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Buchcover: "Die Alles ist möglich-Lüge"
Buchcover: "Die Alles ist möglich-Lüge"
"Die Alles ist möglich-Lüge"
Gegen den Vereinbarkeitswahn
Dass der Alltag junger Familien - und besonders Alleinerziehender - oft genug ein Kraftakt ist und bei unvorhersehbaren Ereignissen im Chaos mündet, beschreiben die Journalistinnen Susanne Garsoffky und Britta Sembach eindringlich.
Sie wehren sich gegen Scheinargumente, wie beispielsweise, der Spagat zwischen Job, Hausarbeit und Kindern sei ja nur eine Frage der Organisation vehement –- und zu Recht.
„"Wir und unsere Familien haben am eigenen Leib erlebt: Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gibt es nicht. (...…) es gibt nur ein Nebeneinander zweier völlig unterschiedlicher Lebensbereiche, die sich, wenn man sie gleichzeitig ausübt, einfach nur addieren."“
Insbesondere von Frauen wird erwartet, Job, Kinder, Ehe und Haushalt unter einen Hut zu bekommen.

Klassische Rollenverteilung nach wie vor aktuell
Frauen, die diese Mehrfachbelastung haben, weichen aus Erschöpfung häufig in das Rollenmodell ihrer Großmütter aus. Muss einer der Partner beruflich zurückstecken, sind das nach wie vor fast immer die Frauen. Ordnen diese aber ihre Karriere der Familie unter, gelten sie als langweilige Hausmutti. Unbezahlte Care-Arbeit, die vor allem von Frauen geleistet wird, wird konsequent abgewertet. Verdient Mama dagegen aber gutes Geld, ist sie die böse Rabenmutter. Diese Retraditionalisierung führt – trotz gleichberechtigter Vorstellungen – schnell zu einer klassischen Aufgabenteilung. Wer also Beruf und Familie gleichzeitig haben möchte, zahlt – nach wie vor – einen hohen Preis. An der klassischen Rollenverteilung in den Familien hat sich also in den letzten Jahren kaum etwas geändert.

Das Perfide an dieser Situation ist, dass bei der Vereinbarkeit von Job und Kindern strukturelle Probleme auf das Individuum verlagert werden. „"Wenn alles so bleibt, wie es ist, haben Frauen in Zukunft entweder keine Kinder oder keine Karriere. Das ist eine fatale Entwicklung für eine Gesellschaft."“ Tatsächlich ist Vereinbarkeit also kein persönliches Problem, sondern eines, dass die gesamte Gesellschaft betrifft. „"Dass wir (…...) so tun, als seien das individuelle und nicht zutiefst strukturelle Probleme, macht die Alles ist möglich-Lüge erst möglich."“ Deshalb fordern die beiden Autorinnen gesellschaftliche Solidarität ein und zeigen mehrere Lösungsansätze auf. Susanne Garsoffky und Britta Sembach stellen sich auch die Frage, wie sich die Kinder fühlen, wenn sie stets funktionieren müssen. Auch darum setzen sie sich für clevere Konzepte zur Vereinbarkeit ein. Das letzte Kapitel entwirft das Szenario „"Wie wir leben wollen“."

Die beiden Autorinnen ziehen viele Veröffentlichungen und Studien heran, halten die derzeitige Situation für untragbar und setzen sich munter und kurzweilig gegen die Vereinbarkeitsgläubigkeit zur Wehr.

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"scobel"
donnerstags, um 21.00 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaGeschäfte mit der Hausarbeit
Info
Susanne Garsoffky und Britta Sembach
Die Alles ist möglich-Lüge: Wieso Familie und Beruf nicht zu vereinbaren sind
Pantheon 2014
ISBN-13: 978-3570552520