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Buchcover: "Brüssel. Der lobbykritische Stadtführer durch das EU-Viertel"
Buchcover: "Brüssel. Der lobbykritische Stadtführer durch das EU-Viertel"
"Brüssel"
Sightseeing für Lobbyismus-Fans
"Vom Dieselskandal der Autoindustrie bis zur Kontroverse um Monsantos Glyphosat – oft bringen erst Skandale ans Licht, in welchem Umfang große Unternehmen mit Hilfe von Lobbyisten versuchen, die EU-Politik zu ihrem Vorteil zu beeinflussen."
Der kritische Stadtführer durch das EU-Viertel in Brüssel bietet spannende Einsichten in Europas Lobbyhauptstadt. Im Stil von Lonely Planet aufgemacht, thematisiert der etwas andere Tourführer Intransparenz und Korruption. Die beschriebenen sechs Rundgänge stellen die wichtigsten Akteure, ihre Vorgehensweise und Adressen vor. Auf 64 Seiten werden Biotech- oder Finanzlobby-Tour vorgestellt. Den lobbykritischen Stadtführer gibt es auch für Berlin.

Mehrzahl der Lobbyisten kümmert sich um Wirtschaftsinteressen
"Viele Einflüsterer schreiben aktiv an Gesetzen mit, was laut Lobby Control auch damit zusammenhängt, dass viele Abgeordnete und EU-Kommissare schlecht informiert sind. Es fehle eine Institution wie der wissenschaftliche Hilfsdienst, der im Deutschen Bundestag den Abgeordneten Fachinformationen zuarbeitet.“
Die EU-Politik betrifft 510 Millionen Menschen in 28 EU-Staaten . Schätzungen zufolge kümmern sich regelmäßig mindestens 15.000 Lobbyisten um die "bestmögliche Unterrichtung" der EU-Abgeordneten. Wahrscheinlicher ist aber, dass es in Brüssel etwa 30.000 Lobbyisten gibt, von den sich ca. 80 Prozent um die Belange der Wirtschaft kümmern.

"Schätzungen zufolge werden jedes Jahr mehr als 1,5 Milliarden Euro für die Einflussnahme auf die Europäische Kommission, das Europäische Parlament, den Europäischen Rat und die Brüsseler Vertretungen der nationalen Regierungen ausgegeben."
Dabei klärt der lobbykritische Stadtführer durch das EU-Viertel auch darüber auf, dass besonders "gute" Lobbyisten in Brüssel sogar mehr verdienen können als Mitglieder der EU-Kommission.

Auf verständliche Art informiert der Guide über Strukturen und Einflussnahmen.
"Wir erklären, wie die Institutionen funktionieren und an welchen Stellen die Lobbyisten mit ihren Taktiken andocken: Wie zum Beispiel bei den Expertengruppen, die bei der Ausarbeitung neuer Gesetze helfen sollen, und in denen die Experten genau der Unternehmen sitzen, die reguliert werden sollen."

Im Lobbyismus-Stadtführer wird erklärt, wie Lobbyismus funktioniert, wie EU-Gesetze entstehen, welche Firmen über das größte Lobby-Budget verfügen und warum Überwachung so schwierig ist. So erfährt der Leser auch, dass unter dem Drehtüreffekt, der reibungslose Seitenwechsel in die Privatwirtschaft zu verstehen ist.

Der Stadtführer ist locker geschrieben und bietet einen guten, aber erschreckenden Einblick in die Machenschaften in Brüssel. Am Ende des Bandes erhält man Hinweise darauf, wie man am besten gegen den Lobbyismus von Unternehmen vorgehen kann. Das Schlusskapitel beschreibt deshalb die aktuelle Lobbyismus-Debatte in Brüssel, gibt Handlungsvorschläge für mehr Transparenz und Demokratie und Antworten auf die Frage, was man tun kann, um der Übermacht der Konzerne selbst entgegenzutreten. Fazit: Der Band ist auch für diejenigen, die keine Lobbyismus-Sightseeing-Tour durch Brüssel planen, hochinteressant!

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"scobel"
donnerstags, um 21.00 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© dpaDie Macht der Lobbyisten
Lobby Planet
Brüssel
Der lobbykritische Stadtführer durch das EU-Viertel
Lobbycontrol 2017ISBN: 978-3- 000-585531