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Statt chirurgischer Eingriffe, ist die einfache Entnahme von Blut deutlich entspannter.
Kolumne: Komplexe Probleme erfordern komplexe Antworten
Gert Scobels Gedanken zu "Mit Blut gegen Krebs"
Krebs gehört zu den Erkrankungen, die ähnlich wie HIV bis heute tabuisiert werden. Immer noch fällt es vielen Menschen schwer, über ihre Krebserkrankung offen zu sprechen. Dabei handelt es sich bei Krebs um eine Erkrankung wie viele andere auch.
Anders als früher, sind viele Typen von Krebserkrankung auch kein Todesurteil mehr, sondern zum Teil mit hoher Erfolgsquote heilbar geworden. Allerdings hängt vieles davon ab, wie früh - und das bedeutet in welchem Stadium - die Erkrankung diagnostiziert wird und um welche Form des Tumors es sich handelt. Aus diesem Grund sind die unterschiedlichen Formen der Diagnose - zu der auch die Vorsorge gehört - von großer Bedeutung.

Die Diagnose ist erst einmal ein Schock
Eines der Probleme im Umgang, aber auch in der Diagnose von Krebs, ist die Komplexität der Erkrankung. Was die Frage nach einer mögliche Ursachen für eine Krebserkrankung angeht - eine Frage, die sich viele Betroffene stellen - lässt sich oftmals keine klare Antwort im Sinne es einzigen Auslösers oder Ereignisses finden. Hinzu kommt dass viele der Diagnosemechanismen wie Tumormarker alleine, für sich genommen, keineswegs 100 Prozent zuverlässig sind. Eine erste Diagnose kann sich durchaus als Irrtum herausstellen. Das zu wissen, ist insofern wichtig, als allein der Gedanke, an Krebs erkrankt zu sein, viele Menschen oftmals unnötig in eine Art Schockzustand versetzt.

Richtig ist, dass man eine Reihe von "Wahrscheinlichmachern" identifiziert hat, die rein statistisch eine Krebserkrankung wahrscheinlicher machen. Solche Faktoren können eine genetische Disposition sein, aber auch Rauchen, ein zu hoher Alkoholgenuss oder allzu wenig körperliche Bewegung (keinerlei Sport). Doch wo genau die Grenze liegt, lässt sich für den Einzelfall keineswegs klar sagen.

Neue Therapien bedeuten neue Hoffnung
Die Tatsache, dass Krebs eine hoch komplexe Erkrankung ist, erschwert sowohl die Diagnose als auch die Entwicklung neuer Therapiemöglichkeiten - und gerade neue Verfahren sind mit großen Hoffnungen verbunden. Die tatsächlichen Erfolge lassen sichallerding erst nach einiger Zeit wirklich beurteilen. Beide Bereiche der Diagnose als auch der Therapie, die in der Sendung (2. Februar 2016) angesprochen werden, haben mit Blut zu tun. Vielleicht lassen sich die neueren Erkenntnisse der Krebsforschung insofern zusammenfassen, als ein größeres Augenmerk erstens auf im Blut zirkulierende Tumorzellen (ZTZ) sowie zweitens auf die im Blut befindlichen zirkulierenden Tumor-Stammzellen (TSZ) gerichtet wird.

Vieles deutet darauf hin, dass diese eine wesentliche Rolle bei der Entwicklung von Krebs spielen, gerade weil sie extrem anpassungsfähig sind und daher Therapieansätze unterlaufen können. Zunehmend weisen Wissenschaftler deshalb darauf hin, dass der Nachweis und die genaue Analyse der Tumor-Stammzellen im Blut möglicherweise - sowohl mit Blick auf die Diagnose wie auch die Therapie vom Krebs - zu einem Paradigmenwechsel führen können. Statt darauf zu achten, mit welchem Organ eine Krebserkrankung in Verbindung steht (Lungen oder Darmkrebs beispielsweise) wird es in Zukunft mehr darum gehen, die Anzahl der Krebsstammzellen im Blut und die genetische Anlage der Krebszellen zu kennen. Entscheidend für die Therapie ist oft die Genetik des Tumors - und weniger wo er sich befindet.

Liquid Biopsy - die schonende Methode
Die Sendung am 2. Februar will beide Aspekte - Diagnose und Therapie - beleuchten. Dabei steht der Begriff der Liquid Biopsy, also der flüssigen Biopsie als zentraler Methode im Vordergrund. Die Liquid Biopsy könnte die bereits etablierten Methoden der Gewebeentnahmen auf entscheidende Weise ergänzen. Denkbar ist auch, dass Liquid Biopsy in Zukunft eine wesentliche Rolle bei der Vorsorge spielen könnte - was zu einer erheblichen Verbesserung der Gesundheit und Lebensqualität von Patienten beitragen würde.

Statt chirurgischer Eingriffe, die immer auch mit einer Freisetzung von Tumorzellen im Blut, und damit im gesamten Körper verbunden sind, ist die einfache Entnahme von Blut und dessen Untersuchung im Labor deutlich risikoärmer und entspannter. Die Methode ist noch relativ neu, befindet sich derzeit noch an verschiedenen Universitäten in der Phase der Erforschung, wird aber durchaus bereits mit Erfolg klinisch angewendet. All das legt nahe, dass der Nachweis, und die genaue genetische Analyse von Krebsstammzellen über das Blut tatsächlich zu einem Paradigmenwechsel in der Krebsdiagnose und Therapie führen könnten. Darüber zu berichten, erschien uns nicht nur interessant, sondern wichtig auch insofern es sich wieder einmal zeigt, dass komplexe Probleme nicht selten auch ebenso komplexe Antworten erfordern, auch wenn der Weg dahin – eine schlichte Entnahme von Blut – am Ende wieder sehr einfach sein mag.






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