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Anne-Marie Blanc als Gritli Störteler
Anne-Marie Blanc als Gritli Störteler
Die missbrauchten Liebesbriefe
Ein Krämer schreibt glühende Liebesbriefe, seine Gattin lässt sie von einem ahnungslosen Dorflehrer beantworten, und schon ist ein kleiner Skandal perfekt. Alfred Rasser, Paul Hubschmid und Anne-Marie Blanc sind die Hauptdarsteller in Leopold Lindtbergs legendärer Verfilmung der gleichnamigen Gottfried-Keller-Novelle.
Irgendwann im 19. Jahrhundert meldet sich in Seldwyla der Junglehrer Wilhelm beim Schulpfleger zum Stellenantritt. Er wirkt schüchtern und gehemmt. In der Schule aber pflegt er einen so modernen Stil, dass sich der Pastor bald besorgt fragt, ob da gar ein Atheist am Werk sei. Sorgen ganz anderer Art macht sich der Kaufmann Viggi Störteler, der unter dem Pseudonym Kurt von Walde literarische Produkte publiziert.

Diese nämlich gefallen dem feinsinnigen Wilhelm ganz und gar nicht. Weil er für vier Monate nach Berlin reisen muss, plant Störteler einen "Briefwechsel zweier Zeitgenossen: Kurt - Alwina". Dafür schreibt er seiner Frau Gritli einen geschwollenen Liebesbrief, den sie geistreich beantworten soll. Weil sich die Überforderte nicht zu helfen weiss, greift sie zu einer List: Sie schreibt Viggis Brief ab, unterzeichnet mit ihrem Namen und steckt ihn kommentarlos dem Lehrer zu.

Der sieht eine Romanze keimen und antwortet. Sein Brief geht, in Gritlis Handschrift, nach Berlin. Weitere Liebespostillen folgen. Viggi Störteler ist entzückt über die Begabung seiner Frau, bis er nach seiner Rückkehr dem wahren Verfasser auf die Schliche kommt.

Kommen sich näher: Anne-Marie Blanc als Gritli Störteler, Paul Hubschmid als Wilhelm © SF
Greift zu einer List: Anne-Marie Blanc als Gritli Störteler © SF
Enttarnter Briefeschreiber: Paul Hubschmid als Lehrer Wilhelm © SF

Ihre erste Rolle in einem Schweizer Film spielte Anne-Marie Blanc 1939 in "Wachtmeister Studer". Sie war die Tochter des ermordeten Gemeindekassiers und die Verlobte des vermeintlichen Mörders. Ein Jahr später bekam sie, wieder unter Leopold Lindtbergs Regie, ihre erste große Rolle. Sie war als Gritli neben Paul Hubschmid und Alfred Rasser die dritte Hauptdarstellerin.

Die Komödie basiert auf einer Geschichte aus Gottfried Kellers Sammlung "Die Leute von Seldwyla". Das Drehbuch schrieben Richard Schweizer, Horst Budjuhn und Kurt Guggenheim, drei ausgewiesene Kapazitäten in ihrem Bereich. Regisseur Leopold Lindtberg gelang eine ebenso filmische wie stimmige Umsetzung der charmant-witzigen literarischen Vorlage. Das Werk fand denn auch, mitten im Krieg, im Ausland Anerkennung. "Die missbrauchten Liebesbriefe" wurden mit dem Pokal der Biennale Venedig 1940 ausgezeichnet.

Sendedaten
30. Juli 2017, um 6.10 Uhr
Credits
Spielfilm, Schweiz 1940
Nach der gleichnamigen Novelle von Gottfried Keller

Buch: Richard Schweizer, Horst Budjuhn, Kurt Guggenheim
Regie: Leopold Lindtberg
Länge: 88 Minuten

Mit Alfred Rasser, Anne-Marie Blanc, Paul Hubschmid, Elsie Attenhofer, Mathilde Danegger, Heinrich Gretler
u. a.
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