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Schweizer Buchpreis 2017 - Das sind die Nominierten
Martina Clavadetscher, Urs Faes, Lukas Holliger, Jonas Lüscher und Julia Weber sind für den Schweizer Buchpreis nominiert. Am kommenden Sonntag gibt die Jury bekannt, wer den Preis bekommt.
Unter den Nominierten für den Schweizer Buchpreis finden sich viele Nachwuchsautoren. Julia Weber ist mit ihrem Erstling "Immer ist alles schön" nominiert.

Auch Lukas Holliger hat nach mehreren Theaterstücken und Hörspielen dieses Jahr erstmals einen Roman "Das kürzere Leben des Klaus Halm" veröffentlicht.

Zwei zweite Romane
Ebenfalls nominiert sind Martina Clavadetscher ("Knochenlieder") und Jonas Lüscher ("Kraft"), die 2017 jeweils ihren zweiten Roman vorgelegt haben.

Einzig Urs Faes hat in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Romane veröffentlicht. Dieses Jahr erschien sein sehr persönliches Buch "Halt auf Verlangen – ein Fahrtenbuch".

Verdiente Nominierungen
"Das ist eine mutige Auswahl, die ein breites Spektrum abdeckt", sagt SRF-Literaturredaktorin Luzia Stettler. "Knochenlieder" von Martina Clavadetscher sei zum Beispiel ein sehr eigenwilliges Stück Literatur, das Science-Fiction mit Elementen aus Märchen und Mythen mischt. "Und hat die Nominierung klar verdient. Genauso wie die vier anderen Titel", sagt Stettler.

Der Hauptpreis wird am 12. November in Basel verkündet. Der Schweizer Buchpreis ist mit 30'000 Franken dotiert, die übrigen Finalisten bekommen je 2500 Franken. Dieses Jahr waren 78 Werke eingereicht worden.

Martina Clavadetscher für "Knochenlieder"
© SRF Lukas Mäder
Zur Autorin:
Geboren 1979, studierte Germanistik, Linguistik und Philosophie an der Universität Fribourg. Seit 2009 arbeitet sie als Autorin und Dramatikerin sowie als Radiokolumnistin. Für ihre Theaterstücke wurde sie mehrfach ausgezeichnet.

"Knochenlieder" erzählt die Geschichte von vier Aussteigerfamilien: zunächst von deren Leben in einer kommunenartigen, abgeschotteten Siedlung mit eigenen Regeln und vielen Geheimnissen, danach – rund 20 Jahre später – in einer Stadt mit totaler Überwachung und Stacheldraht-Zäunen. Martina Clavadetscher beschreibt mal mit Märchenmotiven, mal mit Hacker- Vokabular eine Welt im Ausnahmezustand. In einer knappen, bildstarken Sprache skizziert sie einen beklemmenden und überraschend aktuellen Gesellschaftsentwurf.

Urs Faes für "Halt auf Verlangen. Ein Fahrtenbuch"
© SRF Lukas Mäder
Zum Autor:
Geboren 1947 in Aarau, wuchs in einem rigoros calvinistisch geprägten Umfeld auf. Nach einer Ausbildung zum Primarlehrer studierte er Geschichte, Germanistik, Philosophie und Ethnologie. Neben seinem Studium arbeitete er an einem Zürcher Gymnasium. Neben Romanen hat er auch Gedichte, Erzählunge, Theaterstücke und Hörspiele verfasst. Nominiert 2010.

"Siebzehn Stationen von Kronenstrasse bis Balgrist, laut Fahrplan siebenundzwanzig Minuten Fahrt" – auf dem täglichen Weg in die Klinik versucht Urs Faes aufzuschreiben, was ihm geschieht: die Müdigkeit nach der Bestrahlung, die Erinnerung an seine Kindheit, die Angst. "Halt auf Verlangen" ist das bisher wohl intimste Buch von Urs Faes, eine fragmentarische Autobiografie in der gewohnt dichten, poetischen Sprache, ein eindringlicher Krankheitsbericht und eine Hommage an das Schreiben.

Lukas Holliger für "Das kürzere Leben des Klaus Halm"
© SRF Lukas Mäder
Zum Autor:
Geboren 1971, ist Dramatiker und Hörspielautor. Seine Bühnentexte wurden mehrfach ausgezeichnet und ins Polnische und Griechische übersetzt. 2015 erschien sein Prosadebüt "Glas im Bauch".

Ein arbeitsloser Filmvorführer verlässt seine Wohnung in Basel nur noch selten. Eines Tages fällt ihm im Tram ein Mann ins Auge, den er verfolgt und minutiös beobachtet: Klaus Halm. Dieser wirkt wie sein exaktes Gegenbild und hat scheinbar alles, was dem Erzähler fehlt: Frau und Kind, Erfolg und Anerkennung. Überraschend und gekonnt verschränkt Lukas Holliger die beiden Leben miteinander. Und am Ende ist sich nicht nur der grenzenlos zynische Ich-Erzähler unsicher, wer hier eigentlich wessen Leben lebt.

Jonas Lüscher für "Kraft"
© SRF Lukas Mäder
Zum Autor:
Geboren 1976, wuchs in Bern auf. Er war einige Jahre als Lektor sowie Stoffentwickler in der Münchner Filmwirtschaft tätig, bevor er Philosophie studierte. Zur Zeit arbeitet Lüscher an der ETH Zürich. Nominiert 2013.

Richard Kraft, ein neoliberaler Rhetorikprofessor in Tübingen, ist unglücklich verheiratet und finanziell gebeutelt. Die wissenschaftliche Preisfrage eines Silicon Valley-Milliardärs, weshalb alles, was ist, gut ist und wir es dennoch verbessern können, scheint der Ausweg aus seiner Misere zu sein. Jonas Lüscher erzählt klug, komisch und mit einer erfrischenden Bösartigkeit nicht nur von einem Mann, der vor den Trümmern seines Lebens steht und versucht, sich mit dem Preisgeld von einer Million Dollar freizukaufen, sondern auch von den grossen ideologischen Auseinandersetzungen unserer Zeit.

Julia Weber für "Immer ist alles schön"
© SRF Lukas Mäder
Zur Autorin:
Geboren 1983, studierte nach einer Berufslehre am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. Sie hat den "Literaturdienst" gegründet und ist Mitinitiantin der Kunstaktionsgruppe "Literatur für das, was passiert". "Immer ist alles schön" ist ihr Debüt.

Die Mutter sagt, das Leben sei eine Wucht, und dass sie gerne noch ein Glas Wein hätte, denn es sei nicht einfach, so ein Leben zu leben. Sie braucht den Alkohol, um ihre Traurigkeit zu betäuben. Ihre Kinder Anais und Bruno versuchen, sich und die Mutter vor der Aussenwelt zu schützen. Einmal gesteht die Mutter: "Ich kann nicht mehr." Und Anais erwidert: "Ich kann noch viel mehr nicht mehr." Mit grosser Sogkraft lässt Julia Weber die 14-Jährige in einer unverstellten Sprache fröhlich-traurig aus dem Alltag zweier vernachlässigter Kinder erzählen, die sich gegen ihr Unglück auflehnen

Die Nominierten