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Buchcover: "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung"
Buchcover: "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung"
"Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung"
Die Wirtschaftskorrespondentin Ulrike Herrmann empfindet den Kapitalismus als ausgesprochen faszinierendes System:
"Es ist ja das erste soziale System, das die Menschheit erfunden hat, das dynamisch ist. Nie vorher, nirgendwo in der Weltgeschichte gab es Wachstum. Das ist interessant. Mein Vorwurf ist, dass die heutige Wirtschaftswissenschaft sich mit dem Kapitalismus, so wie er existiert, gar nicht beschäftigt."
In "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" erklärt Herrmann die Erkenntnisse von Adam Smith, Karl Marx und John M. Keynes und bettet sie in historische, soziale und biografische Hintergründe ein. Hartnäckig plädiert sie dafür, sich wieder mit den Theorien der Altmeister der Ökonomie auseinanderzusetzen. "Die Ökonomie steckt in der Krise. Selbst Laien fällt auf, dass die herrschenden Wirtschaftstheorien nicht stimmen können." Obwohl mehrere Finanzkrisen bewiesen haben, dass die Modelle der Mainstream-Ökonomie nicht passen, wird meist daran festgehalten, betont die Wirtschaftsjournalistin und Publizistin.

Denkhintergründe und Überzeugungen
Ulrike Herrmann erklärt verständlich die Denkhintergründe und Überzeugungen von Karl Marx und zeigt, wie seine philosophischen Ansätze von der Philosophie Hegels beeinflusst wurden. Im September 1867 erschien "Das Kapital", an dem Marx zwanzig Jahre gearbeitet hatte. Immerhin war es Friedrich Engels, der erst 1895 starb, noch vergönnt mitzuerleben, wie in Deutschland tatsächlich eine Arbeiterbewegung entstand.

"Jahrzehntelang hatte sich niemand für das "Kommunistische Manifest" interessiert, aber jetzt wurde es in rund dreißig Sprachen übersetzt und erlebte Hunderte von Auflagen", freute sich Friedrich Engels. Warum das gemeinsame Hauptwerk von Marx und Engels noch länger auf seinen Durchbruch warten musste, hatte nicht nur etwas mit der Komplexität des gewählten Themas zu tun. Grund für die späte Berühmtheit von "Das Kapital" ist die Unverdaulichkeit und der wenig entgegenkommende Schreibstil des Werkes:
"'‘Das Kapital' war für Laien so unverdaulich, dass sich Engels gezwungen sah, populäre Zusammenfassungen zu erstellen, damit das Publikum überhaupt nachvollziehen konnte, was Freund Marx hatte sagen wollen," schreibt Herrmann.

Kapitalismusforschung vorantreiben
Den größten Verdienst von Karl Marx sieht die Autorin in der Beschreibung der Dynamik des Kapitalismus als sich stetig wandelnden Prozess. Deshalb schließt das Buch auch mit den Worten: "Der Kapitalismus ist das einzige dynamische soziale System, das die Menschheit je hervorgebracht hat. Die Ökonomie sollte ihn erforschen, statt ihn aus ihrer Theorie zu verbannen."

Fazit: In "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" macht Ulrike Herrmann das verständlich, was allgemein als zu komplex gilt. Verschiedene Wirtschaftstheorien werden vorgestellt und in ihrem Kontext betrachtet, so dass das Buch durchaus auch von Lesern ohne ökonomische Vorkenntnisse verstanden werden kann.

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Info
Ulrike Herrmann
Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung
Die Krise der heutigen Ökonomie oder was wir von Smith, Marx und Keynes lernen können
Westend 2018
ISBN: 978-3-86489-141-0