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Wissenschaft am Donnerstag
Um 20.15 Uhr sehen Sie die Dokumentation:
© Huber Lupe
"Therapie mit psychoaktiven Substanzen"
Eine Zwischenbilanz: Die Erforschung der Behandlung mit Drogen
Mit dem Fachbuch "Therapie mit psychoaktiven Substanzen" legen die Autoren Jungaberle, Gasser, Weinhold und Verres ein Standardwerk vor, in dem sie verschiedene, mögliche Therapieformen erläutern und durch Beiträge namhafter Forscher, darunter Stanislav Grof, ergänzen und über den neuesten Stand der Forschung berichten. Es richtet sich vor allem an Ärzte und Therapeuten, aber auch an den interessierten Laien.
Natürliche Halluzinogene werden seit Jahrtausenden in vielen Kulturkreisen genutzt, sowohl zur Veränderung der Sinneswahrnehmungen, als auch zur Heilung. Auch Psychotherapeuten haben in der Vergangenheit versucht Krankheitsbilder, z.B. Depressionen, mit Halluzinogenen zu behandeln. Negative Therapieergebnisse und vor allem Suchtgefahr brachten diese Methoden in Verruf. Nach drei Jahrzehnten nimmt das Interesse am therapeutischen Einsatz von bewusstseinsverändernden Substanzen wieder zu.

Großes komplementärmedizinisches Potenzial
In Deutschland sind derzeit drei Therapieformen zugelassen: die Verhaltenstherapie, die Psychotherapie und die Psychoanalyse. Bislang nicht offiziell zugelassen sind die Substanz-unterstützten Therapien, darunter fallen die "Psychedelische Therapie" und die "Psycholytische Therapie". Erstere versucht durch Zuhilfenahme von MDMA, LSD oder Psilocybin eine Erleuchtungs- oder Gipfelerfahrung herbeizuführen und dadurch Veränderungsprozesse beim Patienten auszulösen. Letztere arbeitet mit sehr geringen Dosen, die helfen sollen, die Therapieerlebnisse und -prozesse zu vertiefen.

Trotz aller Kritik und Bedenken haben pflanzliche und synthetische psychoaktive Substanzen ihre Bedeutung in Forschung und Therapie behalten. In der Schweiz war es in der jüngeren Vergangenheit möglich, mit LSD und MDMA Psychotherapien durchzuführen und dabei wichtige Erfahrungen zu sammeln. Die Autoren haben diese Ergebnisse ausgewertet und setzen sich für einen professionellen, verantwortungsvollen und vor allem auf wissenschaftlich fundierten Forschungen basierenden Neuanfang ein:
"Eine verantwortliche Therapie mit LSD, Psilocybin oder MDMA (sowie ähnlichen psychoaktiven Substanzen) ist möglich und gut begründbar. Dieses 'Territorium' sollte therapeutisch, wissenschaftlich und kulturell neu - und es sollte kritisch besetzt werden. Eine solche Psychotherapie hat großes komplementärmedizinisches Potenzial."

Substanzen als unterstützendes Hilfsmittel
Die verschiedenen Substanzen wirken auf die Reizleitung in Nerven-, Muskel- und Gehirnzellen ein. Traumähnliche Empfindungen, Stimmungsveränderungen oder auch eine Art "Kick" sind die Folge. Effekte, die zum Beispiel bei der Behandlung von Depressionen oder Psychosen genutzt werden können. Wichtig ist dabei die richtige Dosierung, so wie es uns die Schamanen in ihren uralten Ritualen aus anderen Kulturkreisen vormachen. Die Substanz soll einen Prozess begleiten und nicht bestimmen.
"Eine weitere entscheidende Lehre aus den 60er Jahren ist die Erkenntnis, dass es sich bei Psychedelika nicht um Allheilmittel handelt, die mit einer einmaligen Anwendung Wunderheilungen vollbringen können und keine Nachteile mit sich bringen. Es gibt relevante Risiken, die mit einkalkuliert werden müssen. […] Wichtig ist auch die Klarstellung, dass das zentrale Element der psychedelischen Psychotherapie nicht die eingesetzte Substanz ist, sondern der therapeutische Prozess ist, in dem die Substanz lediglich ein therapeutisches Werkzeug darstellt."

Denn in Verruf geraten ist der Einsatz von psychogenen Substanzen durch die Wirkung bei unsachgemäßer Einnahme. Ein Zuviel kann zu Krampfanfällen, Herzrhythmusstörungen und Herzrasen führen und, bei sehr ungünstigem Verlauf, sogar bleibende Hirnschäden verursachen. Noch gefährlicher wird es, wenn Substanzen kombiniert werden. Auch darauf gehen die Autoren ein und zeigen neben dem Potenzial, das in diesen Therapieformen steckt, auch die Risiken und Nebenwirkungen auf, und bewerten diese.

Sendedaten
scobel
donnerstags, um 21 Uhr, in 3sat
Sendung zum Thema
© colourbox"Highlung" durch Drogen?
Info
Therapie mit psychoaktiven Substanzen
Praxis und Kritik der Psychotherapie mit LSD, Psilocybin und MDMA
Henrik Jungaberle, Peter Gasser, Jan Weinhold und Rolf Verres
Huber 2008
ISBN-13: 978-3456846064
Info
MDMA: gehört zur Gruppe der Amphetamine (Methylendioxy-N-methylamphetamin) und ist häufig Bestandteil von Ecstasy-Pillen.

LSD: Lysergsäurediethylamid ist eines der stärksten Halluzinogene, das schon bei geringer Dosierung eine langanhaltende Wirkung entfaltet.

Psilocybin: Indolalkaloid, das in einigen Pilz-Arten vorkommt und Rauschzustände und Halluzinationen auslöst. Wird in indianischen Kulturen bis heute bei rituellen Zeremonien eingesetzt.