© An-Sofie Kesteleyn
Stolze Pose, gefährliches Accessoire: "My First Rifle" (2013) von An-Sofie Kesteleyn.
Stolze Pose, gefährliches Accessoire: "My First Rifle" (2013) von An-Sofie Kesteleyn.
Mein Gewehr, mein Stolz
Das Lausanner Mudac zeigt Werke zum Thema Waffen. Künstler und Designer inszenieren deren Gefahr – und Anziehungskraft.

Design ist Geschmackssache. Und lässt selten kalt. Das gilt besonders für die gezeigten Objekte im Lausanner Mudac. Etwa die drei Lampen der Serie "Guns Family" des Designers Philippe Starck.

Das Irritierende an den goldglänzenden Lampen ist der Ständer in Form einer Waffe. Je nach Grösse wurden eine italienische Beretta, eine amerikanische M16 oder eine russische Kalaschnikow nachgebildet. Ob als Leselampe oder als raumergreifende Lichtquelle, für jede Gelegenheit gibt es das passende Modell.


Zwischen Bewunderung und Abstossung

© Parastou Forouhar
Auf die Kuratorin Susanne Hilpert Stuber üben diese drei Exponate einen besonderen Reiz aus. "Sie sind ästhetisch unglaublich schön und faszinierend. Gleichzeitig unglaublich gewaltvoll", sagt sie.

Die auf zwei Stockwerken gezeigten Design- und Kunstobjekte spielen mit der Anziehungskraft von Waffen. Und lassen erschaudern. So etwa der knapp drei Meter lange, messingfarbene und leicht glänzende Teppich. Näher betrachtet zeigt sich: Die gleichmässige Struktur entsteht durch hunderte Patronenhülsen, die mit Garn zu einem Teppich verknüpft wurden.


Die bewaffneten Staaten

In der Ausstellung werden auch dokumentarische Arbeiten gezeigt. Zum Beispiel die Bilder des Fotografen Kyle Cassidy, der seit vielen Jahren die amerikanische Kultur dokumentiert.

In seiner Serie "Armed America" rückt er die bewaffnete Zivilbevölkerung in den Fokus. Er zeigt Amerikanerinnen und Amerikaner zuhause mit ihren Waffen, wie sie stolz ihre Maschinengewehre präsentieren oder ihre Pistolen wie Trophäen in die Höhe halten – bereit, abzudrücken.

Übersichtlich werden die verschiedenen zeitgenössischen Positionen von Künstlerinnen und Designern versammelt, darunter bekannte und weniger bekannte. Es ist eine Objektausstellung im besten Sinn – mit dem Anspruch, das Thema umfassend zu beleuchten.

Die Besucherin wird mit einer Reihe von Zahlen und Fakten entlassen, die in Zusammenarbeit mit der Genfer NGO "Small Arms Survey" zusammengestellt wurden. Auf Tablets kann man sich durch unzählige Diagramme klicken und erfährt: In der Schweiz kommen 2,4 Einwohner auf eine Waffe, in den USA ist das Verhältnis fast eins zu eins.


Viel Geld, grosse Konkurrenz

© Brigitte Zieger Women are different from men (2014) von Brigitte Zieger
Women are different from men (2014) von Brigitte Zieger
Manchmal ist das Ungesagte mindestens so spannend. Kuratorin Susanne Hilpert Stuber erzählt, dass sie gerne einen Einblick in die Arbeit von Waffendesignern gegeben hätte. Doch bei den Herstellern sei sie abgeblitzt. Ihre Anfragen habe niemand beantworten wollen. "Heutzutage spricht man ungern über die Waffenfabrikation." Sie vermute, weil viel Geld im Spiel und die Konkurrenz stark sei.

Nichtsdestotrotz: Die Ausstellung greift ein wichtiges gesellschaftliches Thema auf und regt dazu an, über einen gleichzeitig bekannten und doch ungewöhnlichen Gegenstand nachzudenken.









Dieser Artikel erschien zuerst auf www.srf.ch