialistischen Präsidenten Samora Machel.

«Wir waren Sklaven in Deutschand»
Die Träume vom Geld und den versprochenen guten Jobs blieben nach dem Fall der Mauer unerfüllt. Nach der Wende wurden die «Madgermanes» – die «Made in Germany»- Mosambikaner, wie sie in ihrer Heimat genannt werden, nutzlos und verloren ihre Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung. Zurück in Mosambik fanden sie ein vom Bürgerkrieg gezeichnetes Land vor mit kaum Perspektiven.

Einer von ihnen ist Jose Kandido Cuambe, der in der DDR zum Elektriker ausgebildet wurde. Von seinem Lohn wurde ihm weniger als die Hälfte ausbezahlt, 60 Prozent wurde von der DDR als «Spareinlage» auf staatseigene Konten in Mosambik einbezahlt. Doch nach der Rückkehr war das Geld weg wie die Mauer in Berlin. Stolz war er damals, als er vom Regime in die DDR geschickt wurde. Heute ist er enttäuscht: «Ich musste jetzt feststellen, wir waren Sklavenarbeiter in Deutschland.»

Mittwochsdemonstration
Auch 27 Jahre später warten Jose Kandido Cuambe und seine Schicksalsgenossen auf ihren deutschen Lohn. Die DDR Fahne ist gehisst, einige stehen im Kreis und diskutieren. Deutsch haben sie nicht verlernt. Hier treffen sie sich regelmässig um einander zu unterstützen und Informationen zu ihrem Kampf auszutauschen. Viele von ihnen haben sich nach der Rückkehr nicht mehr in der alten Heimat zurechtfinden können, gelten als Unruhestifter und sind arbeitslos. Obwohl die Chancen schlecht stehen, dass die Madgermanes je an ihr Geld kommen, demonstrieren sie weiter, immer mittwochs im Park.

Sendedaten
Entlang der Gewürzroute
3sat Reisegeschichten

Folge 1 MO 12.12., 20:15
Folge 2 MO 12.12., 21:05

Folge 3 MI 14.12., 20:15
Folge 4 MI 14.12., 21:05
Folge 5 MI 14.12., 22:00
Entlang der Gewürzroute
Folge 2: Leben heisst kämpfen
Die Entdeckung des Seewegs nach Asien durch die Portugiesen war ein Meilenstein der Globalisierung. Wovon und wofür leben Menschen an der historischen Gewürzroute heute? In Mosambik trifft Reporterin Nina Mavis Brunner auf Menschen, die kämpfen.
Entlang der Gewürzroute
Die Gewürzroute - ein Meilenstein der Globalisierung
Nicht Gold und auch nicht Erdöl. Der Ansporn den Seeweg nach Indien zu finden waren Gewürze. Als der Portugiese Vasco da Gama 1488 den Seeweg entdeckte, war das ein wichtiger Meilenstein in der Geschichte der Globalisierung.