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scobel: Fakes & Fakten
Was ist echt und was ist falsch? Sind wir in der Lage, dies zu erkennen?
Was ist Fakt und was ist Fake? Es ist eine der ältesten Menschheitsfragen. Doch im Internetzeitalter hat sie eine ganz eigene Dynamik bekommen.
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Was ist noch wahr, wenn alles in Zweifel gezogen wird?
Es scheint im Netz ein Cyberkrieg um die Deutungshoheit unterschiedlicher Wirklichkeiten statt zu finden. Kann die Wissenschaft als Gralshüter der Wahrheit da noch gegen halten? Immerhin hat sie in der jüngsten Vergangenheit das ein oder andere Mal selbst ihre Glaubwürdigkeit eingebüßt. Da ließen sich Wissenschaftler von der Politik instrumentalisieren oder von der Wirtschaft kaufen. Für Populisten Grund genug, viele etablierte Experten grundsätzlich in Frage zu stellen und den Eliten der freiheitlichen Demokratien kurzerhand den Krieg zu erklären.


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Die Suche nach der Wahrheit in einer digitalisierten Welt

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Fake News sind wissentlich gefälschte oder erfundene Nachrichten, mit denen die Öffentlichkeit für politische oder kommerzielle Zwecke manipuliert werden soll. Unwahre Pressemitteilungen können zu einer falschen Berichterstattung in den Medien führen. Häufig werden zudem bewusst falsche Nachrichten unter anderem über soziale Medien verbreitet.
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Was sind Hasskommentare, Falschmeldungen, Fake News, Social Bots?

Hasskommentare
Hasskommentare oder auch Hassreden haben in letzter Zeit verstärkt zu Diskussionen geführt. Mit dem Netzwerkdurchsetzunggesetz (NetzDG), das Ende Juni 2017 vom Bundestag verabschiedet wurde, sind Soziale Netzwerke wie Facebook, Twitter oder Youtube verpflichtet, rechtswidrige Hetze konsequent zu löschen. Doch was ist "rechtswidrig"? Die freie Meinungsäußerung ist durch den Artikel 5 des Grundgesetztes geschützt: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern". Begrenzt wird dieses Recht durch bestimmte Straftatbestände. Wenn sich in abfälliger Art und Weise über "die Asylanten" oder "die Juden" ausgelassen wird, kann es sich um Volksverhetzung handeln. Und auch beleidigende oder unwahre Aussagen stehen unter Strafe: Üble Nachrede oder Verleumdung verletzen das Persönlichkeitsrecht. Ob zulässige Meinung oder Straftatbestand - darüber hat ein Gericht zu entscheiden. Kritiker warnen deshalb auch vor einer Einschränkung der Meinungsfreiheit durch das NetzDG. Weil Plattformen von Nutzern gemeldete Beiträge zügig löschen müssen, weil ihnen ansonsten hohe Bußgelder drohen, fürchten Kritiker das sogenannte "overblocking": Zu schnell würden auch harmlose Beiträge gelöscht oder auch solche, die von der Meinungsfreiheit gedeckt sind.

Falschmeldungen
Am 17. Januar 2017 hat das Bundesverfassungsgericht entschieden, dass die NPD nicht verboten wird. Fälschlicherweise verkündeten viele Onlineportale vorschnell das Verbot der rechtsextremen Partei. Obwohl keine Nachrichtenagentur ein Verbot bestätigte, hatten viele Medien ohne eine weitere Quelle abzuwarten, die falsche Eilmeldung auf dem Ticker. Diese journalistische Panne ist zwar auf schwere handwerkliche Mängeln zurückzuführen, dennoch ist sie klar zu unterscheiden von einer Lüge im Netz, die bewusst verbreitet wird.

Fake News
Nachrichten, die schlecht recherchiert und deshalb falsch sind oder bewusst gestreut werden, um falsche Tatsachenbehauptungen in die Welt zu setzen, blicken auf eine lange Historie zurück: Im Jahr 2000 treffen Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) den Informanten "Curveball". Der irakische Flüchtling, ein Chemiker, berichtet von mobilen Biowaffen-Laboren in seinem Heimatland. Der BND reicht die Information weiter, auch an den US-Geheimdienst CIA. Drei Jahre später wird die US-Regierung die Hinweise von "Curveball" vor der UN-Generalversammlung präsentieren - als Beweis für die Notwendigkeit der geplanten Invasion im Irak. Einen Diktator mit Massenvernichtungswaffen muss man mit allen Mitteln stoppen, schreiben nun auch renommierte US-Medien wie die "New York Times". Aber die Informationen waren falsch. "Curveball" hatte gelogen, um dem Diktator Saddam Hussein zu schaden, wie er später einräumte.

Im Internet erreichen sogenannte Fake News oft eine hohe Reichweite, häufig verstärkt von Social Bots. Erfundene Zitate, Gerüchte, überspitzte Darstellungen von Sachverhalten, erfundene Zahlen - im vergangenen Jahr haben sich viele Initiativen gegründet, die Fake News den Kampf angesagt haben. Zum Beispiel versuchen die so genannte "Faktenfinder der Tageschau" über Gerüchte im Netz aufzuklären. Die Initiative "stimmtdas.org" prüft öffentliche Aussagen von Spitzenpolitikern sämtlicher Parteien auf ihren Wahrheitsgehalt.

Social Bots
Social Bots sind zum Beispiel Accounts in sozialen Netzwerken, die von einer Software gesteuert werden. Diese Computer-Programme verfassen automatisch Texte oder retweeten Beiträge. Sie zielen meist darauf ab, die politische Meinungsbildung zu beeinflussen. Häufig wird mit den Fake-Accounts versucht, zu polarisieren und zu manipulieren. Deshalb sehen Wissenschaftler in den Bots ein Risiko für die Demokratie. Die vielen tendenziösen Posts können Zustimmung oder Ablehnung von politischen Meinungen vortäuschen und dafür sorgen, dass die Wirklichkeit verzerrt wahrgenommen wird. Wer die Meinungsmaschinen programmiert, ist oft nicht klar, auch wie groß ihr tatsächlicher Einfluss ist. Bisher haben Parteien in Deutschland eine solche Propaganda im Wahlkampf abgelehnt.

Fake News und Social Bots: Wie kann ich sie erkennen?

Wenn Fake News Einfluss nehmen auf die politische Meinungsbildung, kann das gerade in Wahlkampfzeiten eine Gefahr für die Demokratie darstellen. Umso wichtiger ist es, Fake News und Social Bots zu entlarven.

- Wenn eine Meldung sehr einseitig, dramatisierend oder überspitzt ist, sollte man stutzig werden: Was ist die Quelle? Viel Meinung, wenig Inhalt, eine kaum belastbare Quelle, wenn überhaupt vorhanden, sowie stark verkürzte und nahezu auf Schlagzeilen komprimierte Darstellungen sollten mit Vorsicht genossen werden. Das sogenannte Negative Campaigning ist ein beliebtes Mittel, um den politischen Gegner schlecht zu machen und nicht mit eigenen Inhalten überzeugen zu müssen.

- Je seriöser und transparenter das Impressum ist, desto glaubhafter der Inhalt der Seite. Seiten, die Lügen verbreiteten, haben meist ein Impressum ohne Namen oder gar keines. Auch ist im Impressum aufgeführt, ob es sich dabei um Satire handelt. Satire arbeitet oft mit der bewussten Verbreitung von überzogenen Meldungen oder mit Übertreibungen.

- Passen die Bilder zum Inhalt? Oft hat man es im Internet mit sogenannten "Hybrid-Fakes" zu tun. Bild und Text sind jeweils echt, aber der Kontext, in dem sie entstanden sinst, ist unterschiedlich. Dabei sollte man sich kritisch fragen: Was sehe ich auf dem Video, kann das überhaupt stimmen?

- Über die Google-Suche "Bilder" lässt sich manchmal herausfinden, in welchem Kontext ein Foto aufgenommen wurde. Rechts neben der Suchzeile gibt es ein Kamerasymbol, über das man entweder ein Bild hochladen oder die URL eines Bildes einfügen kann. Google spuckt dann Parallelfundstellen aus, und so lässt sich feststellen, wann das Bild aufgenommen wurde und wo. Suchmaschinen bieten weitere Suchfilter an, die man nutzen kann: Größe des Bildes, Nutzungsrechte, wie lange das Bild bereits im Umlauf ist.

- Social Bots sind Computer-Programme oder Accounts in sozialen Netzwerken, die automatisch Texte verfassen oder Beiträge verbreiten. Man kann sie erkennen, wenn auch nicht so einfach. Die einzige Möglichkeit, zu entscheiden, ob sie Fakes sind, ist, sie direkt anzusprechen und die Reaktion zu überprüfen. Sie antworten vielleicht, aber sehr rudimentär, schwammig und ausweichend.

Facebook weitet Kampf gegen Fake News aus

Werbeverbot für Seiten mit Links zu falschen Nachrichten
Wie das Unternehmen am 30. August 2017 in einem Blog-Beitrag mitteilte, dürfen künftig Seiten, die wiederholt auf gefälschte Nachrichten verlinken oder diese teilen, keine Werbung mehr in dem sozialen Netzwerk schalten. Diese Neuerung soll dazu beitragen, die Verbreitung von Fake News zu reduzieren und den verantwortlichen Seiten das Geld zu entziehen. Falsche Nachrichten seien "schädlich" für die Internetgemeinde, fuhr das Unternehmen in dem Beitrag fort. Durch sie sei die Welt weniger informiert und das Vertrauen schwinde. Einige Seiten benutzten Facebook dafür, um Werbung in eigener Sache zu machen und ihre Gefolgschaft zu vergrößern. Das solle nun vermieden werden. Die Debatte um gefälschte Nachrichten hatte vor allem im US-Wahlkampf wieder an Fahrt gewonnen, als in sozialen Netzwerken eine Reihe von Fake News auftauchte. Bis heute wirft US-Präsident Donald Trump vielen Medien regelmäßig vor, gefälschte Nachrichten zu verbreiten.

Mehrheit für schärferes Vorgehen gegen Fake News und Social Bots

Umfrage
Plattformbetreiber wie Facebook oder Twitter sollten dazu verpflichtet sein, Falschnachrichten auf ihren Kanälen von sich aus zu erkennen und aktiv zu löschen, erklärten 68 Prozent der Befragten.

Bei Social Bots, der automatisierten Verbreitung von Beiträgen über Social-Media-Kanäle, befürworteten demnach 90 Prozent eine stärkere Reglementierung, 43 Prozent sogar ein gesetzliches Verbot. Dabei sehen 53 Prozent den deutschen Gesetzgeber gefordert, 38 Prozent setzen auf ein gemeinsames Vorgehen auf europäischer Ebene. Die Hälfte der Befragten sieht zudem Anbieter wie Facebook oder Twitter selbst in der Pflicht, den Betreibern von Social Bots das Handwerk zu legen.

Fake News verorten die meisten Deutschen den Angaben zufolge fast ausschließlich im Internet. 79 Prozent gaben an, sie würden absichtliche Falschnachrichten zu politischen Themen am ehesten bei Facebook vermuten, 66 Prozent nannten Twitter, Blogs kamen auf 60 Prozent und Online-Foren auf 55 Prozent.

Die klassischen Medien genießen laut Umfrage dagegen ein deutlich größeres Vertrauen. 80 Prozent der Befragten vertrauen dem Wahrheitsgehalt von Informationen der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, nur neun Prozent rechnen dort mit Falschmeldungen. Auch öffentlich-rechtlichen Radiosendern, politischen Magazinen sowie Tages- und Wochenzeitungen trauen jeweils mehr als zwei Drittel der Befragten.

Als Hauptinformationsquelle für aktuelle politische Ereignisse nutzen dann auch 71 Prozent die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender, 53 Prozent Tages- oder Wochenzeitungen. Knapp ein Viertel der Befragten informiert sich regelmäßig in Social-Media-Kanälen über politische Themen. Dabei nutzen sie vor allem Angebote von Zeitungen und Magazinen sowie von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern.

Eine Aufklärung der Öffentlichkeit über Fake News und Social Bots erwarten 61 Prozent in erster Linie von Zeitungen, Magazinen, Fernseh- oder Radiosendern. 90 Prozent wünschen sich dazu eine personelle Aufstockung der Redaktionen, um Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt überprüfen zu können. Allerdings ist nur ein Viertel der Befragten auch bereit, dafür mehr zu bezahlen.
( Umfrage der Unternehmensberatung PwC. Befragt wurden 1.000 Bundesbürger im April und Mai 2017.)



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