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Buchcover: "Geschichte der Liebe"
Buchcover: "Geschichte der Liebe"
"Geschichte der Liebe"
Parcour durch die Jahrhunderte
In "Geschichte der Liebe"“ beschreibt der Anthropologe und Erziehungswissenschaftler Bernhard Rathmayr die vielen unterschiedlichen Erscheinungsformen der Liebe in Europa vom Mittelalter bis zum Hier und Jetzt.
Schnell räumt er dabei mit der vorherrschenden Auffassung auf, die Liebe sei von gesellschaftlichen und kulturellen Einflüssen unbeeinflusst und gehöre zu den unveränderlichen und immer gleich ablaufenden Gegebenheiten.
"Richtet man den Blick auf die längere Geschichte - und sei es auch nur die europäische - öffnet sich allerdings eine so große Vielfalt von Vorstellungen und Praktiken, dass man sich fragen kann, ob den vielen Bedeutungen von Liebe ein einziger Begriff gerecht wird."

Genealogische vs. romantische Liebe
Anhand zahlreicher Beispiele aus Kunst und Literatur zeigt er die vielfältigen Erscheinungsformen der Liebe auf und beschreibt ihre zeitliche Abfolge. Bei dieser Führung durch die Jahrhunderte wird schnell klar, dass er alle Varianten auf die genealogische Liebe, die den Fortbestand von Dynastien sichert und die romantische Liebe zurückführt. Beide werden und wurden durch Gesellschaft, Moral und Religion geprägt.
"Alle traditionellen Liebeskonstrukte sind in den gegenwärtigen Liebesverhältnissen noch am Werk. Manche, wie das romantische, vorherrschend, keines aber mehr allein herrschend."

Die großen Veränderungen im Liebesleben finden im Europa des 19. und 20. Jahrhunderts statt: mit der Durchsetzung des Wahlrechts für Frauen kommt der Feminismus und damit u.a. die Forderung der Frau nach sexueller Befriedigung und die Irritation der Männer. In den heutigen Partnerschaften steht die Bestätigung des eigenen Selbst durch den Anderen, bzw. die Andere im Vordergrund.

Das Nachlassen des Begehrens
Dabei räumt Rathmayr auch mit der Vorstellung der ewigen Treue auf. Tatsächlich beschreibt er die "…Unvereinbarkeit von Leidenschaft und Dauer auf der einen und die Unvereinbarkeit von Treue und sexuellem Begehren auf der anderen Seite." Kaum etwas ist in der Geschichte der Liebe so gut dokumentiert wie das Nachlassen der Leidenschaft mit der Fortdauer einer Beziehung.Der Parcours durch die verschiedenen Formen der abendländischen Liebe gelingt nicht zuletzt deshalb so gut, weil Bernhard Rathmayrs mit zahlreichen Abbildungen gleichzeitig auch durch die europäische Kunstgeschichte führt.

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"scobel"
donnerstags, um 21.00 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© colourbox.deZukunft der Liebe
Info
Bernhard Rathmayr
Geschichte der Liebe
Wandlungen der Geschlechterbeziehungen in der abendländischen Kultur
Wilhelm Fink Verlag 2016
ISBN 978-3-7705-6039-4