Ruine in Boschetto TI © SF
Ruine in Boschetto
Mehr Wildnis - Weniger Bauern
Wie weiter im Alpenraum?
Die Alpen verganden, der Wald kommt zurück. Trotz Subventionen in Milliardenhöhe entleeren sich immer mehr Gebiete des Alpenraums. Aus Kultur- entstehen Naturlandschaften, aus bewohnten Gebieten wird Wildnis.
Segen oder Fluch? Soll der Staat den Alpenraum weiterhin flächendeckend unterstützen oder nur dort, wo es nötig ist oder rentiert? Über die Hintergründe dieser Entwicklung - Welche Landschaft verspricht eine Zukunft?

© SF Onsernonetal im Tessin
Onsernonetal im Tessin
Vielen, meist Städtern, gefällt die Vergandung der Landschaft. Sie argumentieren, dadurch würden wilde Naturlandschaften entstehen, die touristisch genutzt, den Alpenbewohnern neue Einkommensquellen bieten könnten. Andere argumentieren, mit der Rückkehr des Waldes würden ökologisch wertvolle Flächen, wie etwa Magerwiesen, verschwinden und mit diesen die Artenvielfalt. Deshalb sollten die Bauern der alpinen Kulturlandschaft gezielter als bisher unterstützt werden.

Für die betroffenen Alpenbewohner bedeutet Vergandung meist wirtschaftliche Aussichtslosigkeit und Abwanderung. Sie möchten die Kulturlandschaft bewahren und stehen den Naturschutzgedanken aus dem Unterland, sei es für mehr Wald oder mehr Magerwiesen, skeptisch bis ablehnend gegenüber.

© SF Savognin GR heute
Savognin GR heute
Daneben gibt es einen dritten, den typisch schweizerischen Weg. Dieser sieht vor, sowohl Kulturlandschaften zu unterstützen, als auch Naturlandschaften entstehen zu lassen - sprich, der Nutzung zu entziehen. In sogenannten Natur- oder Landschaftspärken sollen beide Landschaftstypen nebeneinander bestehen und den "Parkbewohnern" eine gute Zukunft bescheren. Gegenwärtig gibt es über 20 Parkprojekte in der Schweiz.

Autor Gieri Venzin hat sich auf eine Reise durch Kulturlandschaften und Wildnisgebiete nördlich und südlich der Alpen gemacht. Die filmische Reise führt in den Sihlwald, das größte verwilderte Gebiet des Mittellandes, in das Tösstal und in den Kanton Uri, wo die Kulturlandschaften noch gehegt und gepflegt werden. Nach Mittelbünden in den Park Ela, den größten Naturpark der Schweiz.

© SF Wildheuen im Kanton Uri
Wildheuen im Kanton Uri
Weiter südlich geht’s dann ins Onsernonetal im Tessin, wo sich der Wald bereits durchgesetzt hat und unweit der Schweizer Grenze in den Nationalpark Val Grande, das größte Wildnisgebiet Italiens. Dort zeigt sich, wie sich die Landschaft verändert, wenn man sie sich selbst überlasst. Was bedeutet die Vergandung der Alpen für die Betroffenen und welche Vorzüge bietet die Kultur- , welche die Naturlandschaft?

Sendedaten
27. September 2017, um 17.35 Uhr
Info
Ein Film von Gieri Venzin
(Erstsendung: 25.10.2007)
Über die Sendereihe
© SRF"DOK" beschränkt sich nicht auf einen Themenkreis, sondern erzählt Geschichten, vielseitig wie das Leben.