© dpa
Ganze SendungGanze Sendung Beiträge, Buchtipps, InterviewsBeiträge, Buchtipps, Interviews
Nur um es klarzustellen: Marx war kein "Marxist"
scobel: Marx heute
War Karl Marx am Ende eher Visionär oder Revolutionär?
Vor 200 Jahren wurde der Philosoph und revolutionäre Vordenker Karl Marx geboren. Seine Ideen scheiterten im Praxistest Ende des 20. Jahrhunderts, doch seine Philosophie ist überraschend lebendig. Was würde Karl Marx zur heutigen Gesellschaft sagen? Wäre er mit der sozialen Marktwirtschaft zufriedener als mit dem Manchesterkapitalismus seiner Tage?
Live im Studio - Gäste der Sendung
Wie kann die Ideenwelt des großen Philosophen ins hier und jetzt zu übertragen werden? Gert Scobel diskutiert mit seinen Gästen:

Jürgen Neffe, Marx-Biograph
Jürgen Neffe
Er ist promovierter Biochemiker, hat für die Zeit, Geo und den Spiegel gearbeitet, war Deutschland-Korrespondent für "nature", das Wissenschaftsjournal und hat das Hauptstadtbüro der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin aufgebaut. Er ist Autor der vielgelobten Einstein-Biographie - aktuell erschienen: "Marx Der Unvollendete".

Michael Quante, Philosoph
Michael Quante
Michael Quante
Er ist Professor für Philosophie mit dem Schwerpunkt Praktische Philosophie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Als Marxforscher versucht er die verbreitete Annahme vom Bruch zwischen dem Frühwerk und dem reifen Karl Marx des Kapitals zurückzuweisen. Zuletzt erschien von ihm "Der unversöhnte Marx".

Ulrike Herrmann, Wirtschaftsjournalistin
© wdr
Ulrike Herrmann
Sie ist Bankkauffrau, studierte Geschichte und Philosophie und arbeitet als Wirtschaftsjournalistin und Publizistin. Sie ist Redakteurin und Wirtschaftskorrespondentin bei der Berliner taz und schrieb zuletzt das Buch "Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung".

Beiträge aus der Sendung
<b>Der Mensch verraten und verkauft?</b>
Der Mensch verraten und verkauft?
<b>Wie wollen wir leben im digitalen Zeitalter?</b>
Wie wollen wir leben im digitalen Zeitalter?
<b>Was von Marx' Ideen übrig blieb</b>
Was von Marx' Ideen übrig blieb
<b>Entfremdet sich von sich selbst</b>
Entfremdet sich von sich selbst



Online Bonusmatial
<b>Was bedeutet Megamaschine?</b><br />Fabian Scheidler  beschreibt in  seinem Buch "Das Ende der Megamaschine" die Geschichte einer scheiternden Zivilisation. Wir haben ihn befragt.
Interview
Was bedeutet Megamaschine?
Fabian Scheidler beschreibt in seinem Buch "Das Ende der Megamaschine" die Geschichte einer scheiternden Zivilisation. Wir haben ihn befragt.
<b>Was ist Gemeinwohlökonomie?</b><br />Laut Umfragen wünschen sich ca.  90% der Menschen eine ethische Wirtschaft. Wir haben den Soziologen Christrian Felber dazu befragt.
Interview
Was ist Gemeinwohlökonomie?
Laut Umfragen wünschen sich ca. 90% der Menschen eine ethische Wirtschaft. Wir haben den Soziologen Christrian Felber dazu befragt.

Ideen für eine gerechtere Gesellschaft
Kaum ein Philosoph hat in der Geschichte so tiefe Spur hinterlassen, sowohl in negativer als auch in positiver Hinsicht. Seine Lehre zumindest wollte er niemals als Utopie verstanden wissen. Der Historische Materialismus und seine davon abgeleiteten Ideen für eine gerechtere Gesellschaft waren für ihn stets wissenschaftliche Gesetze, welche nicht mit frühsozialistischen Träumereien von einer gerechteren Gesellschaft verwechselt werden dürfen. Seine Analysen und Visionen, übertragen ins Zeitalter der digitalen Revolution und der grenzenlosen Globalisierung, entwickeln heute - fast 30 Jahre nach dem Untergang des realexistierenden Sozialismus sowjetischer Prägung - plötzlich wieder eine ganz neue Dynamik.

Marx ist noch lange nicht in der Mottenkiste der Philosophiegeschichte verschwunden. Allein seine Analyse des Kapitalismus und der Entfremdung des Menschen von seiner natürlichen Umwelt gelten heute noch genauso wie zu seinen Lebzeiten. Und so überrascht es nicht, dass es auch in der Gegenwart wieder zahlreiche Denker, Autoren und Ökonomen gibt, die neue Visionen auf der Grundlage der Ideenlehre von Marx entwerfen. Ob bedingungsloses Grundeinkommen oder Gemeinwohl-Ökonomie: Für all diese neuen Ansätze und gesellschaftlichen Debatten findet man bei genauem Hinsehen schon Entsprechungen in den Werken von Marx und Engels.

>>> Was ist eigentlich Marxismus?

VideoVideo
Philosophisches Kopfkino



"Die Philosophen haben die Welt nur interpretiert.
Es geht darum sie zu verändern."
(Zitat Karl Marx)
Video ansehen

Marx war kein "Marxist"
Der Marxismus ist keine Philosophie, sondern Philosophie- und Ideologiekritik, Kapitalismuskritik und Gesellschaftskritik. Was Karl Marx zusammen mit Friedrich Engels als philosophische Grundlage des Marxismus zusammengeschrieben hat, ist eher ein "Best Of"-Album. Besonders geklaut haben die beiden bei der Dialektik Hegels und dem Materialismus Ludwig Feuerbachs.

  • Alles auf der Welt ist auf Materie und deren Gesetzmäßigkeiten zurückzurückzuführen. Gemixt mit der dialektischen Perspektive ständiger Entwicklung bedeutet das: Die Welt verändert sich und lässt sich verändern!
  • Ziel des Marxismus ist es, alte Ideologien und Machtstrukturen aufzubrechen und den Menschen zu emanzipieren. Marx vertritt die Ansicht, dass alle Ideen, Vorstellungen und Gedanken aus einer gesellschaftlichen Realität und den dort herrschenden Machtverhältnissen kommen und diese resultieren letztendlich aus den jeweils historisch-geographischen Produktionsverhältnissen und materiellen Gegebenheiten.
  • Sprich: ein Junge aus einem bürgerkriegsgebeutelten Land in Afrika hat andere Perspektiven als ein Millionärssohn in einem Schweizer Internat.
  • Marx stellt Zusammenhänge zwischen Besitz, Gesellschaft und Arbeit her und bringt das auf die knappe Formel W-G-W. Ware - Geld - Ware.
  • Aber das Geld steht ja gar nicht in der Mitte, sondern am Anfang der Kette! Das Geld wird investiert um eine Ware zu kaufen, die dann wieder verkauft wird. Am Ende dieser Handelskette steht wieder Geld. Und meistens mehr Geld.
  • Marx sieht in diesem KAPITAL den größten Problemfaktor.Und alles wird auf den Schultern der armen Arbeiterklasse ausgetragen. Das bedeutet: sie helfen jemand anderem, sich zu bereichern und haben selber nix davon. Klingt doch unfair, oder?
  • Also sind jene darauf bedacht, die Produktionsverhältnisse umzukehren um selbst zur herrschenden Klassen zu werden. Und schon beginnt der Klassenkampf erneut.
  • Gemeinsam bündelten Marx und Engels ihre Ansichten 1848 in ihrem "Kommunistischen Manifest". Ganz genau: "Proletarier aller Länder vereinigt Euch ..."
  • Der "Marxismus" hat als politische Strömung die Gesellschaften des 19. und 20. Jahrhunderts stark beeinflusst. Sozialdemokratische und sozialistische Parteien haben Teile der Lehre in die Parteiprogramme übernommen.
  • Über die Jahre wurde der Marxismus allerdings auch verdreht, missverstanden und missbraucht. Die Russische Revolution, Chinas langer Marsch und der Weltkommunismus stehen nicht bei Marx.

  • Nur um es klarzustellen: Marx war kein "Marxist". Er selbst sieht seine Philosophien als "historischen Materialismus". Er ist kein Arbeiter. Denn gearbeitet hat er nie wirklich. Und Kapital besaß er auch keins, denn er war chronisch pleite. Ironie des Schicksals!




Leseecke

Gert Scobels persönliche Empfehlungen
<b>"Marx-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung"</b><br />Ein hoch informatives, umfassendes Fachbuch – allerdings eher zum Nachschlagen und ausgewählten Lesen gedacht. © J.B.Metzler
Buchtipp
"Marx-Handbuch: Leben - Werk - Wirkung"
Ein hoch informatives, umfassendes Fachbuch – allerdings eher zum Nachschlagen und ausgewählten Lesen gedacht.
<b>"Re: Das Kapital"</b><br />Soziologen, Publizisten u.a.haben das Kapital noch einmal gelesen. Erbebnis: eines der besten Bücher zum 200sten Geburtstag von Marx. © kunstmann
Buchtipp
"Re: Das Kapital"
Soziologen, Publizisten u.a.haben das Kapital noch einmal gelesen. Erbebnis: eines der besten Bücher zum 200sten Geburtstag von Marx.

Buchtipp © c.bertelsmann
Buchtipp
"Marx - der Unvollendete"
Eine spannend zu lesendes, gut geschriebenes Buch von Jürgen Neffe. Wenn eine Biographie über Marx, dann diese lesen!
Buchtipp © westend
Buchtipp
Ausgesuchtes zu Marx
"Kein Kapitalismus ist auch keine Lösung" von Ulrike Herrmann und "Der unversöhnte Mar" von Michael Quante

Rezension



Karl Marx in der Mediathek


Navigation / Homepage
scobel
Immer donnerstags um 21.00 Uhr
Wissenschaft am Donnerstag
Eine faire Welt - nur Utopie?
Warum akzeptieren wir ein so großes Maß an Ungleichheit und nehmen soziale Ungerechtigkeit einfach hin? Welches Fairness-Gefühl haben Kinder?
Kolumne
Marx über Marx hinaus denken
Gert Scobels Gedanken zum Thema der Sendung
Webserie
VideoWas brauchen wir zu einem erfüllten Leben?
Wie kann man in dieser Welt seine Persönlichkeit finden und bewahren? Wir haben Peter Engelhardt, den Sammler von "nebenan" besucht.

#WeisheitderStraße
Webserie
VideoZufriedenheit ist auch Reichtum
Sind wir der sozialen Gerechtigkeit näher gekommen? Wir haben den Schreiner Wolfgang Pongs besucht.

#WeisheitderStraße
3sat Themenwoche
Visionäre und Utopien
In über 20 Produktionen, darunter zahlreiche Erstausstrahlungen, widmet sich die Themenwoche von 9. bis 14. April 2018 visionären Denkern und revolutionären Ideen.