© scorpio
Buchcover: "Wie schleichendes Gift"
Buchcover: "Wie schleichendes Gift"
"Wie schleichendes Gift"
Narzisstischer Missbrauch in der Partnerschaft
"„Narzissmus ist ein wenig bekanntes, aber weit unterschätztes Phänomen, und er stellt ein schwereres soziales Problem dar, als man vermuten möchte.“"
In ihrem Buch „"Wie schleichendes Gift", erschienen im Scorpio Verlag, informiert die Autorin Christine Merzeder über narzisstischen Missbrauch in Partnerschaften, eine Form der emotionalen und psychischen Gewalt und eines der leidvollsten Phänomene in Beziehungen. „Narzissten benutzen andere Menschen als Energiequelle, um ihre eigene innere Leere aufzufüllen,“ so Merzeder.

Wie Narzissmus funktioniert
Zunächst beschreibt die Autorin die verschiedenen Phasen in Partnerschaften mit einem Narzissten und stellt heraus, was den Opfern das Erkennen des Problems und eine Trennung so schwer macht. Mitunter kann es lange dauern, bis der Partner eines Narzissten realisiert, dass er es nicht mit einem liebenden Partner, sondern mit einer gestörten Persönlichkeit, gewissermaßen mit einem Feind, zu tun hat. "„Narzissten, (...…) werten sich selbst auf, indem sie ihr Gegenüber manipulieren, emotional ausbeuten und abwerten."“

Doch Merzeder beschreibt nicht nur narzisstische Verhaltensmuster, sondern auch den Anteil, den die jeweiligen Partner eines Narzissten an einer solchen Beziehungsdynamik haben können. Viele Menschen geraten gerade deshalb an ihr narzisstisches Gegenüber, weil die eigene Wertschätzung und das Selbstbewusstsein schon vorher ausgesprochen niedrig war. Schließlich stellt die Autorin Auswege aus dieser Situation vor und beschreibt das Narcissistic Abuse Recovery Programme (Programm zur Genesung von narzisstischem Missbrauch, NARP), vor. Das ist ein Selbsthilfeprogramm, das bei der Bewältigung von Traumata hilft und mit Methoden der Meditation arbeitet.

Mangel an Selbstreflexion und Empathie
Indem die Autorin Grundmuster der narzisstischen Persönlichkeit beschreibt, leistet sie gleichzeitig auch einen Beitrag zur Prävention.
"„Ein typischer negativer narzisstischer Zug ist auch das Unvermögen, sich in andere Menschen einzufühlen. „Empathiemangel“ nennen dies die Experten. (..…) Bei Narzissten sind jedoch Empathie, Unrechtsbewusstsein und die Fähigkeit zur Selbstreflexion in der Regel wenig oder gar nicht ausgeprägt.“"

Stärkung der Opfer
Kurz geht Christine Merzeder auch darauf ein, dass Menschen mit einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung meist selbst Opfer einer drastisch fehlgeleiteten Entwicklung von Kindesbeinen an sind. In die Kapitel eingebettete Merkkästen wie zum Beispiel "„Schuld sind immer und ausschließlich die anderen - ein narzisstischer Klassiker“" oder „Auch die negative Aufmerksamkeit, die sie durch Auseinandersetzungen erhalten, ist für Narzissten begehrte narzisstische Zufuhr. Sie können nicht genug davon bekommen",“ fassen die einzelnen Ergebnisse knapp und klar zusammen.

"„Wie schleichendes Gift"“ ist besonders für betroffene Partner sehr zu empfehlen. Es ist sowohl inhaltlich interessant als auch durch Erfahrungsberichte lebendig geschrieben und zeigt auf, wie es möglich ist, aus dieser niederschmetternden Erfahrung gestärkt hervorzugehen und eine authentische Persönlichkeit zu entwickeln.

Navigation / Sendung
"scobel"
donnerstags, um 21.00 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaPsychische Gewalt
Info
Christine Merzeder
Wie schleichendes Gift
Narzisstischen Missbrauch in Beziehungen überleben und heilen
Scorpio 2015
ISBN: 978-3-95803-022-0