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Anthropozän, das Erdzeitalter des Menschen: Gemeinsam mit seinen Gästen begibt sich Gert Scobel in der Sendung auf Spurensuche und hinterfragt Wert und Nutzen eines geologischen Theorieansatzes.
scobel: Rasante Veränderungen. Der Mensch und die Erde
Ist der Mensch dabei, die Natur abzuschaffen?
Nie zuvor ist die Welt innerhalb kürzester Zeit so verändert worden wie in den letzten Jahrhunderten. Aufgrund der fundamentalen Eingriffe des Menschen sprechen Geologen vom "Anthropozän" - dem Erdzeitalter des Menschen. Welche Chancen und Risiken liegen in dieser neuen Epoche?
Nachgefragt

Umfrage: Kennen Sie den Begriff Anthropozän?
UmfrageUmfrage
Wie sieht die Umwelt im Menschen-Zeitalter aus? Wie sieht für Sie die Umwelt in Zukunft aus? Müssen wir davor Angst haben, was auf uns zukommt? Wie sehr achten Sie selbst auf die Umwelt? Wir haben Passanten in Mainz befragt. [Video]

Und diese Fragen werden in der Sendung diskutiert ...

  • Ist "Anthropozän" nur ein Deckmantel für das ökologische Denken und die Grenzen des Wachstums, oder schließt das Phänomen auch Wirtschafts- und Sozialkritik mit ein?
  • Was können im Licht interdisziplinärer Forschung andere Wissenschaftsdisziplinen mit dem neuen Denkmodell anfangen?
  • Ist in Wahrheit die treibende Kraft hinter den geologischen, klimatischen und biologischen Veränderungen des Planeten vor allem die Wirtschaft?
  • Und wenn das so ist, warum belasten wir die Erde immer mehr, obwohl wir seit Jahren um die Gefahren und Risiken eines Klimawandels wissen?
  • Wie lässt sich ein nachhaltigerer Umgang mit Ressourcen umsetzen?

Leseecke

Gert Scobels persönliche Empfehlungen
<b>"Das Anthropozän"</b><br />Jürgen Renn und Bernd Scherer   beschäftigen mit den verschiedenen Dimensionen, die das Zeitalter des Menschen ausmachen. [Artikel] © matthes&seitz
Videobuchtipp
"Das Anthropozän"
Jürgen Renn und Bernd Scherer beschäftigen mit den verschiedenen Dimensionen, die das Zeitalter des Menschen ausmachen. [Artikel]
<b>"Das 6. Sterben"</b><br />Erschreckende Zusammenstellung dessen, was wir über die Veränderungen der Erde durch den Menschen wissen -vonElisabeth Kolber. [Artikel] © Suhrkamp
Videobuchtipp
"Das 6. Sterben"
Erschreckende Zusammenstellung dessen, was wir über die Veränderungen der Erde durch den Menschen wissen -vonElisabeth Kolber. [Artikel]

Weitere Bücher ...


Anthropozän - ein neues geologisches Erdzeitalter

Seit der letzten großen Veränderung der Erde durch einen Meteoriten nahe der Halbinsel Yucatan hat sich die Oberfläche und die Dynamik des Lebens auf der Erde nicht mehr so verändert wie durch das Handeln des Menschen. Während die Umbrüche in der Antike noch weitgehend regional blieben, verändern die zunehmend schnelleren technologischen Entwicklungen der letzten 250 Jahre die Umwelt in einem bislang nicht gekannten Ausmaß.

Die fundamentalen Eingriffe des Menschen in die Natur spiegeln sich im CO2 Anstieg, in der Versauerung der Meere, dem Korallensterben, den Monokulturen in der Landwirtschaft, dem Artensterben, dem Kahlschlag der Regenwälder und dem Ausbau der Metropolen. Da all diese Einflussfaktoren des Menschen sich auch auf der Oberfläche der Erde abbilden und geologisch nachweisbar sind, schlug der Chemie-Nobelpreispräger Paul Crutzen zur Jahrtausendwende vor, diese Entwicklungen als ein neues geologisches Erdzeitalter zu betrachten, das er "Anthropozän" nannte.

Experten rufen das Menschen-Zeitalter aus

© dpa
BeitragBeitrag
Video: Die Explosion der ersten Atombombe als Einstieg in ein neues Zeitalter.
Forscher wollen wegen der beispiellosen menschlichen Einflüsse auf den Planeten ein neues Erdzeitalter ausrufen. Demnach leben wir derzeit im Anthropozän. Eine zur Prüfung dieser Frage eingesetzte Arbeitsgruppe plädierte Ende August 2016 auf dem Internationalen Geologischen Kongress im südafrikanischen Kapstadt mit überwältigender Mehrheit dafür, den Terminus einzuführen. Bis der Begriff des Menschen-Zeitalters tatsächlich in die geologische Zeitskala übernommen wird, dürften aber Jahre vergehen.

Geologen teilen die Erdgeschichte in verschiedene Zeitalter ein. Demnach lebt die Menschheit derzeit im Holozän, das vor knapp 12.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit begann. Die 35-köpfige Arbeitsgruppe plädierte dafür, dass das Holozän seit Mitte des 20. Jahrhunderts beendet ist.

Umstritten war allerdings, wann das Menschen-Zeitalter beginnen sollte: Vorschläge waren unter anderem die Entdeckung Amerikas oder der Start der Industrialisierung. Die Arbeitsgruppe schug als Beginn die Mitte des 20. Jahrhunderts vor. Ein wichtiges Datum wäre der erste Atombombentest am 16. Juli 1945, dessen Folgen sich auf der Erdoberfläche weltweit nachweisen lassen. Geprägt wurde der Begriff "Anthropozän" im Jahr 2000 von dem US-Biologen Eugene Stoermer und dem niederländischen Meteorologen und Nobelpreisträger Paul Crutzen, dem früheren Direktor des Max-Planck-Instituts für Chemie in Mainz. Seitdem wird das Wort ständig verwendet, aber nicht als offizielle Epoche.

Zu den Veränderungen durch den Menschen zählten neben dem Klimawandel die großräumigen Veränderungen der Kreisläufe etwa von Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor, die Verbreitung von Plastik, Aluminium, Beton-Partikeln, Flugasche und radioaktivem Fallout sowie die beispiellose globale Verbreitung von Tier- und Pflanzenarten.

In den kommenden zwei bis drei Jahren wollen die Wissenschaftler klären, welche in den Erdschichten abgelagerten Stoffe als Referenz für das neue Erdzeitalter dienen sollen. Dies könne etwa eine Kombination von Kunststoff, Rückständen aus Atomwaffen-Tests oder von Flugasche aus industrieller Produktion sein. (dpa)





Sendedaten
scobel
" Rasante Veränderungen.
Der Mensch und die Erde"

Donnerstag, 8. September 2016,
um 21.00 Uhr in 3sat
Wissenschaft am Donnerstag
© dpaVideoDas Erdzeitalter des Menschen
Kolumne
Viele Systeme der
Natur sind einmalig

Gert Scobels Gedanken zum Thema der Sendung.
Gäste der Sendung
Harald Welzer
Soziologe
Direktor der Stiftung Futurzwei

Friedhelm von Blanckenburg
Geologe
Deutsches GeoForschungsZentrum

Klaus Töpfer
Volkswirt
ehem. Exekutivdirektor des Umweltprogrammsder Vereinten Nationen
Ausstellungstipp
"Willkommen im Anthropozän"
Unsere Verantwortung für die Zukunft der Erde: Auf 1400 m² wird zu diesem wichtigen Zukunftsthema der Begriff und das Konzept des Anthropozäns anhand ausgewählter Themen erklärt. Historische Exponate vermitteln unseren Weg ins Anthropozän, aktuelle Forschungsergebnisse und Projekte stellen die Herausforderungen und mögliche Lösungen vor.

Die Ausstellung im Deutschen Museum in München dauert noch bis 30. September. [Externer Link]