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Auf ein Wiedersehen mit Räuber Hotzenplotz
Das vierte Abenteuer von Räuber Hotzenplotz – «Hotzenplotz und die Mondrakete» – erscheint heute in Buchform. Eigentlich ist es die Geschichte Vorlage für ein Kasperlitheater. Die Lektüre lohnt sich dennoch.
Es sollte eine Sensation werden: Fünf Jahre nach dem Tod seines Schöpfers Otfried Preussler sei überraschend ein weiteres Abenteuer des Räuber Hotzenplotz aufgetaucht, meldete der Thienemann-Verlag.

Preusslers Tochter hatte das Manuskript zu "Hotzenplotz und die Mondrakete" im Nachlass entdeckt, eigentlich eine Vorlage für ein Kasperletheater.

Keine Neuentdeckung
Dann die Überraschung: Die angeblich neue Geschichte war bereits in zwei Sammelbänden veröffentlicht worden. Das war 1969 – und geriet in Vergessenheit.

Seit das publik wurde, preist der Thienemann-Verlag die Geschichte als Wiederentdeckung. Und diese ist nun erschienen.

Eine Ergänzung
Alle bekannten und beliebten Figuren sind natürlich bei "Hotzenplotz und die Mondrakete" dabei: der Kasperl, der Seppel, die Grossmutter, der Wachtmeister Dimpfelmoser und der Räuber Hotzenplotz.

Zeitlich gesehen ist das Buch keine Fortsetzung, sondern eine Ergänzung. Die Geschichte steht zwischen dem ersten und dem zweiten Hotzenplotz-Band.

Die Mondlandung ist Thema
Der Einfall mit dem Mond und der Rakete gefällt. Er erzählt einiges von der Zeit, in der Preussler seine Idee entwickelt hat.

Das Manuskript schrieb er 1967, in dem Jahr, in dem die ganze Welt der Mondlandung entgegenfieberte. Preussler hat diese Stimmung in sein Hotzenplotz-Universum integriert.

Erzähltes Theater
"Hotzenplotz und die Mondrakete" war ursprünglich als Theater gedacht, der Verlag bezeichnet es als «erzähltes Kasperletheater». Die Tochter von Ottfried Preussler, Susanne Preussler-Bitsch, hat das Manuskript ihres Vaters umgeschrieben.

Formal ist es ein traditionelles Kinderbuch: eine lange Erzählung mit vielen Illustrationen, die im Geiste der ursprünglichen Hotzenplotz-Illustrationen verfasst wurden.

Viele Dialoge
Die Bezeichnung "erzähltes Kasperletheater" trifft es sehr genau: Es gibt viele Dialoge, was zum Erzählen sehr kindgerecht ist.

Doch man merkt, dass gewisse Passagen als Kasperletheater besser funktionieren würden. Zum Beispiel die Szene, in der Kasperl und Seppel den Räuber Hotzenplotz in die Mondrakete stopfen wollen und sich damit enorm schwertun.

Solche Passagen sind dann eher nacherzähltes Kasperletheater.

Viel Lärm um nichts?
Natürlich muss sich der Verlag den Vorwurf gefallen lassen, mit der wiederentdeckten Hotzenplotz-Geschichte den Verkauf ankurbeln zu wollen.

Doch anders als bei Abenteuern, bei denen andere die Geschichte weiterspinnen, hat hier der Autor selbst in die Tasten gegriffen.

Preusslers liebste Figur
Zudem war der Hotzenplotz eine von Preusslers liebsten Figuren gewesen. Zeit seines Lebens nutzte der Autor seine Figur als Alter Ego. Er hat Briefe als Hotzenplotz beantwortet, den Behörden in seinem Namen Streiche gespielt.

Die Vermarktung von Büchern über alle möglichen Kanäle ist heute gang und gäbe. Preussler war in dieser Hinsicht vielleicht einer der ersten, der das schon vor 50 Jahren praktizierte: mit Kassetten, Schallplatten oder Puppentheater.

Seine heutige Fangemeinde wird es zu schätzen wissen, dass nun das räuberische Leben des Hotzenplotz ein weiteres Buch füllt.

Dieser Artikel erschien bereits unter srf.ch/Kultur.

Otfried Preussler
© Francis KoenigLupe