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Arbeitsplatz Privathaushalt
Arbeitsplatz Privathaushalt
scobel: Geschäfte mit der Hausarbeit
Geschlechtergerechte Verteilung und Bewertung von Arbeit
Früher hieß sie "Hausarbeit", heute "generative Sorgearbeit" oder neu "care-Arbeit". Sie wird immer mehr von Dienstleistern erledigt - weiterhin vornehmlich von Frauen - und schlecht bezahlt.
Der Staat schiebt Verantwortung für Sorge und Pflege zunehmend an die Familien ab – die häufig darunter zerbrechen. Kochen, putzen, einkaufen, waschen, pflegen, Kinder erziehen: Wie kann die Gesellschaft alle Arten von Arbeit auf alle Geschlechter verteilen?

Live in Studio - Gäste der Sendung
Es scheint höchste Zeit, diese Krise wissenschaftlich aufzuarbeiten und gesellschaftliche Antworten zu finden. Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen:

Bernhard Emunds, Theologe und Ökonom
Bernhard Emunds
Bernhard Emunds hat seit 2006 den Lehrstuhl für Christliche Gesellschaftsethik und Sozialphilosophie in Sankt Georgen inne und leitet das Oswald von Nell-Breuning-Institut für Wirtschafts- und Gesellschaftsethik.

Uta Meier-Gräwe, Familiensoziologin
Uta Meier-Gräwe
Uta Meier-Gräwe leitet das Kompetenzzentrum "Professionalisierung und Qualitätssicherung haushaltsnaher Dienstleistungen". Seit 2017 ist sie Mitglied der Lenkungsgruppe zum Modellprojekt zur Erprobung von Gutscheinen für haushaltsnahe Dienstleistungen in Baden-Württemberg. Sie ist Mitglied der Sachverständigenkommission zur Erstellung des zweiten Gleichstellungsberichts der Bundesregierung.

Dorothea Voss, Soziologin und Volkswirtin
Dorothea Voss
Dr. Dorothea Voss ist Soziologin und Volkswirtin. Im Referat "Zukunft des Wohlfahrtsstaats" ist sie seit November 2015 Abteilungsleiterin in der Forschungsförderung der Hans-Böckler-Stiftung. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind "Soziale Sicherungs(lücken), soziale Ungleichheit und gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen".



Probleme mit Blick auf häusliche Pflege
Die bundesdeutsche Gesellschaft hat einen tiefgreifenden Strukturwandel hinter sich: von der fordistischen Industriegesellschaft hin zu einer wissensbasierten Industrie- und Dienstleistungsgesellschaft im 21. Jahrhundert. Vor diesem Hintergrund diskutiert Gert Scobel mit seinen Gästen verschiedene Facetten der Thematik haushaltsnaher Dienste: Gleichstellungs- und rechtspolitische Aspekte der Regulierung des Arbeitsplatzes Privathaushalt sind inzwischen ebenso in den Fokus wissenschaftlicher Betrachtung gerückt wie sozialhistorische und beschäftigungsrelevante Perspektiven.

Hausarbeit stellt einen erheblichen ökonomischen Faktor da - wird aber bislang von Wirtschaft, Politik und anderen Bereichen der Gesellschaft kaum wahrgenommen. "Das bisschen Arbeit" könne man doch nebenbei machen. "Man"- das sind, wie Untersuchungen zeigen, in erster Linie Frauen, denen die sogenannte generative Sorgearbeit nebenbei und ohne Bezahlung aufgebürdet wird.

Der sogenannte Gender-Care-Gap, also der auf das Geschlecht bezogene Unterschied bei jeder Arbeit im Bereich Haushalt und Pflege, führt dazu, dass Frauen nach der Verrentung im Schnitt 53 Prozent weniger Geld zur Verfügung haben als Männer - und das, obwohl sie nicht weniger gearbeitet haben. Diese Situation stellt die Gesellschaft nicht nur vor große, bislang kaum wahrgenommene Probleme mit Blick auf häusliche Pflege, Kindererziehung, Ernährung und vieles andere, sondern bedeutet auch eine erhebliche Belastung für heutige Paarbeziehungen und Familien.

Gerade gesellschaftlich ist Deutschland weit von einer geschlechtergerechten Verteilung und Bewertung von Arbeit entfernt. In einer Zeit, in der häusliche Pflege zwar moralisch die Norm darstellt, die Überlastung des familiären Pflegesystems aber immer weiter zunimmt, stellt sich die Frage, wie häusliche Pflege ohne reale Überforderung und wirtschaftliche Benachteiligung für die Betroffenen gestaltet werden kann. Denn auch diejenigen, die von "außen" als sogenannte "Live-ins" im Haushalt arbeiten, müssen dies häufig unter illegal Bedingungen tun, die sie in den systematischen Burn-out treiben.


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Gert Scobel moderiert das Wissensmagazin "scobel".