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Mit dem radioaktiven Bedrohungspotential müssen schätzungsweise 30.000 Generationen leben.
scobel: Schöne schreckliche Zukunft
Nicht nur die Atommüll-Entsorgung führt zu düsteren Prognosen
Ein Blick in die Vergangenheit zeigt, wieviel Phantasie uns die Zukunft abverlangt. Atommüll strahlt eine Million Jahre vor sich hin. Für das "ideale" Atomendlager müssen wir sehr, sehr weit in die Zukunft denken, eine Zukunft berechnen und konstruieren.
Bis zum Jahr 2031 wollen die Deutschen ein Endlager für ihren hochradioaktiven Atommüll finden. Die Abfälle aus 60 Jahren Atomtechnologie erfordern hochkomplexe Sicherheitsmaßnahmen, die eine Million Jahre gegenüber der Umwelt standhalten sollen. Mit dem radioaktiven Bedrohungspotential müssen schätzungsweise noch 30.000 Generationen leben. Eine erschreckende Bilanz, die das menschliche Vorstellungsvermögen bei weitem übersteigt.

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Aber nicht nur die Entsorgung des Atommülls führt zu düsteren Prognosen, sondern auch die Ressourcenknappheit, der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und die zunehmende Digitalisierung der Welt. Vor ökologischen und wirtschaftlichen Schäden warnen aber meistens nur wenige. Erst schwere Katastrophen oder ein finanzieller Kollaps führen häufig zu einem gesellschaftlichen und politischen Umdenken.

Verschwörungstheorien lenken vom eigentlichen Thema ab

Jeder kann seine Sicht der Dinge als Wahrheit verbreiten
Es sind vor allem die Geheimdienste, die Finanzlobby und Regierungsorganisationen, denen man nicht über den Weg traut. Beispiele, in denen die Öffentlichkeit ausgeschlossen, belogen und manipuliert wird, gibt es reichlich. So weiß man nicht, was in Guantanamo passiert und unter welcher Anschuldigung weggesperrt und gefoltert wird.Auch über Fukushima lässt sich mit Gewissheit nur sagen, dass Regierung und Atomindustrie das japanische Volk und den Rest der Welt systematisch belogen haben. Inzwischen steht fast jede politische Veranstaltung unter Generalverdacht. Und jedes offizielle Dementi wird nur noch als Bestätigung dieses Verdachts gelesen. Besonders hoch schlagen die Wellen bei der Bilderberg-Konferenz, die seit 1961 jedes Jahr an einem anderen Ort der Welt stattfindet. Ihre internationalen Gäste aus Politik, Medien und Wirtschaft haben sich zur Geheimhaltung ihrer Themen verpflichtet.

Staatliches und ökonomisches Handeln wird heutzutage von viel mehr Seiten kritisch beleuchtet. Und die modernen Medien verstärken diesen Prozess. Im Internet kann jeder seine Sicht der Dinge als Wahrheit verbreiten. Die traditionellen Filter von Fachredaktionen und ausgebildeten Journalisten gibt es hier nicht. Daher wird die Trennung zwischen Fakten und Fiktion immer schwieriger. Jedes Bild und jede Nachricht kann eine Fälschung sein. Schon die gigantische Masse der Informationen lässt eine sachliche Überprüfung nicht mehr zu.

Verschwörung = Vereinfachung
Verschwörungstheorien sind deshalb so beliebt, weil sie für das breite Publikum zunächst die Möglichkeit der Vereinfachung bieten. Eine hochkomplexe Welt, die sich rasant verändert, in der ganze Staaten Pleite gehen und Polkappen schmelzen, wird in den Kategorien von Gut und Böse wieder begreifbar. Und wo die alten Sinnstifter wie Religion oder Klassenzugehörigkeit ausgedient haben, da kann wenigstens eine Verschwörungstheorie Halt und Identität geben. Dabei muss es sich gar nicht um eine große Weltverschwörung handeln. Es genügt auch die simple Wahnvorstellung, dass Elvis noch lebt.

Gleichzeitig können die Mächtigen von ihren wahren Interessen ablenken, indem sie einen Sündenbock schaffen, mit dem sie in Krieg ziehen können. Geld und Größenwahn finden sich schließlich immer nur beim Gegner. Im Gewand einer Verschwörungstheorie lassen sich Interessen durchsetzen, die sonst nicht mehrheitsfähig wären.

Vorgänge müssen kritisch hinterfragt werden
Es heißt, jeder von uns lüge bis zu 200 mal am Tag. Politiker und Entscheidungsträger sind auch nur Menschen - besonders wenn es um Macht und ökonomische Interessen geht. Doch wie viel Lüge verträgt die Demokratie? Wie viel Macht darf man Regierungen und ihren Geheimdiensten zugestehen? Welche Informationen müssen den Bürgern vorliegen? Welche dürfen oder müssen verheimlicht werden? Wie kann man die Einhaltung von Völkerrechten überprüfen?

Wo Transparenz keinen Platz hat, ist unsere Demokratie in Gefahr. Doch auch Politikverdrossenheit und Wahlboykott sind keine Lösung. Die Aufgabe des mündigen Staatsbürgers ist es, immer wieder kritische Fragen zu stellen und sich einzumischen. Beides ist Bestandteil einer wehrhaften Demokratie. Das heißt nicht, Verschwörungsideologien anzuhängen, sondern an der richtigen Stelle die richtigen Fragen zu stellen.



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