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Mittwoch, 24. Juni
© dvorburger Lupe
Flüchtlings-Apps: die neuen elektronischen Helfer
Flüchtlinge besitzen wenig bis gar nichts. Aber fast alle besitzen ein Handy. Da setzen nun findige Köpfe an und kreieren Apps, die weiterhelfen.
Eskindir ist 19. Seit ein paar Wochen lebt der Eritreer in der Schweiz. Sein Betreuer nimmt den fröhlichen jungen Mann mit auf einen Spaziergang durchs Dorf. Eskindir kennt seine neue Heimat nicht. Er fragt seinen Betreuer, mit Blick auf den Zürichsee: "Leben Krokodile im See? Und gibt es hier Löwen?"

Viel Schulbildung hat Eskindir nicht. Aber er kann lesen. Und er hat ein Handy, wie die meisten Flüchtlinge. Die besten Voraussetzungen also, um an mehr Wissen heranzukommen. An mehr Informationen über seine neue Heimat. Oder mehr Hilfe, Mobilität, Güter.
Möglich machen das neu geschaffene Apps und Plattformen. In Deutschland zum Beispiel vermittelt die App "Ankommen" Basiswissen und Sprachkurse (s. Kasten rechts).

Ein Geben und Nehmen via Plattform
Lupe
Sie haben Zeit und Ideen und kreierten unentgeltlich eine responsive Website: Ralph Moser und Silvan Groher.
Einen andern, innovativen Approach macht "giveandneed".
Ein "Herzprojekt" nennen es Ralph Moser und Silvan Groher. Die beiden Schweizer Webspezialisten waren für ein anderes Projekt viel unterwegs in Asylunterkünften. Sie redeten und fragten viel und erfuhren so einiges über die Flüchtlinge. Zum Beispiel, dass es an vielem fehlt. Dann nämlich, wenn Flüchtlinge bleiben und sich einen festen Wohnsitz suchen dürfen. Dann gilt es oft, eine ganze Wohnung zu möblieren.
Ohne Auftrag und Bezahlung brüteten die beiden Männer zwei Monate lang über einer Idee. Silvan Groher: "Wir leben im Überfluss, wir haben doch von allem zuviel. Drei Paar Skischuhe, zwei Schlitten, drei Laptops. Unsere Idee: Die, die haben, geben. Die, die nicht haben, können nehmen."
So entstand zusammen mit einer Grafikerin und einem weiteren Freund eine offene "Sharing"-Plattform, gratis für jedermann. Für Menschen, die zuviel haben. Für Menschen, die wenig oder nichts haben. Und das mit vielen Icons (Bildern und Symbolen) und wenig Text.


Eine Plattform für alle Bedürftigen
Lupe
Für jedermann verständliche Icons prägen das Erscheinungsbild dieser App.
Ende Dezember lanciert, landeten schon innert kurzer Zeit über 500 Angebote auf der "Web-App". "Und das ganz ohne Werbung!" ortet Ralph Moser erstaunt und erfreut. Erstaunt vor allem, weil es als Anbieter auch Hürden zu überwinden gilt: Wer etwas anbietet, soll es per Post schicken oder am besten gleich selbst vorbeibringen.


Bis dato finden sich vor allem Gebrauchsgegenstände auf der Plattform. Und die fanden immer auch Abnehmer. Fahrräder, Computer, sogar Schmuck.
Die beiden Enthusiasten wünschen sich allerdings noch mehr nichtmaterielle Angebote. "Ein Job- oder Wohnungs-Angebot, oder das Angebot mit der ganzen Familie in den Zoo zu gehen zum Beispiel, das wäre grossartig", so Groher.

Die Idee dürfte Schule machen. Groher und Moser möchten die Plattform weiter öffnen, so dass jeder Bedürftige Zugriff darauf hat. Also auch "Einheimische", die nicht auf Rosen gebettet sind.
Verdienen tun beide weiterhin keinen Rappen mit dieser Plattform.

Und vielleicht findet Eskindir, der 19-jährige Eritreer, über "givenandneed" ja ein Fahrrad. Um damit seine neue Heimat zu "erfahren".

Sendedaten
© SRFVideo"Auf Euch hat hier niemand gewartet"
2.3.2016, 20.15 Uhr
Eine App für Flüchtlinge
© dvorburger"Ankommen"
Mit dieser vom Goethe-Institut mitentwickelten App erfährt ein Flüchtling so ziemlich alles über Deutschland. Das geht von Verhaltensregeln bis hin zum Deutschkurs.
Eine App über Flüchtlinge
© srfVideo"Cloud Chasers - Journey of Hope"
VIDEO: Dass man auch sinnvolle Games entwickeln kann, beweisen die Schweizer Gamedesigner von "Blindflug Studios". Mit ihrem Game "Cloud Chasers" erfährt der User spielend, wie es sich anfühlt, auf der Flucht zu sein. Ein Vater und seine Tochter kämpfen sich durch eine Wüste. Die beiden Flüchtlinge müssen dabei allerlei Unbill durchmachen.
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