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Die Verantwortung für die richtige medizinische Versorgung wird immer mehr auf die Patienten abgewälzt.
Krankheit als Geschäft
Das Gesundheitssystem gehorcht der Logik des Profits
Das Gesundheitssystem hat sich zu einer Gesundheitsindustrie entwickelt und verliert das Wichtigste aus den Augen: das Wohl des Patienten. Der Trend zu investorenfinanzierten Ärztehäusern und Klinikkonzernen, das Wachstum im Bereich ambulanter chirurgischer Eingriffe, Krankenkassenfusionen und expandierende High-Tech-Diagnostik sind Symptome dieses marktorientierten Wandels der Heilkunst.

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Investoreninteressen und Profitstreben steuern das deutsche Gesundheitswesen und machen es so zu einem überbürokratisierten und unsolidarischen System. Eine Entwicklung, die an vielen Stellen zu einer eklatanten medizinischen Fehl-, Mangel- und auch Überversorgung führt.

Die Verantwortung für die richtige medizinische Versorgung wird gleichzeitig immer mehr auf die Patienten – die nunmehr Kunden eines gewinnorientierten Gesundheitsmarktes sind – abgewälzt. Ein Markt, der aus der Krankheit ein Geschäft macht. Das alles geschieht vor dem Hintergrund steigender Lebenserwartung, einer stetigen Kostensteigerung aufgrund des medizinischen Fortschritts und abnehmender Geburtenraten, also einer zunehmenden finanziellen Belastung der Beitragszahler öffentlicher Kassen.

Warum Deutschland Operationsweltmeister ist

Die Deutschen sind Weltmeister im Arzt aufsuchen: 18 Mal im Jahr beanspruchen wir im Durchschnitt ärztliche Hilfe. 18 Mal im Jahr begeben wir uns in ein System, das einige Tücken in sich birgt. Denn wird das Füllhorn der Diagnostik über einem Patienten ausgeschüttet, sind die Chancen gut, dass sich etwas findet, was genauer untersucht werden muss.

Per MRT, Röntgen und anderen High-Tech-Verfahren schaut der behandelnde Mediziner also tief ins Innere des Menschen - und findet behandlungswürdige Krankheiten. Besonders gerne dann, wenn diese Krankheiten operativ zu beheben sind. Denn Operationen werden gut honoriert in unserem Gesundheitssystem. Seit dem Jahr 2004 können Kliniken nicht mehr jeden Liegetag ihrer Patienten abrechnen. Stattdessen bekommen sie eine Pauschale für jede geleistete Operation.

In Deutschland hat man sich an das System Operation angepasst. Im Jahr 2010 wurden 15 Millionen Patienten operiert. Darunter 240.000 Hüftprothesenoperationen pro Jahr, das sind doppelt so viele wie im europäischen Durchschnitt. Ähnliches gilt für Bandscheibenoperationen: mit 160.000 Fällen sind das doppelt so viele wie in Schweden und fünf Mal so viele wie in Frankreich. Doch nach der OP muss der Patient aus Kostengründen so schnell wie entlassen werden, egal ob die Wunden schon verheilt sind. Im Ärztejargon heißt das "Blutige Entlassung".

Für die Ärzte ist das bestehende Gesundheitssystem eine echte Herausforderung: Sie sollen das Wohl und die Gesundheit des Patienten im Sinn haben, bezahlt werden sie aber nach Krankheiten. Und um den Anreiz auch durchzusetzen enthalten Chefarztverträge besondere Klauseln. Bei der Erreichung bestimmter Fallzahlen ist ein Bonus vorgesehen. Überflüssige OPs aus Geldgründen sind aber nicht nur Betrug an den Krankenkassen, sondern auch schwere, vorsätzliche Körperverletzung.

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