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Wasserwerfer, Knünppel und Angst auf der einen, Bretter, Stangen und Wut auf der andern Seite: Polizei vs. Jugend, 29. Juni 1968
Wasserwerfer, Knünppel und Angst auf der einen, Bretter, Stangen und Wut auf der andern Seite: Polizei vs. Jugend, 29. Juni 1968
68 und die Schweiz: Die Globus-Krawalle
Starre Normen vs.Lust auf Freiheit und Selbstbestimmung. Nach zwei Konzerten 1967 und 68 mit Geplänkel zwischen Jugend und Polizei entladen sich Angst und Wut am 29. Juni 1968 bei Strassendemonstrationen.
© keystone Vor dem sog. 'Globus-Provisorium'  kommt es zu einer erst friedlichen Demo.
Vor dem sog. 'Globus-Provisorium' kommt es zu einer erst friedlichen Demo.
1967 und 68 gehen weltweit Tausende auf die Strasse. Unzufriedene junge Menschen protestieren gegen den Kapitalismus, das Establishment und den Vietnamkrieg. Und fordern Selbstbestimmung, eine eigenständige Jugendkultur und die freie Liebe.
In Europa gehen Studentenunruhen in die Geschichte ein: in Deutschland schockiert der Mord an Benno Ohnesorg, in Frankreich kommt es zum "Pariser Mai", und auch der "Prager Frühling" erregt Aufsehen und motiviert junge Leute, sich gegen Staat und Gesellschaft aufzulehnen.


In der Schweiz bleibt alles relativ harmlos. Es geht auch bei Studenten-Demos alles gesittet zu und her. Aber: Sowohl das Konzert der Rolling Stones im April 1967 wie auch der Auftritt von Jimi Hendrix Ende Mai 1968 im Zürcher Hallenstadion enden in Krawallen mit der Stadtpolizei. Diese Scharmützel zwischen Polizei und Jugendlichen gelten als Auslöser zu den sogenannten Globus-Krawallen.
In den Augen der Jugendlichen ging die Polizei damals brutal vor. Und nicht nur die Jugend, auch die bürgerliche "Neue Zürcher Zeitung" bestätigt tags drauf in einem Artikel dieses unoportune Vorgehen der Polizei.
"Wehret den Anfängen": Das konsequent harte Durchgreifen der Polizei folgt der damaligen bürgerlichen Überzeugung: Die "aufmüpfigen" Jugendlichen würden vom kommunistischen Ostblock gesteuert. Aus diesem Grund müsse die Bewegung im Keim erstickt werden.

Provokation von beiden Seiten
© keystone Fusstritte und noch groberes Geschütz fahren die Polizisten auf. Über 40 Verletzte auf beiden Seiten zählt man am Schluss.
Fusstritte und noch groberes Geschütz fahren die Polizisten auf. Über 40 Verletzte auf beiden Seiten zählt man am Schluss.
im Juni 1968 fordern jugendliche AktivistInnen in Zürich ein autonomes Jugendhaus. Keine Reaktion der Politiker: Also besetzen die "wilden Jungen" das provisorisch errichtete und leer stehende Warenhaus Globus in der Nähe des Hauptbahnhofs und stellen dem Stadtrat ein Ultimatum.

29. Juni 1968: Rund 2000 Jugendliche gehen auf die Strasse. Auf einem zuvor verteilten Flugblatt steht die Aufforderung, "Baumaterial, Holz, Latten, Stangen, Bretter, Nägel, Hämmer usw." an die Demonstration vor dem Globus-Provisorium mitzunehmen.
Damit provozieren sie die Polizei. Die wiederum provoziert zurück, mit Schlagstöcken und derben Schimpfworten. Es kommt zur regelrechten Schlacht, die bis in die Morgenstunden dauert.  Die Polizei setzt Wasserwerfer und Knüppel ein. Demonstranten (und Passanten!) werden geschlagen, beschimpft und verhaftet.  169 Verhaftungen und mehr als drei Dutzend Verletzte Demonstranten und Polizisten zählt man am Schluss.