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Wenn es anders und besser kommen soll, dann müssen wir jetzt die Realitäten kennenlernen
Kolumne: Der Anfang vom Ende der Selbstsabotage
Gert Scobels Gedanken zu "Selbstsabotage"
Selbstsabotage ist ein merkwürdiges Phänomen. Geschieht sie bewusst, wird häufig von Autoaggressivität gesprochen, die in vielen Formen auftritt: mal stärker und unmittelbar sichtbar, mal kaum wahrnehmbar und unmerklich. Geschieht sie unbewusst, dann sehen wir die Ursachen für die Sabotage unserer Ziele oder Handlungen häufig in den Umständen, statt in uns selbst.
Doch nicht selten begehen wir Fehler - oder geraten in eine missliche Lage, weil wir uns selber im Weg stehen und unbewusst ein Bein stellen, vielleicht auf Grund von Erfahrungen, die wir in der Vergangenheit gemacht haben, vielleicht aber auch auf Grund der mehr oder weniger fiktionalen Erwartungen, die wir für die Zukunft haben. Beides sind nachgewiesenermaßen Faktoren, die Entscheidungen und Verhalten beeinflussen können. Bewusst? Unbewusst?

Bei genauerer Betrachtung gibt es viele Formen der Selbstsabotage. Sie reichen von den inzwischen intensiv beforschten kognitiven Verzerrungen (cognitive biases) und andere unbewusst ablaufende Mechanismen über schlichte Dummheit bis hin zur absichtlichen und bewussten Selbstzerstörung, für die es eine Vielzahl von Motiven gibt.

Falsche Denkgewohnheiten und Handlungsweisen
Selbstsabotage ist häufig eine Verhaltensweise, die dann einsetzt, wenn jemand aufgrund von Erwartungen im Voraus versucht, sich oder andere gegen ein potenzielles Risiko oder einen Misserfolg zu schützen. Häufig werden dabei genau solche Umstände herbeigeführt, und zwar sowohl durch reale Handlungen, wie in der Imagination, die dazu führen, das anvisierte Ziel zu verfehlen. Jemand lernt bis zum Umfallen – und ist am Tag der Prüfung völlig ausgelaugt. Jemand will weniger essen während des Tages - und nimmt gerade deshalb ein wesentlich umfangreicheres Frühstück zu sich, als gewöhnlich. Immer wieder sind es Vorstellungen und Begierden, aber auch falsche Denkgewohnheiten und Handlungsweisen, die unsere Absichten durchkreuzen.

Wir hängen fest in einer Schleife
Dass es anders kommt, als man denkt, ist das eine. Die Dinge haben nicht selten ihre eigene, von unserer völlig verschiedene Logik. Niemand ist unfehlbar. Fehler gehören zum Leben. Etwas anderes ist es, diese Fehler immer und immer zu wiederholen und einem fatalen Wiederholungszwang nachzugeben. Es ist durchaus möglich, eigene Verzerrungen, Irrtümer und falsche Handlungsweisen zu erkennen und sie zu korrigieren - auch wenn es mühselig ist - und viel Arbeit an sich selbst erfordert.

Vielleicht hängt ein guter Teil der heute weit verbreiteten Selbstsabotage damit zusammen, dass wir uns im Internetzeitalter mit Informationen und Wissen von allen Seiten eindecken, dabei aber vergessen, wie wichtig es ist, uns selbst, unser Bewusstsein, unsere Handlungsweise und manchmal auch unsere Hardware genau kennen zu lernen.

Nicht warten - jetzt anfangen
Im Alltag nutzt es wenig, über Schwarze Löcher Bescheid zu wissen – aber nicht zu wissen, welche Gefühle eine Situation erzeugt - und wie man mit ihnen am besten umgehen kann. Es ist wenig sinnvoll, mit dem Lernen erst dann anzufangen, wenn - metaphorisch gesprochen - der tote Punkt im Tagesrhythmus erreicht ist. Wenn es anders und besser kommen soll, dann müssen wir jetzt damit beginnen, die Realitäten kennen zu lernen - nicht zuletzt, um zu erkennen, wo es möglich ist, nicht nur anders zu denken, sondern auch anders zu handeln, um die Realität zu verändern. Dies könnte zum Anfang vom Ende der Selbstsabotage beitragen – denn auch Sabotage ist keineswegs unfehlbar und lässt sich durchaus sabotieren.





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Selbstsabotage
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