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DVD: "Frisch auf den Müll"
DVD: "Frisch auf den Müll"
"Frisch auf den Müll"
Wie wir das Klima vielleicht doch noch retten könnten
Laut Welternährungsorganisation der UNO landet mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel auf dem Müll. Und das ist deshalb so unverständlich, weil die meiste Nahrung noch durchaus genießbar ist und wir mit etwas mehr Achtsamkeit einen riesigen Beitrag im Kampf gegen die Klimakatastrophe leisten könnten. „
Würden wir nämlich unseren Lebensmittelmüll um die Hälfte reduzieren, hätte das auf den Ausstoß der Treibhausgase den gleichen Effekt, als ob wir jedes zweite Auto stilllegen würden. Diese aufrüttelnden Wahrheiten werden in Valentin Thurns Dokumentation "Frisch auf den Müll" herausgestellt. Von der Frage, wie wir konsumieren und mit unserem Essen umgehen, hängt also die Zukunft unseres Planeten ab.

Weggeschmissene Lebensmittel könnten alle Hungernden ernähren
Zwar gibt es keine Zahlen darüber, welche Menge ein normaler Haushalt in Deutschland wegschmeißt, weil das politisch (noch) nicht interessiert. In Österreich aber wirft ein Durchschnittshaushalt pro Jahr 100 Kilogramm, also Nahrungsmittel im Wert von 400 Euro, in die Tonne. Rechnet man das auf Deutschland hoch, kommt man auf die Summe von 20 Milliarden Euro, die einfach im Müll landen. Das entspricht dem Jahresumsatz von Aldi Deutschland. Dabei würden die Lebensmittel, die in Europa und Nordamerika weggeworfen werden, dreimal ausreichen, um alle Hungernden weltweit zu ernähren.

Wie Valentin Thurn ohne den moralischen Zeigefinger klar macht, schafft der Handel erst die Bedürfnisse, die der Konsument vorher noch gar nicht hatte. Schließlich ist es rational kaum zu vermitteln, warum ein Supermarkt über 100 Joghurtsorten im Angebot haben muss. Das Problem der Nahrungsmittelindustrie besteht heute eher darin, satte Menschen hungrig zu machen. Dabei ist das Mindesthaltbarkeitsdatum bestenfalls eine Empfehlung und allenfalls bei Fisch, Fleisch und Milch relevant. "Früher hat eine Flasche Mineralwasser 1,5 Jahre gehalten. Heute ist das Mindesthaltbarkeitsdatum bereits nach sechs Monaten abgelaufen," so einer der Filialleiter, der in "Frisch auf den Müll" zu Wort kommt. Aufgrund des Haltbarkeitsdatums, (einer Empfehlung der Industrie, die sehr an unserem Konsum interessiert ist) werden pro Supermarktfiliale etwa 45 Kilo pro Tag in die Tonne geramscht.

Luxusproblem: standardisierte Lebensmittel
Die Industrialisierung der Landwirtschaft und die Erwartung des Kunden, standardisierte Lebensmittel, wie die stets gleich dicke Kartoffel, kaufen zu können, führen dazu, dass 40 bis 50 Prozent der Lebensmittel bereits auf den Äckern weggeschmissen werden.

Glücklicherweise zeigt die Doku aber auch Gegenentwürfe. Berichtet wird über die schon länger agierenden Mülltaucher und die Community Supported Agriculture. Das ist eine Gruppe von US-amerikanischen Verbrauchern, die sich zusammengeschlossen hat und ein oder mehrere Farmer anstellt, um so den Handel überflüssig zu machen.

Von Mülltauchern und Verbraucherinitiativen
Bei diesem Modell zahlen die Verbrauer pro Tag 50 Cent und können so viel Bioobst und -gemüse mitnehmen, wie sie essen können. Ein anderes Müllvermeidungsmodell in den USA besteht darin, dass einige Großküchen ihre Essensreste abwiegen, bevor sie weggeschmissen werden. Allein diese einfache Maßnahme hilft den Küchen dabei, den Tagesbedarf besser zu schätzen und führt zu einem Drittel weniger Müll.

Dass wir die Wertschätzung für die Lebensmittel ein wenig verloren haben und wie sich unser irrationales Konsumverhalten auf die Menschen in der Dritten Welt auswirkt, zeigt der Film auf eindringliche Weise. Denn unser Wegwerfen noch essbarer Nahrung führt zur Preissteigerung und damit zum Hunger im Rest der Welt. Wollen wir wirklich weiter so konsumieren?

Sendung zum Thema
© dpaIch kaufe, also bin ich
Info
Frisch auf den Müll
Die globale Lebensmittelverschwendung
Ein Film von Valentin Thurn
ASIN: 3941849409