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Wo fängt psychische Gewalt an, wie entsteht sie und was bewirkt sie?
scobel: Psychische Gewalt
Woran man psychische Gewalt erkennen kann
Obwohl sie unsichtbar scheint und im Verborgenen wirkt, kann sie mehr verletzen als körperliche Gewalt. Gerade das macht sie so gefährlich. Psychische Gewalt ist grausam und schwer nachzuweisen - und damit kaum justiziabel. Dennoch ist sie Alltag: in Familie, Schule und Beziehungen, am Arbeitsplatz, in Altenheimen, auf der Straße und im Netz.

Im Studio - Gäste der Sendung
Gerade weil sie im Verborgenen wirkt, ist eine der wichtigsten Fragen, woran man psychische Gewalt erkennen kann? Wo fängt sie an, wie entsteht sie und was bewirkt sie? Gert Scobel spricht mit seinen Gästen.

<b>Karl-Heinz Brisch</b> ist Leiter der Abteilung für Pädiatrische Psychosomatik und Psychotherapie am Dr. von Haunerschen Kinderspital der Uniklinik München. Ein Forschungsschwerpunkt sind die Entstehung von Bindungsprozessen und ihre Störungen in der frühen Kindheit sowie die Prävention. Karl-Heinz Brisch hat den weltweit ersten Lehrstuhl für Early Life Care an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg inne und leitet das gleichnamige Forschungsinstitut. 2017 gab er bei Klett-Cotta das Buch "Bindung und emotionale Gewalt" heraus.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br />
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Karl-Heinz Brisch, Kinder- und Jugendpsychiater
<b>Sabine Andresen</b> ist Professorin für Sozialpädagogik und Familienforschung an der Goethe-Universität Frankfurt/Main. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem Kindheits- und Familienforschung, Child-Well-Being, Vulnerabilität in der Kindheit und Forschungen zu sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend. Sabine Andresen ist Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes Bundesverband e. V.. und Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs. <br /><br /><br /><br /><br /><br /><br />
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Sabine Andresen, Professorin für Sozialpädagogik
<b>Andreas Zick </b> ist Sozialpsychologe und leitet das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) an der Universität Bielefeld. Derzeit beschäftigt er sich u.a. mit unterschiedlichen Formen extremistischer Gewalt, der Radikalisierung zur Gewalt, sowie Gewalt gegen Rettungskräfte, Polizeien, aber auch Demonstranten - und mit Gewaltprävention.<br /><br /><br /><br /><br /><br /><br />
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Andreas Zick, Professor für Sozialisation



Emotionaler und körperlicher Schmerz
Oft nimmt psychische Gewalt ihren Anfang in der Familie, im Beziehungsgeflecht zwischen Eltern und Kindern. "Emotionaler Missbrauch ist möglicherweise die am weitesten verbreitete und zugleich vielleicht die zerstörerischste Form der Misshandlung", heißt es im jüngst erschienen Buch "Bindung und emotionale Gewalt" des Kinderpsychiaters Karl Heinz Brisch.

Im Gehirn sind emotionaler und körperlicher Schmerz eng verknüpft. Diesen Mechanismus hat die amerikanische Hirnforscherin Naomi Eisenberger entdeckt. Eine mögliche neurobiologische Folge von psychischer Gewalt sind Stressreaktionen, die sich dauerhaft im Emotionssystem und auch neuronal manifestieren können und zu Veränderungen im Gehirn und damit auch im Verhalten führen.

Beiträge aus der Sendung
<b>Den Aggressor ins Leere laufen lassen </b>
Beitrag
Den Aggressor ins Leere laufen lassen
<b>Die Auswirkungen  psychischer Gewalt</b>
Beitrag
Die Auswirkungen psychischer Gewalt
<b>Zerstörerischste Form der Misshandlung</b>
Beitrag
Zerstörerischste Form der Misshandlung
<b>Mobbing -  Demütigen, Schikanieren </b>
Beitrag
Mobbing - Demütigen, Schikanieren



Was ist Schwarze Pädagogik?


Mobbing: Hintergrund und Fakten

Opfer sind die Kleineren, die Schwachen, die Randfiguren
Das Attackieren, Provozieren und Schikanieren von Mitschülern oder Kollegen wird von Fachleuten Mobbing genannt. Die Täter suchen sich ihre Opfer stets sehr genau aus. In dieser Beziehung gibt es immer ein starkes Machtgefälle.Etwa jeder neunte deutsche Arbeitnehmer erlebt im Laufe seines Lebens Psychoterror am Arbeitsplatz. Die Täter sind in mehr als 50 Prozent der Fälle die Chefs.

Laut Experten liegt Mobbing vor, wenn das Opfer über einen längeren Zeitraum - ab etwa einem halben Jahr - mindestens einmal pro Woche - Anfeindungen ausgesetzt ist. Außerdem muss eine gewisse Schwere der Anfeindungen vorliegen.

Legt man diese Definition zugrunde, kommt man auf die erschreckend hohe Zahl von 1,5 Millionen Mobbing-Opfern in Deutschland pro Jahr. Fast die Hälfte der Opfer werden durch Mobbing krank. Die Folgen reichen von Schlaflosigkeit, Bluthochdruck bis zu Magen-Darm-Geschwüren, Herzinfarkt und Schlaganfall.

Einmal in Gang gesetzte Mobbing-Prozesse enden in mehr als der Hälfte der Fälle mit der Kündigung oder Auflösung des Arbeitsverhältnisses.

Mobbing und Bullying an Schulen

Mobbing hat viele Gesichter
© dpa Jedes Kind zum Opfer werden.
Jedes Kind zum Opfer werden.
Unter den Begriff Mobbing im Schülerbereich fallen Handlungen, die in böser Absicht einen Mitschüler fertig machen sollen. Dazu gehören Schikanen, Drohungen, Erpressungen, Eigentumsbeschädigungen, Schlechtmachen vor anderen. Eine extremere Mobbing-Variante ist das unter Schülern verbreitete Bullying. Dabei werden Kinder oder Jugendliche in peinlichen Situationen mit dem Handy gefilmt und so bloß gestellt. Den Opfern drohen neben den körperlichen und psychischen Wunden zusätzlich noch Spott und Demütigung, wenn die Filmaufnahmen weiterverschickt werden.

Zu Beginn geschieht das Mobbing im Verborgenen
Wenn sich das Opfer nach einiger Zeit in seine Rolle gefügt hat, wird häufiger und offener gemobbt. Mobbing gibt es auch schon in unteren Klassen. Während Jungen ihre Opfer eher offen durch körperliche Angriffe oder verbale Übegriffe, angehen, wenden Mädchen andere Strategien an. Sie verletzen durch das Verbreiten von Gerüchten oder soziales Ausgrenzen.

Der Opfertyp
Generell kann jedes Kind zum Mobbingopfer werden. Doch sind es in den meisten Fällen unscheinbare, stille oder ängstliche Mädchen und Jungen. Häufig haben die Kinder keine Freunde oder geraten aufgrund einer körperlichen Schwäche wie beispielsweise Sehbehinderung, Sprachstörung oder Übergewicht in die Außenseiterrolle. Aber auch Schüler mit besonders guten Noten oder wohlhabenden Eltern werden gemobbt. In diesen Fällen spielt Neid eine große Rolle.

Anzeichen für Mobbing bei Schülern
  • Keine Lust mehr zur Schule zu gehen
  • Wunsch zur Schule begleitet oder gefahren zu werden
  • Schulische Leistungen lassen nach
  • Verletzungen wie Kratzer oder blaue Flecken
  • Kind zieht sich zurück, wirkt niedergeschlagen
  • Störungen im Essverhalten (Appetitlosigket oder unkontrolliertes Frustessen)
  • Schlafstörungen mit Alpträumen
  • Sprachliche Auffälligkeiten wie Stottern
  • Geld, Wertgegenstände oder Kleidung gehen grundlos verloren (Erpressung durch Mitschüler)

Eltern sind gefordert
Wenn Eltern den Verdacht haben, dass ihr Kind gemobbt wird, müssen sie aktiv werden. Erste wichtige Maßnahme ist das einfühlsame Gespräch. Das Kind muss spüren, dass seine Eltern hinter ihm stehen, es ernst nehmen und ihm helfen werden. Gemeinsam muss ein Lösungsweg erarbeitet werden, um das Kind aus der Mobbingsituation zu befreien. Eltern können versuchen das Selbstvertrauen des Kindes aufzubauen, indem sie ihm beibringen die Stimme zu festigen und eine aufrechtere Haltung einzunehmen. Denn energisches Auftreten gegenüber den Mobbern setzt der Gewalt eher ein Ende als ängstliches Zurückziehen. Notfalls können sich Eltern auch an die Schulleitung oder eine Beratungsstelle wenden.

Präventivmaßnahmen in der Schule
Mobbing sollte in der Schule kein Tabuthema sein. Durch eine Thematisierung im Unterricht können Lehrer klar Stellung beziehen und so die Schüler für ein soziales Miteinander sensibilisieren. Schüler können ermutigt werden, über Mobbing-Vorfälle zu berichten. Außerdem können Klassenregeln als präventive Maßnahmen gegen Mobbing vereinbart werden. Hat der Lehrer den Verdacht, dass ein Schüler gemobbt wird, oder wird es ihm zugetragen, sollte er der Sache nachgehen.




Leseecke

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Buchtipp: "Bindung und emotionale Gewalt"
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Rezensionen



Traumata über die Generationen hinweg

Transgeneratives Trauma
Freud sprach von Gefühlserbschaft. Sein Begriff der Übertragung bezeichnete einen unbewussten Prozess in sozialen Beziehungen. Heute nennt es die Psychoanalyse transgeneratives Trauma.

<b>Unbewusste Erbschaften von Traumata</font><br /></b>Warum haben einige Katastrophenopfer psychische Probleme, andere nicht? Gibt es  genetische Ursachen? Vererben sich Traumata?     © ap
Beitrag
Unbewusste Erbschaften von Traumata
Warum haben einige Katastrophenopfer psychische Probleme, andere nicht? Gibt es genetische Ursachen? Vererben sich Traumata?
<b>Das Trauma der Großeltern geerbt?</b><br /> Generell laufen Menschen Gefahr,  ihr Trauma weiterzugeben. Transgeneratives Trauma - ein Gespräch mit der  Sozialpsychologin Angela Moré.
Interview
Das Trauma der Großeltern geerbt?
Generell laufen Menschen Gefahr, ihr Trauma weiterzugeben. Transgeneratives Trauma - ein Gespräch mit der Sozialpsychologin Angela Moré.

Problem bei der Behandlung traumatischer Störungen

Nicht nur die direkt Traumatisierten sind von den psychischen Auswirkungen ihrer Erfahrungen betroffen, sondern auch deren Bezugspersonen und Familien, insbesondere Kinder und Enkel. Das Phänomen der Weitergabe von Traumata über die Generationen hinweg ist als sogenannte "Gefühlserbschaft" vor allem bei Holocaust-Überlebenden untersucht worden. Bindungstheorie und Psychoanalyse bestätigten, dass schon in frühesten Lebensphasen rudimentäre Wahrnehmungsmechanismen entstehen, die anschließend Übertragungsmechanismen auch von psychischen Erkrankungen ermöglichen. Eine solche Weitergabe von Traumata in die nachfolgenden Generationen hinein findet jedoch nicht zwangsläufig statt, ist durchaus reversibel und kann verhindert werden.

Phasen der Traumabehandlung

Behandlung erfolgt in der Regel über mehrere Phasen
In der Stabilisierungsphase wird die Basis für die therapeutische Beziehung zwischen Patient und Behandler gelegt. Dem Traumatisierten wird das Gefühl von Sicherheit vermittelt. Er wird über die Ursache seiner psychischen Störung informiert und wie diese durch eine Therapie behandelt werden kann. Durch spezielle Übungen lernen die Patienten, wie sie mit Alpträumen, Flashbacks (Wiedererleben der traumatisieren Situation) und körperlichen Einschränkungen umgehen können.

In der Traumabearbeitungsphase steht die Konfrontation mit dem Trauma selbst im Focus. Teile des traumatischen Ereignisses werden dosiert und kontrolliert unter therapeutischer Aufsicht wiedererlebt und so besser verarbeitet. Für die Behandlungsphase der Trauma-Konfrontation gibt es verschiedene Methoden.

In der Integrationsphase geht es darum, das Trauma zu integrieren und an den anfallenden Gefühlen zu arbeiten. Wie in einer klassischen Psychotherapie werden Bewältigungsstrategien erarbeitet, damit die Patienten wieder selbstbewusst und stark ihr Leben meistern können. Ziel ist anstelle der negativen die positiven Gefühle wie beispielsweise der Zusammenhalt und das gemeinsame Trösten unter den Kameraden rund um das erlebte Traume zu erkennen und zu stärken.

Den "Trigger" aus dem Kopf verdrängen

Als Trigger bezeichnet man den Auslöser für das erlebte Trauma. Das können Bilder, Gerüche, Geräusche, Orte oder Bewegungsabläufe sein. Diese können den Patienten jederzeit in die Vergangenheit zurückbringen und mit den qualvollen Erlebnissen belasten. Beispiel: Mit der Farbe rot verbindet beispielsweise ein Soldat den neben sich verblutenden Kameraden.

Ziele der Traumatherapien
  • Ungewolltes Erleben der traumatischen Situation verhindern,
    Mittel erlernen, dem entgegen zu wirken.
  • Dem Patienten Hoffnung, Handlungsfähigkeit und Macht über die erlebte Situation geben.
  • Erlernen, sich in die erlebte Situation hereinzufinden und sie bewusst wieder zu verlassen.



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