© GamaraalFoundationSchweiz
Eine Wanderausstellung erinnert weltweit an Schweizer Holocaust-Überlebende wie Nina Weil.
Eine Wanderausstellung erinnert weltweit an Schweizer Holocaust-Überlebende wie Nina Weil.
Oral History soll vor dem Vergessen bewahren
Das weltweite Gedenken an den Holocaust findet aktuell unter Schweizer Vorsitz statt. Eine Ausstellung rückt Schweizer Holocaust-Überlebende in den Fokus der Weltöffentlichkeit.
Vor 73 Jahren wurde das KZ Auschwitz-Birkenau von der Roten Armee befreit. Deshalb wurde der 27. Januar zum internationalen Holocaust-Gedenktag erklärt.

Holocaust-Gedenken als staatliche Aufgabe
31 Staaten haben sich in besonderer Weise dem Gedenken verpflichtet und in der International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), Link öffnet in einem neuen Fenster , Link öffnet in einem neuen Fensterzusammengeschlossen.

Die IHRA will das Gedenken an den millionenfachen Judenmord pflegen und voranbringen. In der Allianz sind mehrheitlich europäische Staaten sowie auch Israel und die USA vertreten.

Die Schweiz präsidiert den Verbund noch bis Anfang März. Damit rücken die letzten Schweizer Holocaust-Überlebenden in den Fokus der Weltöffentlichkeit: Die Schweizer Fotoausstellung «The Last Swiss Holocaust Survivors» , Link öffnet in einem neuen Fensterwird weltweit gezeigt – aktuell an der UNO in New York.

Die Zeitzeugen erreichen eine neue Generation
Das multimediale Konzept der Ausstellung ist zukunftsweisend. Der Online-Verbreitung der Zeitzeugen-Interviews über die Webseite und die sozialen Medien wurde ebenso viel Aufmerksamkeit geschenkt wie der klassischen Wanderausstellung. Für Schulklassen gibt es didaktisches Begleitmaterial.

Dass auch Jugendliche von heute den Überlebenden zuhören – genau das habe sie sich sehr gewünscht, sagt Anita Winter von der Zürcher Gamaraal Foundation. Sie ist die Initiantin dieses Schweizer Erinnerungsprojekts und zeigt sich überaus zufrieden mit der Verbreitung der Zeitzeugen-Porträts der Gamaraal Foundation, gerade auch online.

Digitaler Wandel auch im Gedenken
Durch die Ausstellung mit Fotos und Videos bleibt eine «Begegnung» mit den letzten Schweizer Holocaust-Überlebenden möglich. Das ist wichtig für die künftige Erinnerungsarbeit. Die Zeitzeugen werden immer rarer – in naher Zukunft wird es keine Personen mehr geben, die den Holocaust selbst miterlebt und erlitten haben. Auf diese Zukunft bereiten die IHRA-Staaten aktiv vor.

Vor Antisemitismus schützen
Die Ausstellung hat aber noch ein zweites Ziel: Immer noch und immer wieder wird heute der Holocaust geleugnet. Dies obwohl der millionenfache Mord so gut dokumentiert ist wie kaum ein anderes Verbrechen der Menschheit.

Die Leugnung des Holocausts geht mit dem Phänomen eines neuen Antisemitismus einher. Dagegen vorzugehen hat der Schweizer Botschafter Benno Bättig bei Übernahme des IHRA-Vorsitzes als wichtigstes Ziel formuliert. Neue Formen des Gedenkens können dafür den Weg bereiten.

Dieser Artikel erschien zuerst auf www.srf.ch/kultur.

Die Ausstellung
© GamaraalFoundationSchweizLupeDie Ausstellung "The Last Swiss Holocaust Survivors" der Gamaraal Foundation porträtiert einige der jetzt noch in der Schweiz lebenden 450 Holocaust-Überlebenden. Sie tourte bereits durch die Schweiz.

Einzelne Videos aus der Ausstellung sind aktuell über die Webseite zugänglich. Ab 16. März sind alle Porträts im Forum Schlossplatz Aarau zu sehen.