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Selbst Scheinattacken eines Teenager-Bärenmannes kann Sommerhalder erklären.
Der Bärenmann
Als der junge Schweizer Reno Sommerhalder nach der Kochlehre in die Welt zog, war er auf der Suche nach sich selbst. Gefunden hatte er dabei die Bären und seine neue Heimat Kanada.
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Seit 30 Jahren lebt Sommerhalder unter Bären und hat dabei erkannt, dass mit diesen Grossraubtieren eine friedliche Koexistenz möglich ist, wenn man den Respekt vor den eindrücklichen Tieren nicht verliert. In Banff, im ältesten Nationalpark Kanadas, wohnt Sommerhalder mit seiner Familie mitten im Bärenland. Und von hier aus macht er sich als Bärenforscher und -Guide auf zu seinen weltweiten Exkursionen zu den Pelztieren.

In all den Jahren hatte Reno Sommerhalder tausende von Begegnungen mit Bären. Ganze fünfmal musste er dabei seinen Pfefferspray einsetzen, um eine potenziell gefährliche Situation abzuwenden. Doch eigentliche Ernstfälle waren auch das nicht. Wenn man die Grenzen dieser Tiere respektiere, seien Bären extrem tolerante Wesen, sagt Sommerhalder. Er glaubt denn auch, dass die Schweiz, vor allem das Tessin, durchaus Lebensraum bieten könnte für einige Bären.

Zu viele Besucher schaden
© srf Seit 30 Jahren kommt Reno Sommerhalder nach Alaska
Seit 30 Jahren kommt Reno Sommerhalder nach Alaska
Der Bär symbolisiert für Reno Sommerhalder in erster Linie ein intaktes Ökosystem. Und deshalb versteht er seinen weltweiten Einsatz für dieses Tier als Kampf auch für eine gesunde Umwelt. Diese sieht er selbst im grossflächigen Nationalpark von Banff gefährdet: Millionen von Besuchern strömen jährlich in diese grandiose Landschaft der kanadischen Rocky Mountains. – Und es werden immer mehr. Selbst im Nationalpark sollen Skigebiete vergrössert werden. Und dagegen kämpft der Kanada-Schweizer an vorderster Front, denn der touristische Erfolg droht den Lebensraum von Bären, Wölfen und Koyoten zu beschädigen. Und damit schliesslich ebenso die Grundlage des Tourismusgeschäftes.

Einsatz auch in Russland
Auch in Russland versucht Reno Sommerhalder die negativen Einflüsse des Menschen auf Tier und Umwelt zu begrenzen: In Sibirien und auf der Halbinsel Kamtschatka wirkte er als "Ersatzmutter" für verwaiste Jungbären, deren Mütter von Jägern getötet worden waren. In der ussurischen Taiga, an der Grenze zu China, war Sommerhalder mit den jungen Schwarzbären durchs Tigerland unterwegs.


Sommerhalder findet sein Auskommen als Vortragsreisender, als Buchautor – und auch als Bärenguide vor allem in Alaska. Dort, in der bärenreichen Küstengegend, führt er seit Jahren Besucher nahe zu den Grossraubtieren. Viele der Bären kennt er von früheren Aufenthalten, gab ihnen sogar Namen. –Die Tiere scheinen auch Sommerhalder zu kennen, ihm gar zu vertrauen. Ansonsten sehr misstrauische, vorsichtige Bärenmütter mit Jungen suchen die Nähe zu Sommerhalder. Womöglich gibt ihnen dies etwas Sicherheit vor aggressiven Bärenmännchen.
Gewiss: Bärentouren sind nicht unproblematisch. Deshalb führt Sommerhalder nur kleine Gruppen in die Wildnis. Und achtet darauf, so wenig Störung wie möglich zu verursachen.


Dieser Artikel erschien zuerst auf www.srf.ch

Sendedaten
Do. 03.08.2017, 17.00 Uhr
Der Bärenmann
Film von Beat Bieri

(Erstausstrahlung August 2016)
Mehr vom Bärenmann
© SRFReno Sommerhalder über das Zusammenleben von Mensch und Bär
Verhalten bei Bärenkontakt
Was tun?
- Überraschungsbegegnungen vermeiden.
- In dichtem Gebüsch, neben fliessendem Gewässer und dort wo man Bären erwartet, laute Geräusche (menschliche Stimme am besten) von sich geben, um den Bären nicht zu überraschen.
- In Gruppen wandern
- Hunde immer an der Leine führen
- Wenn möglich Pfefferspray tragen und wissen, wie und wann man ihn benutzt

- Nie vom Bären davonrennen!
- Langsam rückwärts gehen, ohne sich vom Bären abzuwenden
- Sprich mit dem Bär mit ruhiger Stimme.
- Augenkontakt vermeiden
- Sobald ausser Sichtweite schneller entfernen und Begegnung und deren Ablauf dem Wildhüter melden.

Quelle: Reno Sommerhalder