© Keystone Walter Bieri
Regisseurin Lisa Brühlmann
Regisseurin Lisa Brühlmann
Der Schweizer Filmpreis geht an ...
Am vergangenen Freitag wurde der Schweizer Filmpreis in Zürich verliehen.
"Blue My Mind" ist der beste Schweizer Film des Jahres
© Frenetic Films
Bester Spielfilm, bestes Drehbuch und beste Hauptdarstellerin: Der Erstling von Lisa Brühlmann gewinnt drei Schweizer Filmpreise. Ein Film voller Überraschungen – die Preise kommen nicht überraschend.

Den Schweizer Filmpreis gibt es in elf Kategorien. In sieben davon war "Blue My Mind" nominiert. Drei Quartze sind nun bei Regisseurin Lisa Brühlmann und ihrem Team gelandet: jene für den besten Spielfilm, das beste Drehbuch und die beste Hauptdarstellerin.

Das ist ein weiterer Triumph für den Film, der seit seiner Uraufführung am Filmfestival von San Sebastián und der Schweizer Uraufführung am Zurich Film Festival im letzten Herbst von Preis zu Preis geflogen ist.

Dabei ist Mia, die von der sensationellen Luna Wedler gespielte Hauptfigur von «Blue My Mind», alles andere als ein Schätzchen.

© Frenetic Films
"Blue My Mind" erzählt die Geschichte einer Verwandlung. Es ist zugleich die normalste Verwandlung der Welt. Jene, die jedes Kind in der Pubertät durchmacht: der verwirrende Übergang in die fremde und gefährliche Welt der Erwachsenen.

Aber es ist auch die radikalste und furchteinflössendste Phase im Leben der meisten Menschen. Der Moment, in dem Mia nicht nur ihren Eltern fremd wird, sondern für eine Weile auch sich selbst.

Dafür hat Lisa Brühlmann mit Mias allmählicher Verwandlung in ein fischschwänziges Wesen aus einem anderen Element – einem anderen Kino-Genre auch – das perfekte Bild gefunden.

© Frenetic Films
"Blue My Mind" ist eine Milieu- und Altersstudie mit Anleihen vom phantastischen Kino. Der Film ist ein eben so hybrides Wesen wie Mia selbst in ihrer Zeit des Übergangs.

Lisa Brühlmann hat für ihren Langspielfilm-Erstling viel recherchiert. Sie hat mit Teenies gesprochen (oder zu sprechen versucht, nicht alle seien darauf eingegangen), und so eine überzeugend aktuell wirkende Momentaufnahme erfasst.

Darin erkennen Zuschauerinnen und Zuschauer ihre eigenen Erinnerungen wieder – in der ganzen Irritierbarkeit und Fremdheit dieser ebenso verletzlichen wie aggressiven Gören.

"Blue My Mind" erschafft ein realistisches Teenager-Milieu mit überzeugenden jungen Darstellerinnen. Und Brühlmann findet filmische Bilder, die von einem enormen Talent zeugen.

Den Alltag mit seinem Lärm und dem Schrecken für Mia taucht sie mit ihrem Kameramann Gabriel Lobos in kalte blaue Bilder. Wenn die junge Frau im Schlaf oder im Traum in ihre eigene, andere Welt abtaucht, werden die Farben braungelb und warm.

Wie schon in ihren viel beachteten Kurzfilmen gelingen Brühlmann immer wieder schnelle, verdrehte, verblüffende Übergänge.

Georges Schwizgebel erhält den Ehrenpreis
Der Ehrenpreis geht an Georges Schwizgebel, der als einer der weltweit bekanntesten und überzeugendsten Gestalter im Genre Animationsfilm gilt.

Aus der Begründung der Jury:
Mit seinen fliessenden Metamorphosen ist er ein "Maler der Leinwand". Die weit ausholenden Kamerabewegungen überwinden in seinen Filmgemälden mit verblüffender Kontinuität alle zeitlichen und räumlichen Grenzen.

Die Quartz-Verleihung
Seit 1998 wird der Schweizer Filmpreis verliehen. Als Preistrophäe fungiert der „Quartz“, eine Skulptur bestehend aus dem gleichlautenden Mineral. Die Auszeichnung wird zu jeder Auflage von Designern umgestaltet.

Der Schweizer Filmpreis soll die Filmschaffenden aus der Schweiz für ihre herausragenden Filmen auszeichnen. Die Jury besteht aus verschiedenen Personen aus den Bereichen Kultur, Film und Medien.

Dieser Artikel erschien in Auszügen bereits unter srf.ch/kultur.

Mehr zum Thema